01.11.2019, 11:00 Uhr

Bertrandt lud in die TechBase ein Junge Tüftler schwärmen bei den dritten TechDays von „ihrer Spielwiese“


Wer kennt ihn nicht, den kleinen grünen Stadtbus, der mit seinem Elektromotor durch die Gassen surrt? Bei seiner Einführung wurde das Fahrzeug, das gerne auch einmal unmotiviert stehen blieb, oft belächelt. Nun gehört „Emil“ zum Stadtbild dazu und läuft zumeist wie eine Eins. Zudem ist er mittlerweile auch eine Forschungsplattform der Firma Bertrandt für neue Innovationen im Live-Betrieb. An diesem Beispiel lässt sich sehen, wie aus Ideen fassbare und funktionierende Alltagstechnolgien werden.

REGENSBURG „Rund fünf Prozent des geplanten Gesamtumsatzes reinvestieren wir in unsere Forschung. Zudem sind unsere Innovationen wichtige Bausteine für die intelligente Mobilität der Zukunft,“ sagte Bertrandt-Geschäftsführer Christian Ruland in seiner Begrüßung bei den TechDays. Es ginge darum, schnell, möglichst effizient und individuell für die Anforderungen der einzelnen Geschäftspartner, etwas Neues zu kreieren, denn Ruland weiß, „wie schnell uns die Technologie auch wieder einholt“. Ganz vielfältig seien dabei die Bereiche, in denen die Innovationen zum Einsatz kämen, sei es in der Automobilbranche, der Luftfahrt, Logistik, Elektroindustrie und vielen weiteren.

Daher tüfteln am Regensburger Standort des weltweit agierenden Unternehmens Bertrandt täglich rund 100 Experten aus Physik, Mathematik, Erneuerbare Energie, Informatik und Maschinenbau an der Verbesserung und Umsetzung ihrer Visionen. So unterschiedlich die Fachrichtungen der im Schnitt recht jungen Mitarbeiter sind, so ähnlich ist die Liebe aller für ihren persönlichen Bereich, ihr „Hobby“. Das durften die Besucher der TechDays, darunter das Regensburger Wochenblatt, live erleben.

Spezialisten präsentieren ihr „Hobby“

Andreas Edmund Pracht scheint so ein großes Spielkind zu sein. Mit einer Leidenschaft, die man in vielen Berufen oft vermisst, gab er einen Einblick in seine „Spielerei“, die „Lokalisierungsfusion“: Wie ein Navigationsgerät im Automobil funktioniert, weiß heutzutage – salopp gesagt – „jedes Kind“. Auf dem Bildschirm des Geräts wird eine Straßenkarte angezeigt und das Fahrzeug als Symbol ziemlich genau verortet. Je nach Standard des Geräts funktioniert dies mit mehr oder weniger großen Abweichungen, die oft jedoch im Bereich einiger Meter liegen können. Und auch das bekannte Phänomen, dass das Signal im Tunnel oder der Tiefgarage plötzlich weg ist, kennen Autofahrer nur zu gut. Hier setzt die Forschungsarbeit von „Eddi“ an, der in der Regensburger Gründerszene schon länger bekannt ist, und nun bei Bertrandt seine „Spielwiese“ gefunden hat. Pracht widmet sich der zentimetergenauen Verortung von Gegenständen beziehungsweise Personen im Innen- und Außenbereich. „Die ursprüngliche Motivation hinter dieser Thematik lag in der Sturzprävention alter Menschen“, erklärt „Eddi“. Schnell wurde klar, dass diese Innovation für das autonome Fahren interessant werden könnte. Mit dem Spezialistenteam gelang es ihm, in weniger als einem Jahr die Indoor- mit der Outdoor-Lokalisation technologisch zu verheiraten. Nun testet das Team beispielsweise im firmeneigenen Parkhaus in der Galgenbergstraße wie Fahrzeuge mithilfe von sogenannten „Ankern“ – beliebig viele Zigarettenschachtel-große Boxen mit Sensoren – zentimetergenau geortet werden können. Wo diese zum Einsatz kommen könnten? Nicht nur im Bereich des autonomen Fahrens könnte diese Technologie bahnbrechend sein, sondern auch in der Logistik oder gar im Sicherheitsbereich. „Menschen könnten mit ‚Ankern‘ ausgestattet werden, um in großen Fabriken Unfälle zu vermeiden“, ist nur eine Idee von Pracht.


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