„Trauermarsch“ macht Angehörige wütend

Familie und Freunde wehren sich – „Sophia ist kein Opfer irgendeiner Einwanderungspolitik“

11.09.2018 | Stand 09.01.2021, 2:04 Uhr
−Foto: Foto: privat

Am Samstag, 1. September, hatte die AfD in Chemnitz zu einem so genannten „Trauermarsch“ für angebliche Opfer der vermeintlichen „Zwangsmultikulturalisierung Deutschlands“ aufgerufen. „Dabei trugen Rechtsextreme unter anderem das Bild unserer verstorbenen Freundin, Schwester, Cousine, Tante und Tochter Sophia Lösche im Großformat durch die Innenstadt“, so die Angehörigen und Freunde der getöteten jungen Frau aus Amberg.

AMBERG „Es ist völlig offensichtlich, dass jemand, der inmitten von ,Absaufen-Absaufen!‘-Rufen und Hitlergrüßen marschiert, nicht trauert. Diese Veranstaltung war kein Ort der aufrichtigen Trauer um Sophia oder sonst irgendjemanden, sondern ein Ort der Hetze und der Niedertracht“, heißt es weiter in einem Statement, dass die Familie und Freunde der Verstorbenen veröffentlicht hat.

„Bereits eine oberflächliche Recherche hätte ergeben, dass sich Sophia in ihrer jahrelangen politischen Arbeit immer entschieden gegen Ausgrenzung, Rassismus und Menschenfeindlichkeit eingesetzt hat. Dass die Rechtsextremen trotzdem ihr Bild nun im Namen des Hasses herumtragen, zeigt noch einmal mehr, dass sie sich kein bisschen für die gezeigten Personen interessieren. Es ist eine perverse Verdrehung von Sophias Leben und all dessen, wofür sie stand: Liebe, Mitgefühl und Menschlichkeit völlig unabhängig vom Kulturkreis, dem Land oder der sozialen Schicht aus der jemand stammt“, heißt es weiter. Sohpia hatte sich selbst in der Flüchtlingshilfe engagiert.

„Sophia ist kein Opfer irgendeiner Einwanderungspolitik – nicht nur, weil der Tatverdächtige gar kein in Deutschland lebender Immigrant war. Wir lassen nicht zu, dass das Andenken an unsere Sophia für ausländerfeindliche Zwecke missbraucht wird. Wir stellen uns in ihrem Namen gegen die Instrumentalisierung ihrer Person für Hetze, Rassismus und Hass. Wir sind diejenigen, die wirklich trauern. Wir halten Sophias Andenken hoch für Mitmenschlichkeit unabhängig von der Herkunft des Gegenübers.“

Familie und Freunden ist es wichtig, das Andenken an Sophia zu bewahren – auch öffentlich: „Wir haben die Bitte, Sophias Bild stets unverpixelt zu zeigen“, so der Wunsch.

Seit dem 14. Juni war die 28-jährige Studentin Sophia L. aus Amberg vermisst worden. Von Leipzig aus wollte sie nach Bayern trampen, stieg in einen Lkw – und verschwand. Als man in Spanien eine tote Frau fand, ergab sich schnell Gewissheit, dass es sich um die 28-jährige Studentin handelt. Mittlerweile wurde der mutmaßliche Mörder von Sophia L. an Deutschland ausgeliefert.

Alle Infos zum Fall gibt es hier:Trauer um Sophia L. aus Amberg

Schwandorf