23.01.2019, 14:39 Uhr

Außergerichtliche Einigung Mann klagt gegen Frauenparkplätze - er fühlt sich diskriminiert

(Foto: foottoo/123RF)(Foto: foottoo/123RF)

Stadtverwaltung wird die Schilder „Nur für Frauen“ entfernen und statt dessen das Parken nur für Frauen nur noch empfehlen

Ein Mann zieht gegen Frauenparkplätze vor Gericht. Diese Meldung geisterte Mittwochfrüh, 23. Januar, durch alle Nachrichten.

Der Mann – Jahrgang 1992 – verklagte die Stadt Eichstätt, weil sie spezielle Parkplätze für Frauen eingerichtet hat. Auslöser für die Frauenparkplätze war die Vergewaltigung einer 60-jährigen Frau an diesem dunklen, abgelegenen Großparkplatz.

Der Kläger fühlt sich als Mann von Frauenparkplätzen diskriminiert! Er sieht das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verletzt. Und er kämpft gleichzeitig gegen die Diskriminierung der Frauen. Denn ein Frauenparkplatz unterstelle, dass Frauen nicht so weit laufen könnten und schutzbedürftig seien.

Am frühen Mittwochnachmittag gab das Bayerische Verwaltungsgericht München eine Presseerklärung zu diesem Fall heraus - danach hatten sich die Beteiligten darauf geeignet, die Parkplätze nicht mehr rein für Frauen auszuweisen, sondern darauf, dass die entsprechenden Hinweischilder „lediglich eine Empfehlung oder Bitte für das Parken nur durch Frauen“ darstellen:

„Einigung im Streit um Frauenparkplätze in Eichstätt

Ein Urteil im Streit um die Zulässigkeit von Frauenparkplätzen in Eichstätt ist nicht ergangen. Die Beteiligten haben sich in der mündlichen Verhandlung am 23. Januar 2019 darauf geeinigt, dass die Stadt Eichstätt bis spätestens Ende Februar 2019 statt der bisherigen Verkehrsschilder solche Schilder montiert, die lediglich eine Empfehlung oder Bitte für das Parken nur durch Frauen aussprechen. Damit brauchte die 23. Kammer nicht zu entscheiden, ob Frauenparkplätze auf öffentlichen Verkehrsflächen zulässig sind oder hierdurch Männer und Frauen zu Unrecht ungleich behandelt werden.

Der Kläger wandte sich gegen Frauenparkplätze auf dem Park-and-Ride „Parkplatz Altstadt“ der beklagten Stadt Eichstätt. Diese hatte die Frauenparkplätze beschildert, nachdem Anfang 2016 eine den öffentlichen Parkplatz nutzende Frau Opfer eines Gewaltdelikts geworden ist. Zur Kennzeichnung der Parkflächen verwendete die Beklagte die Beschilderung „Parkplatz nur für Frauen“. Der Kläger wendet gegen die Beschilderung ein, er sei hierdurch in seiner allgemeinen Handlungsfreiheit verletzt und er werde als Mann gegenüber Frauen ungleich behandelt. Zudem würde die Beschilderung Frauen diskriminieren. Die beklagte Stadt selbst schreibt der Beschilderung nur empfehlenden, nicht aber verbindlichen Charakter zu.

Obwohl das Gericht kein Urteil sprechen musste, hat der Vorsitzende Richter Dr. Wolff in der mündlichen Verhandlung deutlich gemacht, dass die von der Beklagten vorgenommene Beschilderung unzulässig sei, auch wenn mit dem Schutz von Frauen ein nachvollziehbarer Grund für eine Ungleichbehandlung vorliege. Allerdings sei eine solche Beschilderung nach der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) auf öffentlichen Verkehrsflächen – anders als auf privat betriebenen Parkplätzen (Supermärkte, private Parkhäuser etc.) – nicht zulässig, da die StVO die Beschilderung eines ausschließlich für Frauen reservierten Parkplatzes nicht kenne. Nur die in der StVO abgebildeten Verkehrszeichen dürften verwendet werden. Dies gelte auch, wenn die Behörde – wie hier – der Beschilderung selbst keinen verbindlichen Charakter beimesse, sondern sie als reine Empfehlung und Frage der Höflichkeit verstanden wissen möchte. Denn die von der Beklagten gewählte Ausgestaltung erwecke den Anschein, die gekennzeichneten Parkflächen dürften ausschließlich von Frauen genutzt werden.

Aufgrund der Einigung der Beteiligten hat das Gericht das Verfahren unanfechtbar eingestellt (M 23 K 18.335).“


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