10.09.2019, 16:55 Uhr

Zweiter Bauabschnitt Rekultivierungsarbeiten im ehemaligen Wackersdorfer Braunkohlerevier in vollem Gang

Die Rekultivierungsarbeiten im Bauabschnitt 2 des Westfeldes sind in vollem Gange. In mehreren Lagen werden die ehemaligen Ablagerungsflächen im Braunkohletagebau abgedichtet und anschließend mit einer 1,2 Meter dicken Mutterbodenschicht überdeckt und mit ökologisch wertvollem Magerrasen angesät. (Foto: Jan Kiver, Uniper)Die Rekultivierungsarbeiten im Bauabschnitt 2 des Westfeldes sind in vollem Gange. In mehreren Lagen werden die ehemaligen Ablagerungsflächen im Braunkohletagebau abgedichtet und anschließend mit einer 1,2 Meter dicken Mutterbodenschicht überdeckt und mit ökologisch wertvollem Magerrasen angesät. (Foto: Jan Kiver, Uniper)

Schweres Baugerät ist auf dem ehemaligen südlichen Wackersdorfer Braunkohlelager- und Deponiegelände im Einsatz: Vor einigen Wochen begannen die Rekultivierungsarbeiten auf dem nördlichen Abschnitt des Westfeldes unterhalb des Geotops. Die Kosten für die Rekultivierung belaufen sich auf mehr als zehn Millionen Euro. Das Geotop wird von den Arbeiten nicht berührt.

WACKERSDORF Der knapp fünf Hektar große nördliche Abschnitt der Deponie bildet den zweiten Bauabschnitt zum Gesamtabschluss der Rekultivierung der Westfeld-Deponie. Der erste südwestliche Bauabschnitt umfasste rund 20 Hektar. Für über 15 Millionen Euro entstand in den Jahren 2013 bis 2016 eine naturschutzfachlich wertvolle, strukturierte, hügelige Naturlandschaft mit Magerrasenflächen und Totholz-/Steininseln, die die Ansiedlung bedrohter Tier- und Pflanzenarten begünstigt. „Basierend auf den positiven Erfahrungen aus Bauabschnitt 1 wird bis Ende kommenden Jahres (2020) der jetzige Bauabschnitt 2 rekultiviert“, erläuterte Andreas Stake, Uniper-Projektleiter für das Oberpfälzer Seenland. Stake betonte: „Persönliche und gesundheitliche Sicherheit sowohl für die Mitarbeiter von Uniper und den beauftragten Firmen als auch für Besucher und Passanten außerhalb des Baufeldes haben bei uns höchste Priorität. Aus diesem Grund sind für die jetzige Bauphase rund um das Westfeld-Gelände entsprechende Schutzeinrichtungen geschaffen worden.“

Unter anderem wurden eine Zugangskontrolle auf das Gelände eingerichtet und das Arbeitsfeld im Bauabschnitt 2 unterhalb des Geotops zusätzlich komplett eingezäunt. Der Zaun entlang des Geotops verläuft auf Höhe des Besucherpfades und der Aussichtsplattform. Die tatsächliche Arbeitsfeldgrenze befindet sich mit entsprechendem Sicherheitsabstand deutlich unterhalb des Zauns. Die Arbeitsgrenze ist gut erkennbar mit gelben Pflöcken temporär gesichert, sodass ein Eingriff in das Geotop durch die Arbeiten ausgeschlossen ist. „Auch für Uniper hat das wertvolle Geotop eine sehr große Bedeutung und ist ein wesentlicher Baustein der Bergbaufolgelandschaft“, stellte Stake klar.

