24.08.2018, 14:01 Uhr

„Wunder“ im Nationalpark Berchtesgaden Mischlingshund Barry nach elf Tagen aus steiler Felswand gerettet

Barrys Lebensretter aus dem Nationalpark Berchtesgaden (v.l.): Ranger Dominik Joosten, Revierleiter Tilman Piepenbrink, Mitarbeiter Wolter von Plettenberg, Ranger Fritz Eder und Ranger-Leiter Jochen Grab. (Foto: Carolin Scheiter/NPV-BGD)Barrys Lebensretter aus dem Nationalpark Berchtesgaden (v.l.): Ranger Dominik Joosten, Revierleiter Tilman Piepenbrink, Mitarbeiter Wolter von Plettenberg, Ranger Fritz Eder und Ranger-Leiter Jochen Grab. (Foto: Carolin Scheiter/NPV-BGD)

Nach elf Tagen retteten Nationalpark-Ranger den Hund aus der Sagereck-Wand am Königssee. Am Sonntag, 12. August, war Barry seiner Besitzerin, einer 27-jährigen Urlauberin aus Hechingen bei Stuttgart, beim Abstieg vom Kärlingerhaus zum Königssee entwischt. Seitdem war der Rüde unauffindbar. Jetzt nahm die 27-jährige Baden-Württembergerin ihren Hund in der Nationalparkverwaltung wieder in Empfang.

SCHÖNAU AM KÖNIGSSEE. Immer wieder hörten Wanderer, Mitarbeiter von Nationalpark und Königssee-Schifffahrt, Fischer und Almbauern in den vergangenen Tagen an verschiedenen Stellen das verzweifelte Bellen des Hundes aus der steilen, absturzgefährdeten Wand nahe der Salet-Alm. Doch der Berner Sennenhund-Mischling war nicht aufzufinden. Immer dann, wenn Suchtrupps ausrückten, verstummte der Hund und reagierte nicht auf Rufen oder Pfeifen. Am Donnerstag, 23. August, machte sich um 5.30 Uhr nochmals ein Team von Nationalpark-Mitarbeitern mit Wärmebildkamera auf den Weg zum Sagerecksteig. An diesem Morgen hatte der geschwächte Hund nur noch wenige, leise Beller von sich gegeben, die ein Senner am Fuße der Felswand gehört hatte. Die Nationalpark-Mitarbeiter stiegen erneut durch unwegsames Gelände auf, um Barry zu lokalisieren. Doch der Rüde gab keinen Laut mehr von sich. Die Nationalpark-Mitarbeiter wollten den Hund nicht aufgeben, und suchten mittels Ferngläsern und Spektiven die Felswand ab. Denn es war klar: Den bevorstehenden Wetterumsturz würde der Hund, dessen Bellen von Tag zu Tag weniger und schwächer geworden war, wohl nicht mehr überleben.

„Es war großes Glück, dass ich zur richtigen Zeit an die richtige Stelle geschaut habe“, berichtet Revierleiter Tilman Piepenbrink. Der Förster suchte mit einer Wärmebildkamera systematisch einen Geländerücken ab, als ihm gegen 8 Uhr ein kleiner, heller Punkt auffiel. Barry hatte sich in diesem Moment kurz bewegt und war dann wieder hinter einem Busch verschwunden. „Es war nur ein kurzer Augenblick, doch ich war mir sicher, dass dies ein Hund sein musste“, berichtet der Piepenbrink, der daraufhin eine Rettungsaktion für Barry einleitete.

Hund war nur noch „Haut und Knochen“

Rund 150 Höhenmeter oberhalb des Sees in einem 70 Grad steilen Grashang und direkt über einem 100-Meter Steilabbruch hatte sich Barry in eine ausweglose Lage gebracht. Für den Hund gab es hier kein Vor und Zurück mehr. Ein sechsköpfiges Team stieg über den Sagereck-Steig auf und querte auf rund 800 Meter Höhe einen Rücken, um sich anschließend 40 Meter über ein Steilstück zum Hund abzuseilen. „Für die Rettungsaktion haben wir drei 60 Meter lange Seile verbaut“, erläutert Nationalpark-Ranger Fritz Eder, der sich schließlich zu Barry abseilte und den Hund einem speziellen Tragesystem sicherte. „Bei seiner Rettung war Barry völlig apathisch, er hat mich gar nicht mehr richtig wahrgenommen und sich nicht mehr bewegt“, berichtet der Ranger.

„Er war völlig abgemagert und bestand nur noch aus Haut und Knochen“. Gemeinsam zogen die Nationalpark-Mitarbeiter den Mischling mittels Flaschenzug-System zum Standplatz, wo sie den Hund schluckweise mit Wasser versorgten. In Folge ging es über ein rund 120 Meter langes Seilgeländer durch absturzgefährdetes Steilgelände zurück zum Steig. „Die Rettungsaktion hat knapp fünf Stunden gedauert und wir sind alle sehr froh, dass Barry noch lebt“, fasst Eder zusammen. In einer Tierklinik wurde dem Hund nach der guten Erstversorgung durch die Nationalpark-Ranger ein stabiler Zustand attestiert. Nach einer Nacht in der Obhut von Ranger-Leiter Jochen Grab nahm die Urlauberin ihren Hund in der Nationalparkverwaltung wieder in Empfang.

Nationalparkleiter Baier: „Das ist schon ein kleines Wunder.“

„Nachdem ich Barry aus den Augen verloren hatte, hörte ich erst noch einen Beller, dann ein Winseln und dann nichts mehr“, beschreibt die 27-jährige den Zeitpunkt seines Verschwindens von elf Tagen. „Ich bin ihm zuerst nachgeklettert, aber das Gelände war zu steil. Dann habe ich Barry immer wieder gerufen, aber er reagierte nicht mehr. Ich bin davon ausgegangen, dass er abgestürzt ist“. Umso glücklicher war die junge Frau, als sie ihren tot geglaubten Hund mit Tränen in den Augen wieder in den Arm nehmen durfte. Nationalpark-Leiter Roland Baier betont in diesem Zusammenhang: „Auch uns liegt der Tierschutz natürlich sehr am Herzen und wir sind alle sehr froh, dass diese aufwändige Aktion gut ausgegangen und Barry gerade noch rechtzeitig gerettet werden konnte. Das ist schon ein kleines Wunder“. An alle Wanderer appelliert Dr. Baier, ihre Hunde im Nationalpark an der Leine zu führen: „Auch damit anderen Vierbeinern das Leiden von Barry erspart bleibt“.


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