30.04.2019, 09:22 Uhr

Der Wald stirbt weiter Die IG BAU warnt – Trockenheit gefährdet Wald und Gesundheit der Beschäftigten

Großflächige Waldschäden durch Dürre, Käfer und Windwurf im Kleinprivatwald. (Foto: Schlegel/IG BAU)Großflächige Waldschäden durch Dürre, Käfer und Windwurf im Kleinprivatwald. (Foto: Schlegel/IG BAU)

Die Wälder erfahren deutschland-, europa- und weltweit eine radikale Veränderung der klimatischen Bedingungen. Schon jetzt ist sichtbar, mit welch rasanter Geschwindigkeit sich der Klimawandel auswirkt. Sturmschäden und Dürre führten 2018 zu einer extremen Borkenkäferplage. Waldbesitzer beklagten im letzten Jahr das flächenweise Vertrocknen von Neuanpflanzungen und viele weitere Schädigungen der Bäume durch neue Erreger.

LANDKREIS SCHWANDORF Die extrem hohen Temperaturen, die geringen Niederschläge und die damit einhergehende mangelnde Wasserversorgung haben die Vitalität der Wälder geschwächt. Das hohe Niederschlagsdefizit von 2018 konnte in vielen Regionen über den Winter hinweg nicht ausgeglichen werden. Die Trockenheit setzt sich aktuell fort. Das Borkenkäfer-Monitoring zeigt, dass extrem viele Käfer überwintert haben und jetzt die geschwächten Fichtenbestände angreifen.

Die Staatsregierung versuche, die katastrophale Situation in den Wäldern mit ihrer vor zwei Jahren gestarteten „Initiative Zukunftswald Bayern“ abzumildern. Die damals im Kabinett beschlossenen 200 neuen Stellen bis 2030 werden aber nicht ausreichen. Der Förster und Vorsitzende der IG BAU- Landesvertretung der bayerischen Beamtinnen und Beamten sowie Angestellten in Forst und Naturschutz, Andreas Schlegel, bemängelt die Personalstrategie der Staatsregierung, die immer noch auf Befristungen setzt. „Die Situation für den Wald ist schon jetzt prekär. Viele Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer sehen ihren Wald nicht mehr mit Freude an, sondern sie empfinden ihn als Bürde.“ Die Försterinnen, Förster und die Forstwirte, die die Waldbesitzer beraten und unterstützen, sind extrem belastet. In den letzten Jahren wurde permanent Personal abgebaut. Das rächt sich jetzt. Die Belastungen der Beschäftigten gehen an deren Substanz. „Mit weiteren befristeten und prekären Arbeitsplätzen ist weder dem Wald noch uns geholfen“, so Schlegel anlässlich der Maikundgebungen des DGB und der IG BAU.

Jetzt ist ein großflächiger Waldumbau notwendig. Die Folgen der Windwürfe, der Massenvermehrung von Borkenkäfern und der Ausfälle von Neuanpflanzungen müssen jetzt bewältigt, der Wald jetzt zukunftssicher gestalten werden. Das wird aber ohne die Menschen, die im und für den Wald arbeiten, nicht funktionieren. Wir brauchen auch künftig sauberes Wasser und saubere Luft. Der Wald muss weiterhin den Lebensraum für Pflanzen und Tiere bieten können und ein Rückzugsraum zur Erholung sein. Er muss weiterhin Holz produzierenund damit die von uns erzeugten Klimagase binden können. Die Beschäftigten im Wald sind mit ihrer Arbeit, ihren Fach- und Ortskenntnissen dafür die Garanten. Eine Waldstrategie, die gemäß der Ziele der 24. UN-Klimakonferenz in Kattowitz den Beitrag der Wälder und Waldprodukte zum Klimaschutz aufrechterhalten und bis 2050 verbessern soll, muss die Menschen, die sie umsetzten sollen, mit einplanen.

Die IG BAU fordert deshalb von der Staatsregierung: einen sofortigen Stopp der Sparmaßnahmen in der öffentlichen Forstverwaltung. Eine deutlich schnellere Schaffung neuer Planstellen in der Forstverwaltung. Der Zeithorizont bis 2030 ist viel zu lang, die Entwicklungen durch den Klimawandel sind über diesen Zeitraum nicht überschaubar! Das Personalkonzept der Staatsregierung, befristete Arbeitsverhältnisse für Daueraufgaben der Daseinsvorsorge zu schaffen, ist überholt und unsozial. Die Stellen müssen entfristet und sofort durch die Schaffung neuer Planstellen ersetzt werden. Die unbedingte und gleichberechtigte Einhaltung von Qualitätsstandards zur Sicherung aller Waldfunktionen und zur Gesunderhaltung der Beschäftigten in allen Waldbesitzarten. Eine Intensivierung der wissenschaftlichen Forschung und Begleitung zum Umbau der Wälder. Einen Ausbau der Umweltbildungsangebote; denn Wissen schützt. Den Mut der Politik, die Gesellschaft vorbehaltlos über den Zustand der Wälder zu informieren und nachhaltig wirkende Entscheidungen zu ihrem Schutz zu treffen!


0 Kommentare