25.02.2020, 10:32 Uhr

Am Vulkan Leben gerettet Burghauser auf extremer Expedition in Chile


Andi Stahlhofer war der Besitzer eines echten „Monstertrucks“: Nun ging der Burghauser auf eine besondere Expedition in Chile

Burghausen. Wenn Andi Stahlhofer für etwas Feuer gefangen hat, dann steigt er voll und ganz in die Sache ein. Das war (wie 2018 im Wochenblatt berichtet) beim Erwerb eines zehn Meter langen MAN Offroad-LKWs schon so: Der 34-Jährige schaffte das Unmögliche und bekam für seinen „Monstertruck“ eine Betriebserlaubnis auf deutschen Straßen. Mittlerweile hat der Burghauser seinen „Riesenkarren“ verkauft – wobei er quasi mitten hineingerauscht ist in sein nächstes Abenteuer: „Einer der Kaufinteressenten war Matthias Jeschke von Extrem Events. Er wollte mit dem MAN eine Expedition in Chile absolvieren und dabei auf dem höchsten Vulkan der Erde, dem 6893 Meter hohen Ojos del Salado, einen neuen Höhenweltrekord mit LKW aufstellen“, erzählt Andi Stahlhofer. Dabei ging es nicht vordringlich um eine Rekordfahrt, sondern es sollten auch vier Notfunkeinheiten installiert werden, die den zahlreichen Bergsteigern und Wissenschaftlern am Ojos des Salado im Notfall die Verbindung zum Basislager ermöglichen. Für Andi Stahlhofer war sofort klar: „Da muss ich mit!“

Obwohl die Expedition schlussendlich mit zwei modifizierten Mercedes Unimogs 5023 durchgeführt wurde, blieb der Burghauser „an Bord“. „Im Februar 2019 starteten wir zu einer Scout-Exkursion nach Chile. Dabei konnten wir feststellen, ob ich ins Team passe – und auch, ob ich die Höhe überhaupt vertrage.“ Es stellte sich heraus, dass er für die dünne Höhenluft geradezu prädestiniert ist und sich mit dem Expeditionsleiter Matthias Jeschke und mit Daniel Müller, Werkstattleiter vom Gaggenauer Unimog-Museum, hervorragend versteht.

Witterungsbedingungen und Höhenluft fordern Tribut

„Als ich allerdings zum ersten Mal über die gewaltigen Büßereisfelder mit ihren teils bis zu drei Meter hohen Spitzen blickte und den feinen Vulkantreibsand in der Hand hielt, kamen mir Zweifel, ob man da tatsächlich mit einem LKW rauffahren kann“, räumt Stahlhofer ein. Da er ein leidenschaftlicher Tüftler ist, entwickelte er ein spezielles Kettenplattensystem, das er auch noch selbst angefertigt hat: „Das war Knochenarbeit und in gewisser Weise mein Training für die Expedition. Drei Wochen habe ich geschuftet und dabei acht Kilo abgenommen“, verrät er schmunzelnd. Aber die Anstrengung hat sich gelohnt: „Die silbernen Platten auf den Laufflächen der Reifen waren in schwierigem Terrain unser Ass im Ärmel.“

Dennoch sollte keiner glauben, mit den Unimogs den Vulkan hinauf zu fahren, wäre ein Kinderspiel: „Die ganze Strecke musste natürlich zuerst abgelaufen und nach den günstigsten Fahrwegen abgecheckt werden. Und bei der Fahrt bestand immer das Risiko, dass das Fahrzeug umkippt oder abrutscht, weshalb immer nur ein Fahrer mit Co-Pilot an Bord waren, während die anderen zu Fuß aufstiegen“, schildert Stahlhofer das Risiko der Unternehmung.

„Nach dreiwöchiger Anfahrt in die Atacama Wüste, wo wir zur Akklimatisierung für die Höhe des Vulkans eine Rast einlegten, erwies sich die extrem schwierige Auffahrt von 5.300 Meter durch eine Felsrinne bis auf 6.100 Meter also große Herausforderung. Die Wetterbedingungen mit eisiger Kälte und starken Winden verlangten uns in Kombination mit der dünnen Höhenluft körperlich enorm viel ab“, berichtet der Expeditions-Neuling, den noch dazu ein übler Sonnenbrand plagte. „Die letzten Nächte über 6.200 Meter mussten wir im Führerhaus sitzend schlafen, aber am 14. Dezember erreichten wir nach einer weiteren Woche oberhalb der Todeszone mit einem der beiden Mercedes-Trucks endlich die neue Rekordhöhe von 6694 Metern“, berichtet der Wacker-Mitarbeiter.

Besonders stolz ist er darauf, dass das vom Team installierte Notrufsystem bereits während seiner Zeit am Vulkan das Leben eines kanadischen Bergsteigers gerettet hat. „Er hatte sich von der nächsten Schutzhütte gemeldet, aber nur wir konnten uns nachts mit Hilfe eines Spezialfahrzeugs auf die Suche begeben, weil das bei Dunkelheit sehr riskant ist. Als wir den Kanadier schließlich fanden, zeigte er deutliche Anzeichen der Höhenkrankheit. Die Nacht hätte er vermutlich nicht überlebt“, schildert Stahlhofer die dramatische Rettungsaktion: „Dagegen war der Höhenrekord quasi nur ein Bonus ...“, meint er nachdenklich. Die installierten Notruf-Stationen sind laut Andi Stahlhofer ein „Geschenk des zehnköpfigen Expeditionsteams an Chile“: „Ich bin sehr berührt von der ehrlichen Herzlichkeit und Aufgeschlossenheit der Chilenen. Das und auch unser großartiges Team, in dem sich bleibende Freundschaften entwickelt haben, zählt zu meinen besonderen Erfahrungen auf dieser anstrengenden Tour.“

Unvergesslich bleibt ihm auch der Blick in den faszinierenden Sternenhimmel in klaren Nächten: „Selbst die coolsten Typen standen beim Anblick der Milchstraße, die sich dort wie ein weißes Band über den Himmel zieht, bei bitterer Kälte mit offenem Mund staunend und schauten zu den Sternen ...“

Mitgebracht vom höchsten aktiven Vulkan der Welt, dessen Name wohl nicht ohne Grund soviel bedeutet wie „salzige Augen“, hat Andi Stahlhofer auch ein wenig Bescheidenheit: „Man lernt, die kleinen Dinge zu schätzen, z.B. eine komfortable Toilette, wenn man wegen der Höhe mehrmals aus dem kuscheligen Schlafsack hinaus muss in die Eiseskälte und einem die Beine vor Erschöpfung nur so zittern ...“

Die Erfahrungen, die der Burghauser auf dieser Extrem-Tour gemacht hat, werden ihm sicher weiter zugutekommen, denn „auf Off-Road-Abenteuer werde ich mich auf jeden Fall wieder einlassen.“ Beeindruckende Impressionen von der Expedition auf den Ojos des Salado kann man sich auf youtube (Höhenweltrekord mit Unimog) ansehen.


0 Kommentare