15.03.2019, 17:21 Uhr

Tierisch Mit Baldrian auf der Suche nach Bayerns wilder Katze


In 23 Landkreisen Nordbayerns zwischen der Rhön und dem Oberpfälzer Wald suchen derzeit rund 180 ehrenamtliche Naturschützerinnen und Naturschützer des Bund Naturschutz (BN) mit Unterstützung durch Förster und Jäger nach Spuren der scheuen Wildkatze.

NORDBAYERN Acht Wochen lang versuchen sie in der Paarungszeit der Wildkatze, Wildkatzenhaare an mit Baldrian besprühten Lockstöcken zu finden und zu sichern. Die Ergebnisse werden von allen Beteiligten mit Spannung erwartet, denn vor fünf Jahren fand die erste derartige Wildkatzenerfassung-Aktion in Nordbayern statt.

Damals wurden Wildkatzen in vielen Regionen, wie dem Frankenwald, Steigerwald oder der Fränkischen Schweiz erstmalig nachgewiesen. Ob diese Tiere nur „auf der Durchreise“ waren oder mittlerweile in den Wäldern heimisch geworden sind, soll die diesjährige Untersuchung zeigen. Die gesammelten Haarproben werden zur genetischen Analyse an das Senckenberg-Institut gesendet. Der „genetische Fingerabdruck“ der gesammelten Haare erlaubt dort nicht nur die Unterscheidung von Wildkatzen und Hauskatzen, sondern sogar auch die einzelner Individuen.

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass allein dieses Jahr circa 4.000 Stunden ehrenamtlicher Forschungsarbeit geleistet werden. Neben erwachsenen Wildkatzenliebhabern sind auch Kinder- und Jugendgruppen des BN sowie einige Waldkindergärten aktiv. Prof. Dr. Kai Frobel, der Artenschutzreferent des BN: „Es handelt sich hierbei um die aktuell größte Mitmachaktion zur Erfassung einer seltenen Tierart in Bayern! Viele für den erfolgreichen Wildkatzenschutz notwendigen Erkenntnisse können wir nur durch dieses große ehrenamtliche Engagement erlangen.“

Die Europäische Wildkatze ist eine echte Ureinwohnerin – sie durchstreifte unsere Wälder schon lange, bevor die Römer die ersten Hauskatzen aus Afrika mitbrachten. In Bayern war die Wildkatze um 1940 durch falsch verstandene jagdliche Verfolgung ausgerottet. 1984 startete der BUND Naturschutz eine erfolgreiche Wiedereinbürgerungs-Aktion und setzte bis 2009 vor allem im Spessart Hunderte von Wildkatzen aus. Dort entwickelte sich das erste reproduzierende bayerische Wildkatzenvorkommen. Von den laubholzreichen Wäldern des Spessarts, der Rhön und den Haßbergen breitet sich die Art seit etwa zehn Jahren in Bayern über den Jurabogen in Richtung Südbayern aus. Derzeit wird die bayerische Population auf etwa 600 bis 700 Tiere geschätzt.

Um an die Haare für die Genproben zu gelangen, kommt die sogenannte Lockstockmethode zum Einsatz. Lockstöcke sind sägeraue Dachlattenstücke, die im Wald an geeigneten Stellen in den Boden geschlagen werden. Sie werden mit Baldrian besprüht, dessen Geruch Katzen so fasziniert, dass sie zu den Lockstöcken kommen und sich daran reiben. Die dabei hängenbleibenden Haare werden bei den wöchentlichen Kontrollen von den Ehrenamtlichen eingesammelt. Derzeit sind circa 750 Lockstöcke in nordbayerischen Wäldern aufgestellt. Es ist die einzige bewährte Methode, um der nachtaktiven und kaum jemals zu sehenden Wildkatze auf die Schliche zu kommen.

Die große Bereitschaft vieler Menschen, an diesem Citizen-Science Projekt mitzumachen und die damit gewonnenen Daten halfen schon vor fünf Jahren, den Wildkatzenschutz zu verbessern: Es wurden neue Erkenntnisse zu bevorzugten Waldlebensräumen gewonnen und nachgewiesen, dass sich Wildkatzen wieder bayernweit ausbreiten und allmählich ihre alten Lebensräume zurück erobern. Nachgewiesen ist aber auch, dass die Bestände in Bayern im Vergleich zu anderen Bundesländern nach wie vor so niedrig sind, dass sie weiter unterstützt werden müssen. Im nächsten Jahr soll die Untersuchung in Südbayern stattfinden.


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