Wirtschaft

Café-Betreiberin wehrt sich gegen elf Jahre Baustelle vor der Tür

09.07.2017 | Stand 08.01.2021, 8:47 Uhr
Ursula Hildebrand
−Foto: n/a

"Ich verstehe sie alle", sagt Café-Betreiberin Radojka Dobner. Die Stadt, die bauen muss, die Privaten, die investieren – und die Firmen, die für Kanal, Wasser oder Strom die Straße aufgraben. Was für sie aber langsam nicht mehr verständlich ist, sind über Jahre immer wieder Baustellen vor und neben der Café-Tür!

REGENSBURG Seit November 2004, so berichtet Dobner, führt sie das "Café am Peterstor". Mit drei Mitarbeitern steht sie jeden Tag von 9 bis 22 Uhr in ihrem Café – und merkt, wie sehr die vielen Baustellen ihre Gäste abschrecken. Da passiert es eben auch schon mal, dass sich Touristen im Sommer vor das Café setzen – und dann schnell wieder flüchten, wenn der Baulärm losgeht. Gelegentlich, sagt Dobner, war ihr Freisitz gar nicht nutzbar, weil direkt vor der Tür aufgegraben wurde. Für die Wirtin unverständlich. Schon das ein oder andere Mal sei es vorgekommen, dass eine Baustelle abgeschlossen wurde und nur wenige Wochen später eine andere Firma kam, um die Straße an der gleichen Stelle wieder aufzumachen. Und in der Tat, die Liste der Baumaßnahmen im Bereich "Am Peterstor" ist lang: 2007 fand die Sanierung der Peterstorbrücke statt, von Oktober 2011 bis März 2012 wurde an der Kanalerneuerung im Bereich des Peterstors gearbeitet. Von Mitte August bis November 2012 war die Kanalsanierung im Petersweg von der Einmündung Fröhliche-Türken-Straße bis zum Anwesen Petersweg 11 nötig, hier gab es Restarbeiten, die im Mai 2013 noch an zwei Tagen durchgeführt wurden. Im November 2014 wurde der Kanal-Hausanschluss für den Neubau der Gebäude am Petersweg 3 fertiggestellt. In den Jahren 2014 und 2015 wurden außerdem im Petersweg der Gehweg auf der Südseite erneuert und die Fahrbahn teilweise asphaltiert. Der Bereich des Peterstors war von dieser Maßnahme nur 2015 betroffen, so die Auflistung der Stadt Regensburg. Dazu kommen dann noch „Abriss und Neubau des Parkhauses und die Wohnbebauung an der Kreuzung Petersweg/Fröhliche-Türken-Straße. Im Zuge dieser Baumaßnahmen mussten jeweils sämtliche Anschlüsse – zum Beispiel Strom, Wasser, Kanal, Telekom, Kabel Deutschland – geschaffen beziehungsweise verlegt werden“, so die Stadt auf Anfrage. Und auch aktuell wird am sogenannten "Turm" weiter gebaut.

Auffällig ist auch das hohe Verkehrsaufkommen im Bereich "Am Peterstor". Aber daran hat sich Radojka Dobner schon gewöhnt, das sei gar nicht so schlimm, berichtet sie. Sie setzt auf die Tradition ihres Cafés, das es an dieser Stelle schon seit über 90 Jahren gibt. Schon immer als "Tagescafé", berichtet Dobner. Der sicher gut gemeinte Ratschlag, sie solle doch einfach tagsüber schließen und erst abends öffnen, da würde dann ja meist nicht auf den Baustellen gearbeitet, das ist für Dobner keine Lösung.

Das "Café am Peterstor" soll ein Tagescafé bleiben. "Ich will es schaffen", sagt Dobner und seufzt. Viele Stammgäste sind ihr bis heute treu geblieben, die Frage ist nur, wie lange die das so noch mitmachen. "Ich hoffe, dass jetzt endlich mal Schluss ist mit den Baustellen!“ Radojka Dobner wünscht sich nun eine Zeit, in der nicht gebaut wird doch daraus wird nichts! „Die Abteilung Straßenunterhalt wird 2016 die Sanierung des Gehwegs mit teilweiser Asphaltierung der Straße im Bereich zwischen Fröhlicher-Türken-Straße bis zum Parkeingang fortsetzen", heißt es seitens der Stadt. Ein kleiner Trost: "Die Abteilung Kanalbau plant in den nächsten zwei Jahren keine Sanierungsmaßnahmen." Was allerdings an privaten Maßnahmen in den nächsten Monate und Jahren passieren wird, das weiß aktuell auch die Stadt nicht.

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