18.09.2018, 11:35 Uhr

Wasserversorgung Bauarbeiten für dei Aktivkohle-Anlage in Burglengenfeld haben begonnen

Besprachen Details der Bauarbeiten für die Aktivkohle-Anlage im Raffa: Josef Hollweck, Leiter des Referats Technik der Stadtwerke, Werner Decker, Geschäftsführer der Michael Dankerl Bau GmbH, und Friedrich Gluth, Vorstand der Stadtwerke. Foto: Michael Hitzek (Foto: Michael Hitzek)Besprachen Details der Bauarbeiten für die Aktivkohle-Anlage im Raffa: Josef Hollweck, Leiter des Referats Technik der Stadtwerke, Werner Decker, Geschäftsführer der Michael Dankerl Bau GmbH, und Friedrich Gluth, Vorstand der Stadtwerke. Foto: Michael Hitzek (Foto: Michael Hitzek)

Im Raffa haben die Stadtwerke Burglengenfeld (SWB) mit den Arbeiten für den Bau einer Aktivkohle-Anlage begonnen. Die geschätzten Baukosten belaufen sich nach Angaben des Kommunalunternehmens auf rund 1,2 Millionen Euro.

BURGLENGENFELD Stadtwerke-Vorstand Friedrich Gluth betont, bei der Anlage handle sich um einen so genannten „Polizeifilter“, also eine reine Vorsichtsmaßnahme, die auf Anraten der Fachstellen zur Ausführung gelangt. „Nach wie vor gilt: Das Trinkwasser, das aus unseren drei Brunnen im Waldgebiet Raffa kommt, bedarf keiner Aufbereitung und kann direkt und ohne Zusätze an die Verbraucher abgegeben werden.“ Die Aktivkohle-Anlage werde nur im Bedarfsfall in Betrieb genommen, also wenn eine Beeinträchtigung der Wasserqualität vorliege. „Ein Fall, der hoffentlich nie eintreten wird“, sagte Gluth.

Der Bau des sogenannten Polizeifilters war vom Sachverständigenbüro Raum und Anders (früher Dr. Prösl) immer wieder empfohlen worden, um gegen Beeinträchtigungen gerüstet zu sein (siehe Hintergrund: Aktivkohleaufbereitung in Karstgebieten). Auch das Wasserwirtschaftsamt Weiden als Fachstelle für Wasserversorgung betrachtet die Baumaßnahme als sehr positiv, ebenso begrüßt das Gesundheitsamt am Landratsamt Schwandorf das Engagement der Stadtwerke (SWB) für eine nachhaltige Trinkwasserversorgung. Der Verwaltungsrat der Stadtwerke folgte mit der Entscheidung für den Bau einer Aktivkohle-Anlage den Empfehlungen der Fachleute.

Die Finanzierung der Baumaßnahme erfolgt über Beiträge: Auf den Verbesserungsbeitrag, den die SWB für die Maßnahme erheben, wird ein Vorauszahlungsbetrag festgesetzt, die Bescheide sollen den Grundstückseigentümern noch im Herbst zugestellt werden. Die Beträge sind dann innerhalb eines Monates zur Zahlung fällig. Beispielrechnung auf Basis der jetzt bekannten Fakten: Wer ein rund 800 Quadratmeter großes Grundstück mit einer Geschossfläche von 160 Quadratmetern besitzt, muss nach den überschlägigen Berechnungen mit einem einmaligen Beitrag von 250 bis 350 Euro rechnen.

Planung und Bauleitung des Baus der Aktivkohle-Anlage liegen in Händen des Ingenieur-Büros Gauff aus Nürnberg. Die Bauarbeiten erledigt die Firma Dankerl aus Willmering, mit der die SWB bereits mehrfach zusammengearbeitet und gute Erfahrungen gemacht haben; die Auftragssumme beläuft sich auf rund 550.000 Euro. Weitere rund 550.000 Euro sind zu berappen für die Maschinen-Technik, beauftragt hierfür wurde die Firma Stich aus Neutraubling. Für die Elektroarbeiten ist die Ausschreibung erst noch durchzuführen.

