22.12.2017, 10:50 Uhr

Drei wahre Helfer des Christkinds Die fleißigen Ganzjahres-Christkindl von nebenan im Packerl-Endspurt


Ehrenamtliche Helfer machen das Fest auch für Menschen auf der Schattenseite des Lebens schön.

AICHA V. WALD/ HAUZENBERG/VILSHOFEN Josef Fisch kennt es schon gar nicht mehr anders. Schon seit 35 Jahren setzt er sich ein für all jene, die weniger Glück hatten wie er, jene, die oft am Rande der Gesellschaft leben, jene, die oft nicht gesehen, sogar vergessen werden und dennoch unsere Hilfe brauchen.

Josef Fisch ist so einer, der hilft. Sein Wirkungskreis ist Hauzenberg. Seit 1982 hat er den Vorsitz der hiesigen Caritas inne. „Ich will Menschen in Not helfen, ich fühle mich einfach dazu verpflichtet“, meint Fisch, der ehemals als Fachlehrer an der Förderschule St. Severin gearbeitet hat. Bei der Caritas Hauzenberg begleitete Fisch außerdem früher auch Familien, in denen die Mutter krank oder auch bereits verstorben war.

Obendrein kümmert Josef Fisch sich außerdem um die Belange dreier Kindergärten im Gemeindebereich Hauzenberg. 15 bis 20 Wochenstunden kommen so zusammen für ehrenamtliche, also unentgeltliche Tätigkeiten. Früher, als Fisch noch berufstätig war, hat er die am Abend, nach der Arbeit, oder am Wochenende geleistet.

Josef Fisch: „Ich habe Verantwortung“

Josef Fisch hilft gerne allen, aber vor allem auch Familien in Not und Alleinerziehenden – die Kinder können ja nichts dafür. Die alljährliche Hauzenberger Weihnachtsbaum-Aktion war auch seine Idee. Dabei werden leere Kuverts an einen Christbaum gehängt, auf denen lediglich steht, wer die anonyme Spende erhält: z. B. Mann, 61 Jahre, Dialysepatient. „Da wissen die Leute, dass das Geld in Hauzenberg bleibt. Manche hängen sogar noch ein Geschenk dazu. Sogar von Firmen kriegen wir Geld, von dem wir dann für irgendjemanden irgendwann etwa die Stromrechnung bezahlen können“, schildert Josef Fisch. „Vor allem für Frauen strecken wir auch mal Geld vor, damit sie sich etwas zu essen leisten können.“ Insgesamt sind für die Tafel 30 Männer und 25 Frauen als freiwillige Helfer im Einsatz – 1,50 Euro kostet ein Einkauf pauschal. Oder auch die Hauzenberger Kleiderkammer, die von insgesamt 55 freiwilligen Frauen gewuppt wird. Jeden Mittwoch und Donnerstag kommen bis zu hundert Menschen hierher, die sich in der Kleiderkammer einkleiden, weil die Sachen in den Läden für sie ganz einfach zu teuer sind.

„Ich habe Verantwortung Leuten gegenüber, die mit ihren Lebensumständen nicht zurechtkommen – egal, ob selbst verschuldet oder unverschuldet“, beantwortet Josef Fisch die Frage, warum er das alles tut. Am meisten würde er sich freuen, wenn man die Hauzenberger Tafel in fünf Jahren zu ihrem 15-jährigen Bestehen auflösen könnte. Er wünscht es sich, glauben tut er nicht daran. Noch ein paar Jahre will er diese Arbeit tun – 40 Jahre Einsatz für Menschen. Aber genau das ist es, was ihn antreibt: „Das Tolle sind die Gespräche mit den Menschen, die meist abseits der Gesellschaft stehen. Ich weiß, dass sie diese Sachen nicht jedem erzählen.“ Dass das mit dem Ehrenamts-Nachwuchs nicht so einfach ist, weiß Josef Fisch. „Extreme Schichtarbeit, unendliche Öffnungszeiten im Einzelhandel, wer hat da noch Kraft und Zeit sich im Ehrenamt oder im Verein zu engagieren?“

