09.11.2017, 17:06 Uhr

Die etwas andere Kolumne von Mike Schmitzer Fußballväter

(Foto:123RF / BNP Design Studio)(Foto:123RF / BNP Design Studio)

Am Spielfeldrand der Pampersliga stehen leider oft 22 Trainer.

„Hau drauf, hau endlich drauf, looooooos!“ Beim „S“ löst sich ein Speichelfaden aus dem Mund des Schreihalses und landet auf der Schulter des Vordermanns.

Die Augen verkniffen, die Adern am Hals angeschwollen, die rechte Hand mit verkrampften, klauenhaften Fingern drohend schüttelnd, brüllt dieser Mensch im Publikum jetzt: „Ja kruzefünferl, geh´ halt hiiiiiii.“ Anschließend schlägt er beide Hände in höchster Enttäuschung vors Gesicht.

„Naaa, des kann ja keiner mitanschauen“, schüttelt der Mann den Kopf, das Gesicht noch in seinen Händen verborgen ...

Wir befinden uns nicht etwa bei einem illegalen Hundekampf in Belgrad, sondern auf einem Fußballplatz in Bayern.

Es ist Sonntagnachmittag und die G-Jugend spielt. Die sogenannte „Pampers-Liga“. Auf dem Rasen tummeln sich sechs- bis siebenjährige Fußballzwergerl und am Spielfeldrand stehen deren Väter und Mütter ...

Eigentlich wirkt das Geschehen auf dem Spielfeld eher so, als würde ein Pulk aus knapp zwei Dutzend Mäusen einem Stück Käse folgen. Würden die beiden Mannschaften nicht verschiedene Trikots tragen, man wüsste nicht, welches Zwergerl zu welchem Team gehört. Ein Spieler ist vorne am Ball und alle anderen hängen wie eine Weintraube dahinter. Und diese Menschenwolke bewegt sich gemächlich zwischen den beiden Toren hin und her.

Das hindert aber manche überehrgeizigen Väter (und zuweilen auch Mütter) nicht daran, ihren Sprösslingen vom Spielfeldrand aus lautstark taktische Kommandos zuzurufen. „Links außen vorbei und dann rein mit der Kugel ins Netz!“ Das angesprochene Zwergerl wirft den Kopf in Richtung des Elternteils und trabt, mit Fragezeichen in den Augen, weiter dem ballführenden Spieler hinterher.

„Fauuuul, fauuul“, schreit jetzt einer der Väter, nachdem sich einer der Pampers-Kicker lang gelegt hat.

„Sog mal Schiri, bist Du blind oder was? Voidepp!“

Der angesprochene Unparteiische - kaum älter als 16 Jahre - bekommt hochrote Wangen und wendet sich ab.

Abpfiff: Die Zwergerl laufen in Richtung Trainer.

„Guad habt´s es g´macht“, sagt der „Coach“ und zwinkert mit den Augen. Dann streichelt er jedem Spieler noch einmal über den Kopf.

Kurz danach kann man etwas abseits den Vater mit dem Speichelfaden beobachten, wie er seinen kleinen Buben mit der Hand am Oberarm umklammert hält, und auf ihn einredet. Dabei erhebt er immer wieder den drohenden Zeigefinger ...

Fußball wäre ein so schöner Sport, gäbe es nicht diese schrecklichen Fußballväter, die meinen, aus ihrem kleinen „Scheißerle“ den nächsten Bastian Schweinsteiger machen zu müssen.

Dabei bekommen sie selbst wahrscheinlich keinen einzigen geraden Ball hin ...


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