Der jetzt zu bearbeitende Bauabschnitt 2 umfasst unter anderem die tiefsten (30 Meter) Abschnitte des insgesamt gut 80 Hektar großen ehemaligen südlichen Wackersdorfer Braunkohle-Tagebaus Westfeld. Da sich dort auch die Entwässerungsbecken befinden, sind entsprechend aufwändige Verrohrungsarbeiten geplant. Das oberflächennahe Wasser wird wie schon bisher langfristig in der eigens dafür vorhandenen Kläranlage gereinigt. Pro Stunde fallen durchschnittlich 50 Kubikmeter Oberflächenwasser an. Derzeit werden die entsprechenden Vorbereitungen getroffen. Gemäß der geplanten künftigen Landschaftsmodellierung werden die vorhandenen Abdeckmaterialien und Bodenstrukturen umgelagert und verfestigt. Je nach Untergrund und Bestandteilen werden anschließend geeignete Abdichtmaterialen, überwiegend Bentonitmatten, verbaut. An den Böschungen der Entwässerungsgräben kommen Kunststoffdichtungsbahnen zum Einsatz. Als mechanischer Schutz gegen spitze Steine wird über den Abdichtungslagen ein Drainage-Vlies verlegt. Darüber wird im jetzigen Bauabschnitt 2 eine rund 1,2 Meter dicke, spezifisch zusammengesetzte und geprüfte, natürliche (Mutter-)Bodenschicht auf das rund 50.000 Quadratmeter umfassende Rekultivierungsgelände aufgebracht. Die Uferböschungen im unmittelbaren Bereich des Entwässerungssammelbeckens werden ebenso wie die Entwässerungsgräben und Retentionsbecken mit rund 30.000 Tonnen Wasserbausteinen gegen Erosion geschützt. Zum Abschluss erfolgt auf dem neuen Mutterboden die Nassansaat der Grünflächen.

„Nach unseren Planungen und vorbehaltlich der Erteilung aller notwendigen Genehmigungen wollen wir Mitte kommenden Jahres auch mit dem abschließenden Bauabschnitt 3, der Rekultivierung des sogenannten Westfeld-Damms beginnen“, gab Stake einen Ausblick in die Zukunft. Ende vergangenen Jahres starteten die ersten notwendigen Vorarbeiten auf dem 30 Hektar großen Areal im südöstlichen Bereich des Westfeldes. Der frühe Zeitpunkt wurde aus Naturschutzgründen gewählt, da Fällarbeiten nur in der kalten Jahreszeit zwischen Oktober und Ende Februar zulässig sind. Etwa ein Drittel des Westfeld-Damms wurde daher von seinem Bewuchs (Bäume, Sträucher, Wildwuchs) freigemacht. Die Arbeiten konnten pünktlich Ende Februar 2019 beendet werden. Nach einer weiteren ökologischen und biologischen Begutachtung wurde das Gelände zur weiteren Räumung Ende Juli naturschutzfachlich freigegeben. Derzeit werden die verbliebenen Wurzelstöcke ausgegraben sowie das Fällgut zur thermischen Verwertung zerkleinert. Diese Arbeiten werden voraussichtlich im Spätsommer beendet sein. Mindestens 12 Millionen Euro wird Uniper investieren, um den Dammbereich mit leichten Erhebungen neu zu profilieren und in einen ökologisch wertvollen Zustand mit einem stabilen und nachhaltigen Natur- und Stoffhaushalt zu versetzen. Diese Arbeiten werden planmäßig mindestens bis Ende 2022 dauern.

Hintergrund

Insgesamt sieben Jahrzehnte war das Wackersdorfer Braunkohlerevier von bergmännischer Nutzung geprägt. Die Rekultivierung der Westfeld-Flächen lag bei der ehemaligen Bayerischen Braunkohleindustrie (BBI), dem Bayernwerk und E.ON, von der Uniper die Aufgabe übernommen hat. Das Rekultivierungsprojekt wurde 2002 gestartet. Der Abschluss ist bis Ende 2022 in mehreren Etappen vorgesehen. Zu den Rekultivierungsmaßnahmen zählen auch die Entsiegelung und der Rückbau nicht mehr benötigter Abschnitte des früheren Wegesystems. Dadurch können verlorene Bodenfunktionen großteils wiederhergestellt werden.

Im Zuge des Rekultivierungsvorhabens wird auch das vorhandene Entwässerungssystem für den Westfeld-Damm erneuert und ausgebaut. Der ehemals als Vorfluter wirkende Grubenwassergraben Nord, der das Grubenwasser sammelte, wird unter anderem durch Rückbau von Verrohrungen und Überbauungen umgestaltet. Dadurch verbessern sich dessen Gestalt und die Gewässerökologie spürbar. Hinzu kommt eine Schutzfunktion vor Hochwasser, z. B. bei Starkregenereignissen im Bereich des Wackersdorfer Bauhofgeländes. Dem zunehmend anspruchsvolleren Hochwasserschutz wird zudem in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Wackersdorf durch Herstellung naturnaher Retentionsräume und Überschwemmungsflächen auf dem Gelände Rechnung getragen.

