10.07.2018, 09:23 Uhr

Mit dem Solarrad von Lyon nach China Kurz nach Burghausen ging Corinne der „Saft“ aus


Eine Wahnsinnstour - Französin (67) radelt 13.000 Kilometer durch zehn Länder

Als Corinne Courvalin mit ihrem auffälligen Fahrradgespann an Heidi Wirnsbergers Haus in Ach vorbeischob, staunte die nicht schlecht. „So etwas habe ich noch nie gesehen“, meint die Österreicherin. „Und ich hatte kein Handy dabei, um ein Foto zu machen.“

Die Gelegenheit zum Fotografieren ergab sich aber kurz darauf: „Ich sah, wie erst das Rad umfiel und die Frau mit stürzte.“ Heidi Wirnsberger ist ein hilfsbereiter Mensch und eilte der unbekannten Radfahrerin sofort zu Hilfe.

Wie sich herausstellte, war der 67-jährigen Französin der Strom ausgegangen, als sie den steilen Berg hinauf nach Ach strampeln wollte. Denn der Akku ihres E-Bikes wird von zwei großen und schweren Solarzellen aufgeladen, die sie auf einem Anhänger hinter sich herzieht. Das Bergauf-Schieben hatte sie dann noch die letzte Kraft gekostet.

Corinne Courvalin ist mit ihrem Drahtesel am 15. Juni in Lyon/Frankreich gestartet – rund 850 Kilometer von Burghausen entfernt – und will insgesamt fast 13.000 Kilometer durch zehn Länder bis nach Guangzhou/Canton in China radeln. Warum? Um Geld für notleidende Kinder zu sammeln.

Die Strecke nach Burghausen war Etappe 7 auf ihrer Reise. Nach 67 Kilometern Tagestour hatte sie die Grenze nach Österreich erreicht und kam, wie eingangs beschrieben, nicht weiter, als sie den Berg mit 25 Prozent – so schreibt sie in ihrem Reisetagebuch auf thesuntrip.com – Steigung in Angriff nahm und nach Ausfall des Akkus wieder langsam rückwärts bergab rollte.

Der einzige Weg, das Rad aufzuhalten, war es hinzuwerfen. Heidi Wirnsberger war zur Stelle und zusammen mit anderen Passanten schoben sie das Rad zu viert Meter für Meter in ihren Garten. Corinne Courvalin befürchtete, sie hätte den Radmotor überhitzt und ihre lange Reise wäre schon beendet, bevor sie richtig begonnen hatte.

Heidi Wirnsberger nahm die fremde Dame bei sich auf und bot ihr Abendessen und ein Nachtlager an. Denn das Laden der Akkus an der Steckdose dauerte sieben Stunden: „Es war ja schon 16 Uhr, ich konnte sie doch nicht in der Nacht wieder losfahren lassen.“ Dass der Akku auch korrekt mit Strom versorgt wurde, überprüfte ihr Sohn Michael Wirnsberger – der das, ebenso hilfsbereit wie seine Mutter, gerne spontan erledigte. Sein Sohn half der Französin am nächsten Morgen wieder auf die Strecke.

Corinne schreibt in ihrem Reisetagebuch, dass sie einen wunderbaren Abend mit ihrer unverhofften Gastgeberin verbracht hat: „Welch ein Glück, dass Heidi Englisch spricht, so konnten wir uns unterhalten.“


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