26.11.2018, 13:21 Uhr

Mindestlohn ist zu wenig Bis Mitternacht in der Bib sitzen – Streit um studentische Hilfskräfte eskaliert

Zentrale Bibliothek an der Regensburger Uni: Die Teil-Bibliotheken haben oft bis Mitternacht auf. Das kostet natürlich. (Foto: ce)Zentrale Bibliothek an der Regensburger Uni: Die Teil-Bibliotheken haben oft bis Mitternacht auf. Das kostet natürlich. (Foto: ce)

An der Uni Regensburg ist ein Streit zwischen Uni-Leitung und den Studenten ziemlich eskaliert. Den Studenten reicht der Mindestlohn nicht, sie wollten mehr – jetzt hat die Uni sie ersetzt mit Sicherheitsdienst-Leuten.

REGENSBURG An der Regensburger Universität ist ein Streit zwischen der Uni-Leitung unter Präsident Udo Hebel und Kanzler Christian Blomeyer auf der einen Seite und der Studentenschaft auf der anderen Seite eskaliert.

Es geht dabei um studentische Hilfskräfte, also Studenten, die neben ihrem Studium für die Uni tätig sind. Etwa 100 Studenten sind derzeit noch beschäftigt, um die sehr umfangreichen Öffnungszeiten der Bibliotheken zu beaufsichtigen. Derzeit bekommen sie Mindestlohn: 8,84 Euro in der Stunde. Doch die studentische Sprecherin Christiane Fuchs hat der Uni schriftlich mitgeteilt, dass ihr nicht der Mindestlohn, sondern die Einstufung in den Tarif des öffentlichen Dienstes zusteht. Nach eigenen Angaben wurde dem stattgegeben, Fuchs bekommt nun zwölf Euro pro Stunde und ist bis zum Ende ihres Studiums beschäftigt.

Doch die Uni hat offenbar die Reißleine gezogen, nachdem weitere 20 Studenten die Eingruppierung in den Tarifvertrag „TV-L“ forderten. In einer Mail kündigte die Uni-Leitung an, dass die Studenten nur noch bis zum Ende des Jahres beschäftigt werden. Anschließend sollen sie durch einen Sicherheitsdienst ersetzt werden, der zukünftig statt der Studenten kontrollieren soll. Geöffnet sind die Teilbibliotheken wie etwa Recht oder Wirtschaft bis Mitternacht. „Als Arbeitgeber des öffentlichen Dienstes hat die Universität Regensburg eine besondere Vorbildrolle inne. Wir fordern die Universitätsleitung daher auf, die bestehenden Arbeitsverhältnisse einzugruppieren und die Verträge der studentisch Beschäftigten zu verlängern“, teilte die studentische Sprecherin mit. Die Uni indes, die sich zu laufenden Verfahren nicht äußern möchte, wies nur darauf hin, dass es eben keine Planstellen gebe, die Tarifeingruppierung sei deshalb nicht möglich. Bayerns Universitäten gehen indes sehr unterschiedlich bei der Bezahlung von studentischem Personal vor. Auf Anfrage eines CSU-Abgeordneten im Landtag antwortete das zuständige Wissenschaftsministerium im Sommer 2018, dass man nicht nur in Regensburg, sondern auch in Passau und Würzburg Mindestlohn für studentische Hilfskräfte bezahlt.

Andere Universitäten zahlen deutlich mehr

An der Technischen Hochschule Ingolstadt bezahlt die TH immerhin 9,90 Euro in der Stunde. Im bayerischen Durchschnitt sind es an allen Universitäten und Hochschulen 9,45 Uhr für studentische Hilfskräfte – ohne Abschluss wohlgemerkt. Doch viel höher sind die Einnahmen durch eine HiWi-Kraft, wie man solche Mitarbeiter im Uni-Jargon nennt, auch nach einem Abschluss nicht. Im Schnitt bezahlen die Hochschulen und Universitäten nach einem Master-Abschluss 13,88 Euro. Auf die Uni Regensburg könnte jetzt eine Klagewelle zukommen. Denn Sprecherin Fuchs hat die Differenz zwischen dem Tarifvertrag und der bisherigen Bezahlung für ihre bisherige Tätigkeit nachgezahlt bekommen. 20 weitere Studenten haben sich bislang bei der Uni gemeldet und genau dies gefordert.