Auf dem insgesamt gut 80 Hektar großen, ehemals weitgehend ebenen südlichen Wackersdorfer Braunkohle-Tagebaugebiet Westfeld wurden während der Betriebszeit des Kraftwerks Schwandorf-Dachelhofen (1930 bis 2002) der im Kraftwerk benötigte Brennstoff Braunkohle erst abgebaut und in Teilbereichen später tschechische Braunkohlelieferungen gelagert. Die ausgekohlten Tagebaugruben wurden mit Abraum aus dem Braunkohleabbau und mit Kraftwerksasche sowie im Bereich des heutigen Westfeld-Damms mit Bauschutt und Abbruchmaterial einer ehemaligen Brikettfabrik und des Schwandorfer Kraftwerks verfüllt. Seit 2009 dient das Areal des Westfeld-Damms zum Teil als Lagerplatz für die benötigten Baumaterialien zur Rekultivierung des Westfeldes.

Natur- und Artenschutz-Maßnahmen im Vorfeld

Alle Maßnahmen wurden und werden unter Hinzuziehung externer Fachleute und unabhängiger Gutachter von Uniper Kraftwerke GmbH geplant und von den zuständigen Behörden intensiv geprüft und genehmigt. Die Umsetzung der Rekultivierungsmaßnahmen erfolgt auch in Abstimmung mit den örtlichen Forst- und Naturschutzbehörden. Umfangreiche naturschutzfachliche Ausgleichmaßnahmen, sogenannte CEF-Maßnahmen (continuous ecological functionality measures), sind den eigentlichen Rekultivierungsarbeiten zwingend vorgeschaltet. Unter CEF-Maßnahmen versteht man „vorgezogene ökologische Ausgleichsmaßnahmen“ zur Sicherung des Artenreichtums eines Gebietes. Damit wird schon im Voraus ein kontinuierlicher und durch optimierte Ausgestaltung bisweilen sogar besserer ökologischer Zustand hergestellt. Die CEF-Maßnahmen müssen gewährleisten, dass die betreffenden Fortpflanzungs- und Ruhestätten zu keinem Zeitpunkt eine Unterbrechung oder Reduktion ihrer ökologischen Funktionsfähigkeit erleiden. Habitate werden in Qualität und Quantität erhalten. Dies wird von einem unabhängigen Gutachter und den Naturschutzbehörden überprüft.

Im Fall Rekultivierung des Westfeld-Damms wurde bereits 2013 mit den planungsrechtlich relevanten und umfassenden naturschutzfachlichen Untersuchungen der Biotop-, Habitat-, Boden-, Wasser-, Klima- und Landschaftsbildfunktionen in einem großangelegten, weit über die eigentliche Rekultivierungsfläche hinausgehenden Betrachtungsbereich von rund 74 Hektar begonnen. Sie umfassten neben der Vegetation vor allem eine Bestandserfassung der Artengruppen Vögel, Reptilien, Fledermäuse, Heuschrecken, Amphibien und Libellen sowie Biotop-, Horst- und Höhlenbaumkartierungen.

In Vorbereitung zu den Rekultivierungsmaßnahmen wurden auf über acht Hektar Ausgleichsflächen angelegt. Westlich des Rekultivierungs-Areals entstanden neue Laichgewässer- und Landhabitate sowie Verbund- und Vernetzungskorridore, die auch einer Lebensraumvernetzung zum Naturschutzraum Hirtlohweiher dienen. So sind Ersatzlebensräume für wichtige und geschützte Amphibien (zum Beispiel Kreuzkröte, Knoblauchkröte), Eidechsen (speziell Zauneidechse), Fledermäuse und sonstige wertvolle Spezies, z. B. der Haselmaus, in den umliegenden Gehölzbereichen geschaffen und die Tiere umgesiedelt worden. Zusätzlich werden auch die westlich des Westfeldes liegenden reinen Nadelholzkulturen zu einem naturschutzfachlich gewünschten robusten Mischwald umgestaltet.

Durch die Rekultivierungsmaßnahmen wird sich die Fauna und Flora auf dem Westfeld-Gelände zu einem naturschutzfachlich hochwertigen Vegetations- und Lebensraum entwickeln, verbunden mit einer positiven Veränderung des Landschaftsbildes. Infolge der Biotopvernetzung und Integration des ehemaligen Braunkohleabbaugebietes in die Naturlandschaft der Region wird der ökologische Zustand des Geländes nachhaltig verbessert. Die Umgestaltung der Oberfläche sichert darüber hinaus die dauerhafte Verbesserung der Schutzgüter Grundwasser und Boden.


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