08.11.2019, 14:30 Uhr

Aktion Grundwasserschutz Der Klimawandel stellt die Wasserwirtschaft und die landwirtschaftliche Bewässerung vor Herausforderungen

Regierungspräsident Axel Bartelt (Fünfter von links) zusammen mit den Referenten des Herbstforums. (Foto: Regierung der Oberpfalz/Roth)Regierungspräsident Axel Bartelt (Fünfter von links) zusammen mit den Referenten des Herbstforums. (Foto: Regierung der Oberpfalz/Roth)

Am Donnerstag, 7. November, fand das dritte Herbstforum der Aktion Grundwasserschutz Oberpfalz in Schwarzenfeld statt. Ziel der Veranstaltung war es, die Herausforderungen für Wasserwirtschaft und Landwirtschaft in der Oberpfalz angesichts des Klimawandels vorzustellen und Erfahrungen in diesem Bereich auszutauschen. Rund 100 Teilnehmer, darunter Bürgermeister, Vertreter von Wasserversorgern, Behörden sowie der Landwirtschaft, folgten der Einladung des Regierungspräsidenten Axel Bartelt.

SCHWARZENFELD In seinem Grußwort lobte der Regierungspräsident das gemeinsame Engagement von Kommunen, Wasserversorgern, Landwirtschaft und Wasserwirtschaft. „Sauberes Trinkwasser ist unser höchstes Gut. Wir alle sind gefordert, unser Grundwasser bestmöglich zu schützen“, betonte Regierungspräsident Axel Bartelt: „Wir sehen den Erhalt von sauberem Wasser, gutem Boden und ertragreicher landwirtschaftlicher Produktion nicht als getrennte Themen an. Wir können nur gemeinsam den Herausforderungen des Klimawandels begegnen und somit nachhaltig wirken, dass auch die Generationen nach uns noch gut in der Oberpfalz leben können“, so der Regierungspräsident.

Dr. Benjamin Kopp vom Bayerischen Landesamt für Umwelt brachte die Teilnehmer zu Beginn auf den neuesten Stand zum Klimawandel in Bayern. Er resümierte, dass gemäß verschiedener Prognosen und Modellrechnungen davon ausgegangen werden muss, dass es weiterhin trockener und wärmer wird. Entsprechend kann sich auch weniger Grundwasser neu bilden. Raimund Schoberer vom Sachgebiet Wasserwirtschaft an der Regierung der Oberpfalz stellte verschiedene Projekte der Aktion Grundwasserschutz vor, darunter das jährlich stattfindende Wasserforum, die Oberpfälzer Wasserzeitung so wie die Broschüre zu Wasserschutzgebieten. Zudem gebe es finanzielle Unterstützungsmittel und eine Wanderausstellung für einschlägige Veranstaltungen. Für das Jahr 2020 sind weitere Aktionen, wie zum Beispiel die Wasserschatzkiste und die Wasserschule für Kindergärten und Schulen geplant. Ziel der Aktion Grundwasserschutz ist vor allem, die Öffentlichkeit für die Themen Trinkwasser- und Grundwasserschutz zu sensibilisieren. Raimund Schoberer betonte, wie sich die Wasserversorger in der Oberpfalz engagieren, um den Herausforderungen durch den Klimawandel zu begegnen und die Versorgung mit Trinkwasser auch weiterhin in gewohnt hoher Qualität und in ausreichender Menge sicherzustellen. Neben dem Bau neuer Brunnen ist insbesondere die Vernetzung der Wasserleitungen über Gemeinde- und Versorgungsgrenzen hinaus wichtig, damit gegenseitig ausgeholfen werden kann.

Der zweite Teil der Veranstaltung widmete sich dem Thema landwirtschaftliche Bewässerung. Dr. Andreas Kolbinger vom Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz erläuterte die wasserwirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Der Konkurrenzdruck zwischen den verschiedenen Nutzern von Wasser, allen voran die öffentliche Trinkwasserversorgung und die Landwirtschaft, steigt und muss im gesamtgesellschaftlichen Interesse vernünftig und nachhaltig geregelt werden. Um den Bewässerungsbedarf möglichst gering zu halten, sind besser an die Trockenheit angepasste Anbauverfahren zu verwenden, wassersparende Bewässerungsmethoden wie zum Beispiel der Düsenwagen anzuwenden und idealerweise muss dafür Sorge getragen werden, dass Regen nicht abfließt und zu Hochwasser führt, sondern vom Boden bestmöglich aufgenommen werden kann. Dr. Stefan Kremb vom Bereich Landwirtschaft an der Regierung der Oberpfalz skizzierte die aktuelle Situation in der Region und ging dabei insbesondere auf den häufigen Wassermangel in der mittleren Oberpfalz und auf die Bewässerung der Kartoffel ein. Ebenso wurde die Auswirkung der geringen Sickerwasserbildung auf die Nitratproblematik angesprochen. Seit 2017 gibt es eine neue Düngeverordnung, die 2020 nochmals verschärft werden soll. Anschließend berichteten Dr. Stefan Dick (Südstärke) und Dr. Michael Holtschulze (Lorenz Bahlsen Snack-World) aus der Sicht lebensmittelverarbeitender Betriebe über Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten für den Kartoffelanbau in der Oberpfalz. Dr. Martin Müller von der Arbeitsgemeinschaft Landtechnik und landwirtschaftliches Bauwesen in Bayern befasste sich mit der Frage, wie effiziente Bewässerung technisch und wirtschaftlich gestaltet werden kann. Im letzten Vortag des Tages stellte Axel Bauer, Leiter des Sachgebiets Wasserwirtschaft an der Regierung von Unterfranken, vor, wie Grundwasserentnahmen im Rahmen eines Niedrigwassermanagements intelligent gesteuert werden können. Dieses Management ist wichtig, um in Wassermangelgebieten nachhaltige mit dem Grundwasser umgehen zu können. Die abschließende Diskussion und das gemeinsame Mittagessen nutzten die Teilnehmer zum intensiven Meinungsaustausch.

Das dritte Herbstforum ist Teil der „Aktion Grundwasserschutz – Trinkwasser für die Oberpfalz“. Weitere Bausteine sind verschiedene Veröffentlichungen zum Thema Grundwasserschutz wie beispielsweise die neue Broschüre Wasserschutzgebiete oder eine Auswahl von Ausstellungselementen, die gerne ausgeliehen werden können. Auch die Bereitstellung von Unterstützungsmitteln bei Veranstaltungen zum Grundwasserschutz ist möglich.


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