15.11.2017, 16:26 Uhr

Die etwas andere Kolumne von Mike Schmitzer „Mutti“ und „Vati“

„Mutti?“ - „Ja Vati? (Foto: 123rf)„Mutti?“ - „Ja Vati? (Foto: 123rf)

Nennt ihr euren Lebenspartner etwa auch so?

Als abschreckendes Beispiel diente ein älteres Ehepaar, das wir im Gardasee-Urlaub kennengelernt haben. Die beiden saßen im Restaurant grundsätzlich nicht gegenüber, sondern nebeneinander, wie das ältere Ehepaare gerne tun. Das alleine wäre ja noch nicht schlimm gewesen, aber der Dialog zwischen den beiden betagten Herrschaften hat meine Frau und mich ziemlich schockiert. Damals waren wir ganz frisch verheiratet.

„Sollen wir uns eine Pizza teilen, Mutti?“, fragte er.

„Ja Vati, das machen wir ...“

Mutti und Vati?

Wenn ich eines mit Sicherheit sagen konnte, dann, dass die beiden nicht des jeweils anderen Kind sein konnten. Warum also Mutti und Vati? Das ältere Ehepaar saß ganz alleine an diesem Tisch. Keine Kinder, keine Enkelkinder. Noch nicht einmal ein Hund.

„Wehe Du sagst irgendwann mal Mutti zu mir“, flüstert mir meine Frau ins Ohr.

„Und Du versprichst mir hoch und heilig, mich niemals Vati zu rufen“, flüstere ich zurück. Wir stießen darauf feierlich mit unseren Colagläsern an. Niemals wollten wir uns so nennen. Hundertprozentig nicht. Das wäre ja der Abtörner schlechthin ...

Dann trat Töchterlein Nina in unser Leben und plötzlich waren wir Mama und Papa (Mutti und Vati sagt ja in Bayern keiner). Natürlich haben wir unsere Tochter (und später auch unseren Sohn) so erzogen, dass sie uns Mama und Papa nannten. Ich fand es immer seltsam, wenn die Kinder ihre Eltern beim Vornamen anreden.

Wie erklärt man aber als Vater seinem Töchterlein, dass sie sich mit ihrem dringenden Anliegen an ihre Mutter wenden soll?

„Geh doch zu Mama, die tut ein Pflaster drauf.“

Relativ schnell sind wir dazu übergegangen, uns gegenseitig als Mama und Papa zu bezeichnen, wenn eines der Kinder im gleichen Raum war. Man wollte ja die Kleinen nicht verwirren und irgendwie klingt es einfach seltsam, wenn die Mama zu ihrem Sohnemann sagt: „Schau mal, was der Mike dir schönes mitgebracht hat.“

Der Mike? Welcher Mike? Ach so, der Papa!

Und so taten wir irgendwann genau das, was wir uns geschworen hatten, niemals zu tun: Wir nannten uns gegenseitig „Mama“ und „Papa“. Und manchmal - aber nur manchmal - auch, wenn die Kinder nicht dabei waren. Die Macht der Gewohnheit, Ihr wisst schon ...

Wir sind aber fest entschlossen, niemals so zu werden, wie das Gardasee-Pärchen. Sobald unsere Kinder aus dem Haus sind, werden „Mama“ und „Papa“ aus unserem Wortschatz getilgt.

Aber wer weiß, vielleicht fängt genau dann das gleiche Spielchen wieder von vorne an - mit „Oma“ und „Opa“ ...


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