22.10.2020, 15:16 Uhr

„Das ist ein Geschenk“ Warum will niemand den Geister-Mercedes von Altdorf?


Das ist wirklich ein kurioser Fall: Seit 7 Monaten wartet ein Auto auf seinenBesitzer – der kümmert sich aber gar nicht. Im Gegenteil. Das in Altdorf abgestellte Fahrzeug soll wohl geräuschlos ausrangiert werden. Und das, obwohl der Geister-Mercedes noch TÜV hat.

Altdorf. Ein kurioser Fall beschäftigt seit Monaten die Behörden. Wobei „beschäftigen“ vielleicht aktuell nicht gerade so wirklich zutrifft. Denn seit mehr als einem halben Jahr steht ein alter Mercedes in Altdorf herum. Es fühlt sich niemand zuständig, obwohl zwischenzeitlich die Nummernschildern abmontiert wurden. Der Eigentümer will hier seinen Wagen scheinbar relativ geräuschlos loswerden.

Cornelia Hacker ist der silberne Mercedes im März – ungefähr zeitgleich zu Beginn der Corona-Krise – als Erste aufgefallen. „Der Wagen steht genau gegenüber meiner Garage und behindert mich beim Rausfahren.“

Irgendwann ist es der 62-Jährigen zu dumm geworden und sie hat den Fall Anfang Juli der Polizei gemeldet. Diese konnte den Halter anhand der Kfz-Schilder natürlich schnell ermitteln. Bewegung ist in die Angelegenheit – und das Fahrzeug – jedoch auch nicht gekommen. Immerhin haben die Beamten das Auto „entstempelt“. Seitdem sind auch die Nummernschildern weg. Doch der silberne „Geister-Mercedes“ steht weiter am Straßenrand in Altdorf – und behindert Cornelia Hacker beim Ausparken. Auch wenn zwei der vier Reifen mittlerweile platt sind: Das Wageninnere ist tiptop sauber und glänzt. Aber leer – bis auf ein Sterbebild auf dem Beifahrersitz.

Die Altdorferin schüttelt den Kopf: „Es wurde noch kurioser: Eines Tages klebte der Autoschlüssel auf dem Autodach – mit einem Zettel, auf dem stand: ,Das ist ein Geschenk‘. Den Schlüssel hat jetzt die Polizei.“ Wirkliches kümmern tut sich um den Automatik-Mercedes, der noch einige Monate TÜV hat, jedoch niemand. Außer Cornelia Hacker. Diese sagt schmunzelnd: „Wenn das Auto ein Geschenk für mich sein soll, nehme ich es natürlich und sorge dafür, dass es wegkommt. Dann hätte ich aber gerne eine Bestätigung von der Polizei oder vom Landratsamt. Es haben bei mir schon Leute geklingelt, die das Auto kaufen wollten. “

Die Behörde ist bei derartigen abgestellten Autos die zuständige Anlaufstelle. Landratsamt-Sprecherin Carina Weinzierl zum Wochenblatt: „Handelt es sich um ein abgemeldetes, aber grundsätzlich noch ,fahrtüchtiges‘ Auto, kann die zuständige Straßenbaubehörde – Gemeinde oder Landkreis – den Halter ermitteln und ihm gegenüber eine entsprechende Anordnung zur Entfernung aussprechen. Es kann auch ein Bußgeldverfahren eingeleitet werden.“

Handelt es sich aber um ein offensichtliches „Schrottauto“, sei zu unterscheiden, ob der Halter noch ermittelbar ist, oder nicht. Bei der Aufforderung, das Fahrzeug zu entfernen, seien auch Fristen zu beachten. Erst dann könne ein Zwangsgeld angedroht und schließlich verhängt werden. Carina Weinzierl: „Danach kann eine Ersatzvornahme – Abschleppen und Entsorgen des Fahrzeugs – erfolgen. Letztlich kann auch hier parallel ein Bußgeldverfahren eingeleitet werden.“

Für Cornelia Hacker heißt dies: weiter abwarten und schauen, was mit dem „Geister-Mercedes“ passiert. Vielleicht geschieht ja noch ein Wunder und der Wagen wird geholt. Oder abgeschleppt. Oder doch verkauft. Oder ein zweites Geister-Auto wird am Straßenrand abgestellt.


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