Seit einem viertel Jahrhundert hilft Willi Stauder (71) mit Frau Klara (67) Menschen in Rumänien. „Dazu kam ich wie die Jungfrau zum Kind“, meint er lachend. Pater Berno Rupp vom Passauer Klosterberg sammelte Geld für ein Rumänisches Kinderheim in den Karpaten, um Landmaschinen für die Selbstversorgung anzuschaffen. 20000 Euro wurden gebraucht, 5000 fehlten noch – in nur drei Tagen hatte Willi Stauder den Betrag zusammen. Allerdings gab es ein Info-Problem, das Kinderheim freute sich auf dringend benötigte Nahrungsmittel, machte ein großes Fest für die Kinder und Senioren, futterte die Nahrungsmittelreserven, erhielt die Landmaschinen und hatte nun ein echtes Versorgungsproblem. Willi Stauder sah die Babygläser für seine Enkelin im Schrank, schrieb Briefe an vier Babynahrungshersteller und erhielt einen Rückruf von der Sekretärin von Claus Hipp. Zwei Tage später erhielt das Kinderheim eine Lastwagen-Lieferung mit 40000 Gläsern des Babynahrung-Herstellers. Auch die Erwachsenen freuten sich, würzten die salzlose Kindernahrung, machten sie warm und waren glücklich: „So etwas Gutes hatten wir nicht einmal zu Weihnachten.“

Willi Stauder: „Ich helfe Menschen gerne!“

Von diesem Tag an fuhren rund zehn Jahre lang jährlich bis zu sechs mal Lastwagen voller Hipp-Babynahrung das rumänische Kinderheim an – Willi Stauder sei dank! Etwas später schaltete sich auch Alete mit ein und lieferte bis 2016 200000 Baby-Gläser jährlich und dazu – aus Privatspenden von einer Schule in Hersching am Ammersee – rund 200 Kilo an Lebensmitteln wie Zucker, Salz, Mehl, Reis, Schokolade und vielem mehr. Kartons mit bis zu 40 Kilo Gewicht und das seit zehn Jahren. Und Kaffee! „Für Kaffee kriegt man hier einfach alles – Medizin genauso wie ärztliche Leistungen.“ Stauder erzählt die Geschichte einer älteren Frau. Nach dem Krieg war sie als Kind zu Verwandten nach Rumänien gekommen. Ihre 60 Euro Rente im Monat reichte für Brot – mehr zum Essen konnte sie sich nicht leisten. Und sie war durch eine Erkrankung blind. Einen Termin beim Arzt bekam man von der Sprechstundenhilfe aber nur gegen Bares. Drei Päckchen Kaffee von Willi Stauder, ermöglichten ihr den Arzttermin. Mittlerweile kann die Frau auf beiden Augen wieder sehen.

Oder eine Orgel, die sich die Schwestern eines rumänischen Klosters so sehr wünschten. Willi Stauder fing an zu suchen und wurde fündig. Über einige Umwege unter anderem über das Passauer Kloster Niedernburg erhielt er eine elektronische Orgel, fuhr mit seiner Frau selbst nach Rumänien und die hiesige Schwester Maria, 80 Jahre alt, spielte verzückt Kirchenmusik, bevor sie entkräftet an Willi Stauder übergab, der in den heiligen Hallen James Last-Klänge anstimmte. Aber auch für ihn wird das Helfen immer schwerer: „Lange werde ich das wohl nicht mehr machen können – es wird zu anstrengend. Aber es wäre schön, wenn sich jemand finden würde, der anderen Menschen so gerne hilft wie ich.“

Silvia Ragaller: „In mir schlägt ein Helferherz“

Seit 15 Jahren engagiert sich Silvia Ragaller (57) ehrenamtlich. Sie ist u. a. zweite Vorsitzende der Pfarrcaritas, 1. Vorsitzende des VdK Pleinting und zusammen mit Brigitte Syré Mitbegründerin von Plez – Pleintinger Netz. Bis zu 30 Stunden engagiert sie sich ehrenamtlich im Monat, verkauft zudem Wohlfahrtsmarken, nimmt die Fahrtkosten auf ihre Kappe und spendet das Fahrgeld.

Die Reihenfolge ist trotzdem klar: Erst kommt sie selbst, dann ihre Familie und erst dann das Ehrenamt. „Das Engagement tut mir gut, weil man anderen etwas geben kann. Senioren bedanken sich mit einem Lächeln, von Kindern bekommt man Zeichnungen. „In mir schlägt ein Helferherz, sagt mein Mann. Aber im Computerzeitalter kommt das Menschliche oft zu kurz“, sagt die gelernte Arzthelferin und jetzige Verwaltungsangestellte, die zwar ein Handy besitzt, aber es kaum verwendet – der persönliche Kontakt ist ihr wichtig und viel lieber! Denn: „Die Aufmerksamkeit durch Besuche und Gespräche ist unendlich wichtig!“ Und wie schafft sie das eigentlich alles? Alles nur eine Frage der Organisation – und des richtigen Partners! „Mein Mann hält mir den Rücken frei.“


0 Kommentare