17.07.2020, 14:40 Uhr

Bildung Die Regensburger Domspatzen verabschieden 34 Abiturienten

Die Klassenbesten mit Schulleiterin Christine Lohse (rechts) und Domkapellmeister Christian Heiß (links): Leopold Mundigl, Florian Reichel und Nicolas Weigl. Foto: Michael Vogl/DomspatzenDie Klassenbesten mit Schulleiterin Christine Lohse (rechts) und Domkapellmeister Christian Heiß (links): Leopold Mundigl, Florian Reichel und Nicolas Weigl. Foto: Michael Vogl/Domspatzen

Der Wolfgang-Saal des Gymnasiums der Regensburger Domspatzen ist an diesem Freitag nicht bis auf den letzten Platz gefüllt. In diesem Jahr ist alles anders, Corona sei Dank ...

Regensburg. Aber die Domspatzen haben unter den Bedingungen ihren Abiturienten am 17. Juli dennoch einen feierlichen und stilvollen Abschied bereitet. Acht Jahre gemeinsam unterwegs, im Klassenzimmer, im Dom und auf den Bühnen der Welt. Das schweißt zusammen. Kein Wunder, dass bei vielen Absolventen die ein oder andere Träne des Abschieds kullerte.

Nach Monaten intensiven Studierens und Ackerns haben 34 Schüler nun die Hochschulreife in der Tasche. Noch ein letztes Mal erheben sich die Männerstimmen der Abschlussklasse und formieren sich im Freien zum großen Chor. Sie singen „Nehmt Abschied, Brüder!“, die bekannte schottische Volksweise aus dem 18. Jahrhundert, später ins Deutsche übersetzt von Claus Ludwig Laue. Eine ganz eigene Stimmung liegt jetzt in der Luft: Freude, mit Dankbarkeit und Melancholie erfüllt, eigentlich unbeschreiblich. Spätestens jetzt wird den „Ex-Domspatzen“ klar, wie intensiv die vergangenen Jahre doch waren und wie heimisch sie sich im „Kaff“ (so nennen die Schüler seit Jahrzehnten Schule und Internat) all die Jahre gefühlt hatten. Nach dem festlichen Dankgottesdienst in St. Cäcilia begrüßte Schulleiterin Christine Lohse die Abiturienten und ihre Eltern im Wolfgang-Saal. Für sie war es das erste Mal, dass sie als Schulleiterin einen Absolvia-Jahrgang verabschieden durfte. Zu den Ehrengästen zählten Dompropst Dr. Franz Frühmorgen und Domdekan Johann Neumüller als Vertreter der Kirche. In ihrer Ansprache betonte Lohse das Besondere am Domspatzengymnasium: „Die Verbindung von christlicher Werteerziehung und Musik ist das, was eure Schulzeit als Domspatzen von der an anderen Schulen unterschied.“ Sie strukturiere den Alltag und lasse eine ganz besondere Gemeinschaft entstehen. Durch das „hochkarätige Expertentum im Chorsingen“ haben die Domspatzen-Abiturienten ein besonderes Bildungspaket bekommen. Frei nach Rainer Maria Rilke empfahl Christine Lohse den Absolventen, „im beginnenden neuen Leben nicht nach Antworten zu suchen, sondern in die hineinzuleben.“

Die Menschen mit Musik beweg

Für Domkapellmeister Christian Heiß waren die Abiturienten sein erster Männerchor als neuer Leiter der Domspatzen. Er erinnerte sich an die Auftritte während der Herbsttournee und in der Vorweihnachtszeit. Sein erster Männerchor habe ihm den Einstieg bei den Domspatzen sehr leicht gemacht. „Wir fanden sehr schnell den Draht zueinander und dafür danke ich Euch sehr“, sagte Heiß. Sie hätten unzählige Menschen die Jahre hindurch mit ihrem Gesang bewegt. Heiß wünschte den Abiturienten alles Gute und rief ihnen zu, dass die Türen für Sie immer offen stünden. Für den Elternbeirat gratulierte Vorsitzende Petra Pfaffenheuser und ermutigte die Absolventen, „die Erfahrungen als Domspatzen als Schatz zu nutzen, um euren zukünftigen Weg zu gehen“. Das Singen im Chor, die gemeinsamen Reisen und Konzerte, die liturgischen Dienste im Dom, das Treffen immer neuer Menschen beispielsweise in den Gastfamilien „hat eure Persönlichkeit geprägt“. Im Haus der Regensburger Domspatzen haben die Abiturienten das nötige Handwerkszeug für ein gelingendes, eigenverantwortliches Leben erworben.

