10.04.2019, 15:13 Uhr

Gefragte Fachkräfte Positive Zwischenbilanz der Initiative „Integration durch Ausbildung und Arbeit“

(Foto: IHK)(Foto: IHK)

2015 legte die IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim gemeinsam mit den acht bayerischen IHKs, der Bayerischen Staatsregierung und anderen Initiativpartnern einen Plan vor, um bis Ende 2019 rund 60.000 Geflüchtete in Bayern erfolgreich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Drei Jahre danach ziehen die Initiatoren der Vereinbarung eine positive Zwischenbilanz.

REGENSBURG „Das bayerische Integrationsmodell kann sich sehen lassen. Die Wirtschaft engagiert sich erfolgreich und nachhaltig für die Eingliederung von Asylbewerbern mit Bleibeperspektive“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes. Seit dem Start der Initiative am 13. Oktober 2015 konnten bayernweit bis Jahresende 2018 insgesamt 218.149 Flüchtlinge in Ausbildung, Praktikum oder Arbeit integriert werden – und damit weitaus mehr als ursprünglich geplant. 89.043 Flüchtlinge hätten eine Arbeit gefunden, 12.900 junge Asylsuchende eine Ausbildung begonnen.

Win-win-Situation

Berufliche Integration ist nicht nur eine Chance für Flüchtlinge, den eigenen Lebensunterhalt zu sichern, sondern bringt auch Vorteile für die regionale Wirtschaft. Angesichts zahlreicher unbesetzter Ausbildungsplätze und des zunehmenden Fachkräftemangels gehen Unternehmen neue Wege, um qualifiziertes Personal zu bekommen. „Die Integration von Geflüchteten stellt einen wichtigen Baustein in der Fachkräftegewinnung von Betrieben dar“, ist sich Helmes sicher. Die Unternehmen in der Region seien sehr engagiert: Im IHK-Bezirk waren allein 2018 knapp 430 junge Auszubildende aus fluchtwahrscheinlichen Ländern gemeldet. Bisherige Erfahrungen zeigten, dass die jugendlichen Asylsuchenden sehr arbeits- und lernwillig sind. Aber: „Junge Geflüchtete brauchen besondere Unterstützung bei der Eingliederung in die Gesellschaft und beim Lernen der deutschen Sprache. Ausbildungspaten im Betrieb geben den jungen Menschen Orientierung und Halt“, riet Helmes.

Perspektiven geben

Hemmnisse für eine schnelle Integration seien häufig mangelnde Sprachkenntnisse und fehlende Berufsabschlüsse. Vor diesem Hintergrund haben die Initiatoren der Vereinbarung „Integration durch Ausbildung und Arbeit“ umfassende Maßnahmen entwickelt, um Menschen mit Fluchthintergrund in Bayern auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten – diese werden vor allem in den Schulen und Berufsschulen, in den Ausbildungsbetrieben und Unternehmen sowie bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern angeboten. Dazu gehören Sprachvermittlung und Sprachförderung, Kompetenzfeststellung, Zertifizierung, Anerkennung von Qualifikationen, Berufsorientierung und Berufsvorbereitung. Ziel müsse es sein, geflüchteten Menschen, die bei uns leben und arbeiten wollen, langfristig eine Perspektive zu geben, so Helmes. Die Drei-plus-zwei-Regelung, bei der ein Flüchtling das Recht auf den Abschluss seiner dreijährigen Ausbildung und einer zweijährigen Anschlussbeschäftigung trotz abgelehnten Asylantrags hat, sei eine ebenso sinnvolle Maßnahme. Nicht zuletzt auch, damit die Betriebe, die Auszubildende mit Fluchthintergrund einstellen, langfristig planen können.


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