29.11.2017, 10:16 Uhr

Spannende Ausbildung „Ich steige in den Rettungswagen und weiß nicht, was mich erwartet“

Jana Obermeier ist eine der ersten drei Notfallsanitäter-Azubis, die ihre klinische Ausbildung am UKR absolvieren. (Foto: UKR)Jana Obermeier ist eine der ersten drei Notfallsanitäter-Azubis, die ihre klinische Ausbildung am UKR absolvieren. (Foto: UKR)

Jana Obermeier aus dem Landkreis Schwandorf gehört zu den ersten Notfallsanitäter-Azubis, die am Universitätsklinikum Regensburg (UKR) ihre klinische Ausbildung durchlaufen. Hier lernt sie, wie die Patienten versorgt werden, wenn der Rettungswagen schon wieder zum nächsten Einsatz fährt. Aktuell läuft die Bewerbungsphase für das nächste Ausbildungsjahr.

REGENSBURG Jetzt ist die heiße Phase, wenn man im Herbst 2018 eine Berufsausbildung beginnen möchte: Viele Ausbildungsbetriebe und Berufsfachschulen nehmen bereits Bewerbungen entgegen, im Frühjahr werden die Plätze vergeben. Ein möglicher Arbeitsplatz: Der Rettungswagen. Mit Blaulicht und Martinshorn geht es zum Notfall, Verletzte oder schwer Erkrankte werden erstversorgt und in ein Krankenhaus transportiert. An Bord: ein Rettungsassistent und immer häufiger auch ein Notfallsanitäter. Dieser neue Beruf kann seit 2014 im Rahmen einer dreijährigen dualen Ausbildung erlernt werden. Notfallsanitäter führen Notfalleinsätze und -transporte eigenverantwortlich durch und unterstützen den Notarzt. Für eine schnelle und reibungslose Versorgung der Patienten ergreifen sie wenn nötig auch selbst medizinische Maßnahmen wie das Legen einer Infusion oder die Gabe von Medikamenten. Diese Tätigkeiten waren bis dahin nur Notärzten vorbehalten.

Die Oberpfälzerin Jana Obermeier absolviert als eine der ersten in Bayern diese anspruchsvolle Ausbildung. „Ich habe mich schon immer für Medizin interessiert und wollte unbedingt einen Beruf in diesem Bereich erlernen. Es gefällt mir, immer unterwegs zu sein und nicht zu wissen, was mich als Nächstes erwartet – ob man nur jemandem wieder ins Bett helfen muss oder bei einem schweren Unfall gefragt ist. Ich kann auf ganz unterschiedliche Weise Hilfe leisten“, begründet sie ihre Entscheidung für den abwechslungsreichen Beruf.

Lehrzeit im UKR: Anpacken statt hospitieren

Angehende Notfallsanitäter lernen die medizinischen Grundlagen sowie die Theorie der professionellen Rettung und Erstversorgung in der Berufsfachschule, die Praxis in der Lehrrettungswache und im Krankenhaus. Jana Obermeier absolviert ihre Ausbildung bei den Döpfer Schulen in Regensburg. Rund 600 Stunden ihrer Lehrzeit verbringt die Bundeswehr-Soldatin dabei im Universitätsklinikum Regensburg. Anpacken statt hospitieren ist hier das Motto. Auf dem Lehrplan stehen zum Beispiel die Anamnese, Diagnostik und Erstversorgung in der Interdisziplinären Notaufnahme. Auf der Intensivstation sind die Auszubildenden im UKR in Pflege, Behandlung und Versorgung von Intensivpatienten eingebunden.

Im Fachbereich Anästhesiologie assistieren sie bei der Narkoseeinleitung oder erlernen das Legen eines venösen Zugangs. „Ich darf viel selbst machen und habe auch schon viel gesehen. Zum Beispiel durfte ich lernen, wie man mit beatmeten Patienten oder auch mit Herztransplantierten umgeht. Besonders spannend fand ich es zu sehen, wie die Arbeit in der Notaufnahme funktioniert, wo wir bei Rettungseinsätzen sonst ja nur die Patienten übergeben“, berichtet Jana Obermeier von ihren Erfahrungen im Universitätsklinikum Regensburg. Sie ist eine der ersten drei Notfallsanitäter-Azubis, die ihre klinische Ausbildung am UKR absolvieren.

Azubis erhalten seltene Einblicke

Für die ärztliche Koordination und Leitung der klinischen Notfallsanitäterausbildung am UKR sind PD Dr. Markus Zimmermann, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst und Leiter der interdisziplinären Notaufnahme, sowie Dr. André Schneiker, Facharzt für Anästhesie mit dem Zuständigkeitsbereich Anästhesie und operative Intensivmedizin, verantwortlich. „Wir sind ein Klinikum der höchsten Versorgungsstufe und haben den höchsten Case-Mix-Index – das ist ein Maß für die durchschnittliche Erkrankungsschwere der behandelten Patienten – unter den deutschen Universitätsklinika. Entsprechend können wir den Auszubildenden ein sehr breites Spektrum der Hochleistungsmedizin vermitteln und aktuellste zukunftsweisende Behandlungsmethoden, auch in der praktischen Anwendung, demonstrieren“, stellt Dr. Schneiker heraus. Eine dieser Methoden ist beispielsweise die mobile Herz-Lungen-Maschine, die im UKR entwickelt wurde.

Die medizinischen Schwerpunkte des Hauses sind die Transplantations- und Intensivmedizin sowie die Behandlung von Leber-, Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. „Notfallsanitäter-Azubis werden am UKR in der Notaufnahme und auf der Intensivstation nach den Vorgaben eines umfangreichen Curriculums strukturiert geschult und durch Fachexperten angeleitet. Während der Praxiszeit findet eine zentrale Betreuung und Begleitung durch unsere Mitarbeiter statt. Wir haben immer ein offenes Ohr für unsere Azubis und freuen uns schon auf den zweiten Durchgang im Schuljahr 2018/19“, fasst Michael Tröger, Pädagoge im UKR und stellvertretender Abteilungsleiter des Bildungszentrums, das spezifische Ausbildungskonzept zusammen. Jana Obermeiers Fazit zu ihrer Berufswahl: „Die Entscheidung für die Ausbildung war genau richtig!“.

Jetzt bewerben, im Herbst 2018 starten

Eine Ausbildung zum Notfallsanitäter kann beginnen, wer über einen Realschulabschluss verfügt oder nach seinem Hauptschulabschluss bereits eine mindestens zweijährige Ausbildung abgeschlossen hat. Angehende Notfallsanitäter sollten entscheidungsfreudig sein, über Verantwortungsbewusstsein und Einfühlungsvermögen verfügen, psychisch stabil und körperlich fit sein. Relevante Schulfächer sind Chemie, Physik, Biologie und Deutsch. Wer seine Ausbildung zum Notfallsanitäter an den Döpfer Schulen oder bei den Maltesern in Regensburg beginnt, könnte einer der nächsten sein, der seine klinische Lehrzeit am Universitätsklinikum Regensburg absolviert. Der Bewerbungszeitraum für das nächste Schuljahr läuft bei den Maltesern noch bis Mittwoch, 31. Januar 2018, bei den Döpfer Schulen sind Bewerbungen ganzjährig möglich.


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