19.07.2018, 09:30 Uhr

Leichtsinniger Umgang mit Geld Regensburger Jäger schießen scharf – Verbandschef wird zum Rücktritt gezwungen


Der Regensburger Kreisverband der Jäger ist der Größte in ganz Bayern, die Mitglieder-Liste liest sich wie ein Who-is-Who der gehobenen Gesellschaft. Doch im Hintergrund bridelt es: Der Vorstand wurde jüngst zum Rücktritt gedrängt – er ging mit Geld nicht so sorgfältig um.

REGENSBURG „Hat der Jäger nichts geschossen, hat er nur die Luft genossen“, heißt eine Jägerweisheit. Nun, geschossen wurde in der Regensburger Jägerschaft bis vor Kurzem noch mit scharfer Munition, allerdings nicht auf Schwarzkittel oder Wild – nein, intern ging es zur Sache.

Hintergrund scheint ein völlig überforderter Vorstand zu sein, dem die großen Fußstapfen des langjährigen Kreisverbandschefs Hubertus Mühlig schlicht nicht passten. Vor einem Jahr trat Wolfgang Kemnitz das Amt des Jägervorstands im Landkreis Regensburg an. Jetzt wurde er Anfang Juli zum Rücktritt gezwungen – die Munition war scharf: Entweder er trete zurück, oder die Vorstandschaft gehe. So könne es nicht mehr weitergehen, hieß es intern. Von der Öffentlichkeit völlig unbehelligt wäre der Vorgang dann vonstatten gegangen, hätte sich Kemnitz nicht bemüßigt gefühlt, einen langen Brief an die Mitglieder zu schreiben.

Derer gibt es derzeit so viele wie bei keinem anderen Kreisverband in ganz Bayern: 1.250 sind es. Und Jäger sind nicht nur treue Seelen, sie haben auch Einfluss. Allein die Vorstandschaft des Regensburger Kreisverbands liest sich wie ein „Who is who“ der Stadt- und Landkreis-Gesellschaft. Doch das Erbe von Mühlig wollte damals keiner so recht antreten – außer Wolfgang Kemnitz, der gleichzeitig musikalischer Leiter der Jagdhornbläser ist. Seine Zeit als Vorstandschef endete aber am 2. Juli. Seine Kollegen haben ihm den Rückzug nahegelegt.

Kemnitz ist in der Tat ein rühriger Mann, doch offenbar hat er kein gutes Händchen im Umgang mit Geld. Das führte nicht nur zu Beschwerden, sondern am Ende auch zu viel Gerede. Wird hier Geld veruntreut? Bei vielen Vorstandsmitgliedern klingelte die Alarmglocke. Denn im Vorstand sitzen Rechtsanwälte und Steuerberater, Selbständige und Prominente. Einen Finanzskandal im Jagdverband – das wäre ein Desaster gewesen.

Kemnitz schmiss zwar hin, seither ist er aber schwer angeschlagen. „Meine ganze Familie leidet unter den Vorwürfen“, sagt er im Wochenblatt-Gespräch. Er geht in die Offensive – und schreibt einen zweiseitigen Brief an alle Mitglieder.

Kursgebühren für den Sohn verzögert bezahlt

Darin schildert Kemnitz, dass er eben schlecht mit Geld umgehen kann – sich aber nicht strafbar gemacht hat. Für die Kursgebühr seines 15-jährigen Sohnes etwa zahlte er die Gebühren über knapp 1.500 Euro erst in zwei Raten. Dabei gab es einen Vorstandsbeschluss, der Ratenzahlung ausschloss. Für den Umzug in andere Räume will Kemnitz 1.000 Euro abgehoben, das Geld aber nicht sofort ausgegeben haben, weil sich der Ankauf von Präparaten verzögerte. Kursgebühren, die bar beglichen wurden, zahlte er erst Wochen später ein. „Ich sehe die verspätete Einzahlung auch nicht als zinsloses Darlehen, da das Geld immer in Kuverts im Tresor lag“, schrieb er den Mitgliedern.

Übernommen hat jetzt Metzgermeister Anton Eschenwecker interimsweise den Verband. Eschenwecker sagt im Gespräch mit dem Wochenblatt, das Vertrauen in Kemnitz sei nicht mehr da gewesen, man habe die Reißleine ziehen müssen. Gleichzeitig macht Eschenwecker klar: „Es geht hier nicht um große Summen, es ging um Beträge zwischen 500 und 2.000 Euro, die eben mit Verzögerung weitergegeben wurden.“ Es habe keinen Grund gegeben, dieses Verhalten bei den Behörden zu melden. „Aber die Vertrauensbasis ist weg.“

Kemnitz indes wartet jetzt auf eine außerordentliche Versammlung der Jäger, er überlegt sogar, sich wieder als Chef des Verbandes aufstellen zu lassen. Er fühlt sich ungerecht behandelt. Eschenwecker indes sagt, man wolle mit Kemnitz auch weiterhin zusammenarbeiten, schon allein, weil er Chef der Jagdhornbläser ist –, als Chef des Jagdverbandes aber sehe Kemnitz keiner mehr.