03.09.2020, 14:28 Uhr

Konzept ausgearbeitet Landtagsfraktion der SPD sieht hohen Nachholbedarf in der Bildungspolitik

 Foto: lev dolgachov/123rf.com Foto: lev dolgachov/123rf.com

Die Corona-Krise habe zahlreiche Defizite der bayerischen Bildungspolitik offengelegt – sei es bei der Digitalisierung, der Förderangebote oder der Lehrkräfteversorgung, in allen Bereichen bestehe ein hoher Nachholbedarf, so die Landtagsfraktion der SPD.

Regensburg/München. Um die entstandenen Fehlentwicklungen des vergangenen Schuljahrs abzumildern, hat die bildungspolitische Sprecherin der Bayern-SPD-Landtagsfraktion Margit Wild ein Konzept ausgearbeitet, welches in den Bereichen der Förderangebote, der digitalen Kompetenzen und Lehrerversorgung entscheidende Leitlinien anbietet. Wild erklärt dazu: „Die in dieser Woche verkündeten Maßnahmen dienen lediglich dazu, die Verbreitung des Corona-Virus einzudämmen. Doch konkrete Perspektiven, wie nun mit der durch Schulausfall und Home-Schooling verstärkten Bildungsungleichheit umgegangen werden kann, wurden bis dato kaum aufgezeigt. Das ist unverantwortlich und wird die sozialen Bildungsgräben noch weiter vertiefen.“

Um Bildungsdefizite auszugleichen, sollen angepasste Förderangebote in festen Lerngruppen zum zusätzlichen Unterricht in den Kernfächern angeboten werden. Darüber hinaus müsse für die Schülerinnen das selbstgesteuerte Lernen eingeübt und fest installiert werden. Im Bereich der Digitalisierung fordert die SPD-Bildungsexpertin, sich umgehend um den Ausbau der Glasfaseranschlüsse an Bayerns Schulen zu kümmern. „Die 370.000 Notebooks für Schüler und Lehrkräfte sind Augenwischerei. Was bringt die Hardware, wenn das Internet fehlt oder die Software nur im Schnecken-Tempo läuft? Gerade einmal die Hälfte aller Schulen in Bayern besitzt eine Internetgeschwindigkeit von maximal 16 Mbit/s, während die durchschnittliche Geschwindigkeit im Freistaat bei knapp 23 Mbit/s liegt (siehe hier).“ Außerdem müsse das Bildungsministerium sich um eine datenschutzkonforme und stabile Online-Lernplattform kümmern, denn die wiederholten Probleme mit „mebis“ seien ein Armutszeugnis für die digitale Bildung in Bayern, so die Regensburger Abgeordnete.

Wichtig sei außerdem die Sicherstellung der Lehrkräfteversorgung durch eine Verstärkung der Anwerbungsmaßnahmen und einer Erhöhung der Ausbildungskapazitäten. Denn aktuell fehlen Corona-bedingt mehr als 6.000 Pädagoginnen und Pädagogen. Die angekündigten 800 Teamlehrkräfte könnten diese Lücke personell nicht füllen und qualitativ stehe hier auch noch ein großes Fragezeichen dahinter, kritisiert Wild. „Der Lehrberuf lässt sich attraktiver gestalten, in dem die Bezahlung verbessert wird und unsere engagierten Lehrkräfte die Unterstützung vom Bildungsministerium erhalten, die sie benötigen. Es liegt ein anstrengendes, aber auch spannendes Schuljahr vor uns, dass die Chance bietet, die Versäumnisse der bayerischen Bildungspolitik endlich sachgerecht aufzuarbeiten. Packen wir es an!“


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