28.03.2020, 16:42 Uhr

Zeitgeschichte in der Region Schülerprojekt „Erinnerungsort“ an der Johann-Turmair-Realschule erhält europäische Fördergelder

 Foto: Maria Rauscher Foto: Maria Rauscher

75 Jahre ist der Krieg zu Ende – die junge Generation lebt heute in einem freien, demokratischen Europa. Das ist für sie normal und natürlich – aber nicht selbstverständlich. „Dafür muss man etwas tun!“, so die grundlegende Einsicht einer am Projekt beteiligten Schülerin.

Abensberg. Gerade die Auseinandersetzung mit der Geschichte vor Ort bietet hier Anknüpfungspunkte. Es fordert ganz anders heraus, wenn die Heimat zum „Tatort“ wird: „Weil es eine Geschichte unserer Heimat ist. Sie ist wichtig für unsere Nachfahren, damit solche Grausamkeiten nie wieder vorkommen. Man soll die Geschichte erzählen ...“, ist das Anliegen einer Schülerin.

Vor diesem Hintergrund schaffen die Schülerinnen und Schüler ein „Erinnerungszeichen“ für einen polnischen Zwangsarbeiter und eine Deutsche, deren einziges Vergehen eine angebliche Beziehung war. Diese Erinnerung an ein Einzelschicksal – das mit Blick auf die Herkunft des Opfers die europäische Dimension der nationalsozialistischen Verbrechen zeigt - soll letztlich exemplarisch sein – einen Hinweis darstellen auf die vielen Opfer. Deshalb wird das Erinnerungszeichen auch nicht am Tatort, sondern im Ortsbereich von Siegenburg errichtet: Ein bleibender, sichtbarer und zugänglicher Ort soll entstehen, der es ermöglicht, sich mit der sensiblen Thematik einladend und informativ auseinanderzusetzen. Umgesetzt wird das Projekt in Form einer Bank und einer Informationsstele. Dafür erarbeiteten die Schüler Modelle, verfassten Texte, gestalteten Entwürfe und suchten Steine im Steinbruch aus und wurden basisdemokratisch in die Standortauswahl miteinbezogen. Der „Urentwurf“ der Themenbank stammt von Uli Reitinger, Klasse 10a.

Einen Teil der Finanzierung übernimmt dabei Leader, ein europäisches Förderprogramm. „Dies empfinden wir als besondere Wertschätzung unserer Arbeit“, so die Projektleiterin Maria Rauscher. Landrat und der erste Vorsitzende der Leader-Aktionsgruppe Kelheim, Martin Neumeyer, beglückwünscht die Realschule Abensberg zur Bewilligung der Fördergelder und bedankt sich bei Direktor Spateneder, dem Förderverein der Realschule und bei Frau Rauscher für das große Engagement. „Diese Form von Geschichtsunterricht ist außergewöhnlich und beispielhaft und erfordert viel Einsatz über die tägliche Schulroutine hinaus. Aber die Schülerinnen und Schüler waren mit Begeisterung bei der Sache und haben auf diese Weise viel gelernt, was man ein Leben lang nicht vergisst. Es freut uns daher auch, dass für dieses Vorzeigeprojekt Leader-Fördermittel eingesetzt werden können“, so der Landrat.


0 Kommentare