27.06.2019, 15:03 Uhr

Ein Wisent aus Straubing geht auf große Reise „Stalera“ hört den Ruf der Wildnis


Der Straubinger Tiergarten beteiligt sich an einem spannenden Auswilderungsprojekt.

STRAUBING Wisente werden schon seit Jahrzehnten im Tiergarten gehalten. Normalerweise werden Jungtiere vom Zuchtbuchkoordinator an andere zoologische Einrichtungen vermittelt, die sich an der Erhaltungszucht beteiligen. Anders war es diesmal bei „Stalera“, einer Kuh die am 29.06.2018 im Tiergarten Straubing geboren wurde. „Stalera“ wird voraussichtlich im kommenden Jahr in Rumänien ausgewildert.

In Rumänien wurden durch den WWF in Kooperation mit Rewilding Europe, Romanian Wilderness Society und anderen Partnern vor Ort die zwei Projektgebiete „Poieni“ und „Armenis“ geschaffen. Mitten in den Karpaten streifen dort bereits 40 bis 50 Wisente umher. 2018 wurden die ersten Tiere dort hingebracht. Die Landschaft ist geprägt von Bergen und Tälern. Gemischte Laubwälder in denen Buchen, Birken, Eichen, Robinien und in der Strauchschicht sehr viel Hasel wachsen, auch lichte Wälder und viele Wiesen und Freiflächen bieten einen geeigneten Lebensraum für Wisente. Nahrung im Überfluss über das gesamte Jahr! Das eigentliche Projektgebiet ist ein EU-NATURA-2000-Gebiet. Angrenzend befinden sich zwei Nationalparks. Insgesamt steht den ausgewilderten Wisenten potenziell eine Fläche von 300.000 ha zur Verfügung. Diese Fläche brauchen die Tiere auch, da sie anders wie im Tiergarten Straubing nicht täglich Gras, Heu und Kraftfutter gereicht bekommen, sondern sich selbstständig darum kümmern müssen, wo sie genug Futter finden um den Hunger zu stillen. In den ursprünglichen Wäldern der Karpaten sind die Wisente nicht alleine, da dort, wie noch vor 200 Jahren hier in den Wäldern Mitteleuropas, die großen Beutegreifer Luchs, Wolf und Bär frei leben.

„Stalera“ machte sich am vergangenen Montag 24.06.2019 früh morgens auf ihren Weg, aber nicht nach Rumänien, sondern ins Wisent-Gehege Springe. Das Wisent-Gehege Springe in Niedersachen gehört zu den Niedersächsischen Landesforsten und wird von Herrn Thomas Hennig geleitet, der auch die Auswilderungsgruppen, mit Wisenten aus zoologischen Einrichtungen in Deutschland, zusammenstellt. Diese Auswilderungsgruppen reisen später dann gemeinsam nach Rumänien. So haben die Tiere fast ein Jahr Zeit sich gegenseitig kennen zu lernen und bereits eine kleine Herde zu bilden. Das bringt viele Vorteile bei der Auswilderung in Rumänien, da Wisente als Herde eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit in der freien Natur haben als Einzeltiere. Dieses Jahr wurden bereits sieben Wisente als Auswilderungsgruppe von Springe nach Rumänien gebracht.

Das Projektgebiet „Armenis“ in Rumänien ist in drei Zonen aufgeteilt. In der 15 ha großen Akklimatisierungszone kommen die Wisente an und verbringen dort ungefähr die ersten vier Wochen. Die Akklimatisierungszone liegt auf ca. 700 m ü. n. N. Durch Öffnung des umgebenden Zauns können die Tiere die Auswilderungszone erschließen. Diese immer noch umzäunte Fläche ist ca. 150 ha groß. Nach weiteren 6 bis 8 Wochen wird auch diese Anlage geöffnet und die Tiere können dann im sogenannten Soft-release die Auswilderungszone jederzeit verlassen. Wichtig ist stets, dass die Wisente sich schnell in die Umgebung eingewöhnen und sich vom Menschen entfremden. Eine Fütterung der Tiere ist, auch im Winter nicht vorgesehen.

Voraussichtlich wird „Stalera“, als Mitglied einer kleinen Herde, im kommenden Jahr von Springe nach Rumänien reisen. Der Tiergarten Straubing freut sich sehr, dass „Stalera“ dann als ein „Straubinger“ Wisent die ursprünglichen Wälder der Karpaten in Rumänien bewohnen wird.


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