18.07.2020, 09:44 Uhr

Beide landeten im reißenden Bach Frau und Hund vor dem Ertrinken gerettet


Hund und Frauchen ringen im Wasser um ihr Leben - eine Bekannte fischt beide heraus

Neuötting. Der Inndamm bei Neuötting ist ein herrlicher Ort, um mit einem Hund spazieren zu gehen. Die gute Sicht nach allen Seiten lässt es auch zu, den Vierbeiner mal laufen zu lassen.

So hat es am Montagnachmittag vergangener Woche auch Franziska Fruhner-Saxstetter aus Unterneukirchen getan. Sie ist dort wie so oft mit ihren Hunden Barklay und Vroni unterwegs. In der Entfernung sieht sie ihre Bekannte, die Hundetrainerin Karin Stockner aus Tüßling mit ihren Hunden laufen.

Der Hund rutscht ins Wasser, Frauchen hinterher

Etwa auf Höhe des Ruderclubs wischt Barklay davon und springt ins Wasser der neu angelegten Fischwanderhilfe - er schwimmt gerne. Doch dieses Mal ist die Strömung dort zu stark. Der Rüde wird sofort unter Wasser gezogen.

Frauchen eilt hinterher, steigt in den Bachlauf und kann den Hund gerade noch am Fell packen. Sich selbst hält sie an einem glitschigen Stein fest, schafft es aber nicht, sich mit dem Hund aus dem reißenden Wasser zu retten.

Sie bemerkt, dass ihre Bekannte herangekommen ist, um ihr zu Hilfe zu leisten. Ruft ihr zu „Nimm Barklay“. Der wird beherzt am Schlafittchen gepackt und rausgezogen.

Idyllischer Bachlauf wird zu lebensbedrohlicher Falle

Franziska kämpft derweil noch immer gegen die Fluten an, ihr schwinden die Kräfte. Gegen die starke Strömung hat sie an den rutschigen Stein geklammert keine Chance. Obwohl das Bachbett an dieser Stelle gar nicht so tief ist, zieht es ihr die Füße weg. Nur noch ihren Kopf kann sie über Wasser halten. Sie spürt, wie sie abgetrieben wird. Auf Karins strengen Zuruf „Nimm die Leine“ reagiert sie nur noch automatisch und wird an der Schleppleine aus dem Wasser gezogen.

Ihre Retterin holt Hilfe beim nahen Ruderclub. Dort wird Franziska unter die warme Dusche gestellt und bekommt trockene Kleidung zum Wechseln. Ihre beiden Hunde sitzen derweil jaulend vor dem kleinen Gebäude - auch sie scheinen unter Schock zu stehen.

Erst Zuhause beginnt Franziska Fruhner-Saxstetter zu frieren, braucht mehrere Decken und eine Wärmflasche. Vorher und auch im Wasser hatte sie keine Kältewahrgenommen. Erst daheim wird ihr bewusst, was passiert ist.

„Karin hat mir an diesem Tag das Leben gerettet“

„Ohne Karin wäre ich ertrunken! Ich kann doch nicht mal schwimmen!“ Sie muss lachen, als sie das im Gespräch gesteht. Jedem anderen hat sie tausendmal gepredigt, dass man in einer solchen Situation nicht hinterher springen darf, „Hunde kommen schon raus“ - und hat es jetzt doch selbst gemacht. Der Reflex, ihren Hund zu retten, war stärker als die Vernunft.

Noch dazu hatte sie bis vor sechs Wochen schwere Lungenprobleme, wurde viermal operiert. Die Kontrolle in der Kreisklinik am Tag nach dem unfreiwilligen Bad im kalten Innwasser, verlief aber positiv: „Meiner Lunge geht es gut. Außer Abschürfungen und Hämatomen fehlt mir nichts.“ Der einzige größere Schaden, ist der Verlust ihres Handys, das im Wasser verloren ging.