02.01.2020, 13:47 Uhr

Rehe offenbar zu Tode gehetzt Tierische Tragödie in der Straubinger Öberau


Naturschutzwart schlägt Alarm und appelliert an das Verantwortungsbewusstsein von Spaziergängern und Hundehaltern.

STRAUBING Alfred Wagner ist noch immer fassungslos. Es waren schreckliche Bilder, die sich ihm zum Jahreswechsel im Naturschutzgebiet Öberau boten. Mit seinem Bericht will er Hundehalter sensibilisieren und an deren Verantwortungsbewusstsein appellieren:

„Am 31. Dezember war ich wieder mal in meiner Tätigkeit als Naturschutzwart der Stadt Straubing unterwegs. Da besonders an den Feiertagen viele Erholungssuchende in der Natur unterwegs sind, führe ich regelmäßig auch in diesen Zeiten meine Streifen durch. Leider ist vielen Spaziergängern und Hundeführern die Funktion der Naturschutzgebiete nicht bewusst, oder sie ignorieren die Schutzvorschriften wissentlich. Als ich gerade auf dem Heimweg war, wurde ich von einem Sossauer Fischer angesprochen. Er berichtete mir, dass an der Ostseite der Öberauer Schleife drei Rehe, beim Versuch das Eis zu überqueren, ertrunken seien.“

Diese Schilderung lässt bei Alfred Wagner die Alarmglocken läuten: „ Ich suchte sofort die beschriebene Örtlichkeit auf und entdeckte als erstes drei Personen, die sich dort widerrechtlich aufhielten. Nach einem freundlichen Aufklärungsgespräch begab ich mich zu dem Ort der Tragödie. Es bot sich mir ein trauriges Bild. Die drei Rehe waren bereits tot und lagen verstreut etwa 20 bis 40 Meter auf der, vom Todeskampf zersplitterten, Eisfläche. Hier muss man wissen, dass sich Rehe nie freiwillig auf eine Eisfläche begeben würden, da ihre Schalen darauf keinen Halt finden. Nur in größter Panik, also wenn sie erschreckt oder gehetzt werden und nicht mehr ausweichen können, dann fliehen sie in alle Richtungen. Die Geiß wollte sich und ihre beiden Kitze in Sicherheit bringen und geriet daher auf die Eisfläche.“

Besonders im Ostbereich der Öberauer Schleife werden laut Wagner immer wieder Hundeführer angetroffen, die ihre Hunde im Schutzgebiet frei laufen lassen: „Wenn man sie anspricht, stößt man nicht immer auf Verständnis. Besonders im Herbst und Winter glauben viele Leute, weil keine Brutzeit mehr herrscht, kann man die wildlebenden Tiere nicht mehr stören. Dies ist aber ein Trugschluss, denn auch in diesen Zeiten brauchen die Wildtiere ihre Ruhe, da viele ihren Stoffwechsel auf Sparflamme gestellt haben um die nahrungsarme Zeit zu überstehen. Werden sie beunruhigt, oder gar gehetzt, verlieren sie wertvolle Reserven, welche sie nur schwer wieder ausgleichen können.“

Der Straubinger Naturschutzwart ist sich sicher: „Die hier verendeten Rehe waren sicherlich wieder die Folge einer bewussten oder auch unbewussten Störung von Personen, die die Natur genießen wollten, ohne auf die Natur zu achten. Ein Kreuz auf den Stimmzettel „Rettet die Bienen“ zu machen, das allein genügt nicht, man sollte sich auch naturfreundlich verhalten. Die Hinweisschilder an den Grenzen der Naturschutzgebiete an der Öberauer Schleife und auch im geschützten Landschaftsschutzgebiet Gollau sind nicht umsonst aufgestellt. Sie sollten auch beachtet werden, damit sich solche Tragödien, wie am Silvesternachmittag, nicht wiederholen.“


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