Ausgezeichnete Schüler

Zur jährlichen Abiturfeier gehört auch die Auszeichnung besonders erfolgreicher Abiturienten, die in einigen Fachgebieten aus der insgesamt recht erfolgreichen Absolvia 2020 herausragen.

Die Deutsche Physikalische Gesellschaft verlieh einen Buchpreis und eine einjährige kostenlose Mitgliedschaft an Florian Reichel und eine einjährige kostenlose Mitgliedschaft an Stefan Sauerer und Leopold Mundigl. Letztgenannter erhielt außerdem für seine herausragende Seminararbeit den diesjährigen Rewag-Preis. Florian Reichel erhielt für eine sehr gute Abiturleistung aus dem Bereich der Wirtschaftswissenschaften den Abiturpreis 2020 des Vereins für Sozialpolitik. Und damit nicht genug: Für seine besonderen Leistungen im Fach Latein bekam er noch die goldene Ehrennadel des Altphilologenverbandes. Den Preis der Deutschen Mathematischen Vereinigung für die beste Leistung im Abitur 2019 verbunden mit einer einjährigen Mitgliedschaft und einem Buchpreis erhielt in diesem Jahr der Abiturient Andreas Biber. Stipendien von e-fellows.net gab es in diesem Jahr für die drei besten Abiturienten: Leopold Mundigl, Florian Reichel und Nicolas Weigl. Dieses Stipendium umfasst einen kostenfreien Internetzugang, Gratis-Recherche in über 3.000 Datenbanken, kostenlose Jahresabos besonderer Zeitschriften, Mentoren aus der Wirtschaft und exklusive Praktika. Nicolas Weigl wurde von der Schule als Kandidat für die Studienstiftung des Deutschen Volkes vorgeschlagen. Hierfür werden Kandidaten ausgesucht, die sich nicht nur durch hervorragende akademische Leistungen auszeichnen, sondern daneben auch durch Sozialkompetenzen, Vielseitigkeit, Engagement für die Gemeinschaft, „alles Schlüsselqualifikationen, die eine moderne Gesellschaft fordert“, sagte Wolfgang Judenmann, der als stellvertretender Schulleiter die Auszeichnungen vornahm.

Fester Bestandteil der Abiturfeier ist die Vergabe des mit 1.000 Euro dotierten Kai-Uwe-von-Hassel-Preises, in diesem Jahr bereits zum 19. Mal verliehen. Der Hauptpreis ging an Leopold Mundigl. Den mit 500 Euro dotierten Förderpreis der Kai-Uwe-von-Hassel-Stiftung erhielt Nicolas Weigl. Beide Schüler zeichneten sich durch ein besonders hohes Engagement für die Schul- und Chorgemeinschaft aus. Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde von den beiden Absolventen Peter Ermer (Gitarre) und Kilian Brandscherdt (Violine). Zu hören war außerdem das Blechbläserensemble, einstudiert von Dominik Glöbl, und das Q12-Quartett „Three and a half men“. Am Ende erklang als Überraschung die Motette „Denn er hat seinen Engeln“, in diesem Jahr wegen Corona gesungen von Chorleitern und Stimmbildnern der Regensburger Domspatzen, unter der Leitung von Domkapellmeister Christian Heiß.

Bestnoten

Insgesamt 34 Domspatzen erhielten am Freitag, 17. Juli das Abitur-Zeugnis. Jahrgangsbeste sind Nicolas Weigl und Florian Reichel (jeweils Notenschnitt 1,1), gefolgt von Leopold Mundigl (1,3).


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