Wie Vorstand Gluth informierte, soll direkt neben dem sogenannten Mischbauwerk im Raffa noch heuer das Gebäude für die Aktivkohle-Anlage errichtet werden. Ziel ist es, ebenfalls noch in diesem Jahr die Druckkessel zu installieren, damit das Gebäude geschlossen, also das Dach aufgebracht werden kann. Die restlichen Arbeiten, insbesondere die Elektro-Technik, sollen dann im Jahr 2019 zur Ausführung kommen.

Werner Decker, Geschäftsführer der Michael Dankerl Bau GmbH, sagte, seine Firma habe als „Sondervorschlag“ die Verwendung von Fertigteilen vorgeschlagen. Dies verkürze die Bauzeit und sei auch kostengünstiger.

Wie Josef Hollweck, Leiter des Referats Technik der Stadtwerke, erläuterte, werden sich in der Aktivkohle-Anlage zwei Kessel befinden, die im Bedarfsfall die Reinigungsleistung erbringen. Beabsichtigt ist, die Anlage nur dann zu betreiben, wenn beim Wasser eine Beeinträchtigung vorliegt. Dadurch, dass die Anlage nur in Betrieb genommen wird, wenn ein entsprechender Bedarf besteht, werden erhebliche Unterhaltsaufwendungen

vermieden.

Da die Stadtwerke Burglengenfeld auch die Gemeinde Holzheim am Forst mit Wasser beliefern, hat Friedrich Gluth Bürgermeister Andreas Beer über den Beginn der Arbeiten in Kenntnis gesetzt. Arbeiten an der Wasserversorgung finden stets in enger, partnerschaftlicher Abstimmung mit Holzheim statt. Gluth machte deutlich, dass der aktuelle Bau der Aktivkohle-Anlage nur eine Maßnahme von mehreren ist, um den Verbrauchern auf Dauer sauberes Trinkwasser zur Verfügung stellen zu können. Als weitere Bausteine nannte er die Ausweisung eines Wasserschutzgebietes, ständige Begehungen des Trinkwasserschutzgebietes sowie insbesondere die Vereinbarung über trinkwasserschonende Bewirtschaftung der Flächen im Trinkwasserschutzgebiet mit den Landwirten.

Hintergrund: Aktivkohleaufbereitung in Karstgebieten

Wassergewinnungen in offenen Karstgebieten haben oft einen unzureichenden natürlichen Schutz. Der Karstgrundwasserleiter ist häufig nur durch geringmächtige Deckschichten geschützt oder hat gar keine schützende Auflage. Über Klüfte im Gestein oder Dolinen kann Niederschlags- und Oberflächenwasser schnell ins Grundwasser gelangen. Schadstoffe von der Oberfläche können so auf schnellem Weg ins Grundwasser eingetragen werden. Durch eine grundwasserschonende Bewirtschaftung/Flächennutzung in den Einzugsgebieten der Trinkwassergewinnungen kann die Gefahr des Schadstoffeintrags vermindert werden. Aufgrund der meist großen Einzugsgebiete mit unterschiedlichster Flächennutzung (Siedlungen, Landwirtschaft, etc.) kann dies jedoch nicht flächendeckend kontrolliert/beherrscht werden. Daher ist in offenen Karstgebieten ein zusätzlicher Schutz durch eine Aktivkohleaufbereitung zu empfehlen. Aktivkohleaufbereitungen werden in der Trinkwassergewinnung eingesetzt, um diverse unerwünschte organische Substanzen wie Pflanzenschutzmittel (Terbuthylazin, Atrazin, etc.) oder Kohlenwasserstoffe (Benzin, Diesel, etc.) aus dem Wasser zu entfernen. Die Aktivkohleaufbereitung bietet so eine Art Sicherheitsnetz, durch das eine relativ große Bandbreite von Schadstoffen vor der Abgabe an den Verbraucher aus dem Trinkwasser herausgefiltert werden kann.


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