24.07.2018, 08:56 Uhr

Gemeinsame Arbeit zeigt Erfolg „Oberpfälzer Teichwirtschaft gehört in die Liste des Immateriellen Kulturerbes des Freistaats Bayern“

Regierungspräsident Axel Bartelt, der Leitende Ministerialrat Lorenz Sanktjohanser und Landrat Wolfgang Lippert machten sich im Gespräch mit Teichwirten im Rahmen einer Besichtigung des Gebiets um Adler- und Wurzer-Teich ein Bild vom Kernbereich der Waldnaabaue. (Foto: Regierung/Kammermeier)Regierungspräsident Axel Bartelt, der Leitende Ministerialrat Lorenz Sanktjohanser und Landrat Wolfgang Lippert machten sich im Gespräch mit Teichwirten im Rahmen einer Besichtigung des Gebiets um Adler- und Wurzer-Teich ein Bild vom Kernbereich der Waldnaabaue. (Foto: Regierung/Kammermeier)

Zum fünften Mal fand auf Initiative von Regierungspräsident Axel Bartelt und Landrat Wolfgang Lippert ein Gespräch mit den Nordoberpfälzer Teichwirten in der Waldnaabaue statt. Probleme bereiten nach wie vor Fischverluste, insbesondere durch Kormoran und Fischotter.

TIRSCHENREUTH Der Einladung ins Landratsamt Tirschenreuth folgten der Leitende Ministerialrat Lorenz Sanktjohanser, stellvertretender Leiter der Abteilung Naturschutz und Landschaftspflege am Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, der Kormoranbeauftragte der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, Tobias Küblböck, der örtliche Fischotterbeauftragte, Alexander Horn, der Fachberater für Firscherei für den Bezirk Oberpfalz, Dr. Thomas Ring, zahlreiche Teichwirte, Vertreter des Bauernverbands und Jagdausübungsberechtigte. Auch Vertreter der Gruppe Landwirtschaft und Forsten sowie der Unteren und Höheren Naturschutzbehörden an Landratsamt und Regierung nahmen an der Besprechung teil.

Die Waldnaabaue zwischen Tirschenreuth und Falkenberg ist ein Mosaik aus Teichen, Wiesen, Moorflächen und Wäldern und stellt mit ihrer Vielfalt einen bedeutenden Lebensraum für viele seltene und zum Teil bedrohte Tier- und Pflanzenarten dar. Historisch belegt ist die Teichwirtschaft in diesem Raum bereits im 11. und frühen 12. Jahrhundert. Sie wird seither ununterbrochen fortgeführt und gehört so zu den ältesten Kulturlandschaften Deutschlands. Einbrüche in den Fischbeständen durch zuwandernde Fischräuber stellen die Teichwirte vor erhebliche Probleme und gefährden diese traditionelle Teichwirtschaft.

Der regelmäßige, direkte Austausch und die gemeinsame Arbeit an einer einvernehmlichen Lösung im Umgang mit der Kormoranproblematik zeige Erfolge, betonte der Regierungspräsident. Um dies weiterzuführen, wurde als eine staatliche Maßnahme seitens der Regierung der Oberpfalz erst im vergangenen April die Geltungsdauer der bestehenden Allgemeinverfügung zum Abschuss von Kormoranen und zur Verhinderung der Neugründung von Brutkolonien vom 25. Mai 2010, unter Anpassung an die Geltungsdauer der Artenschutzrechtlichen Ausnahmeverordnung (AAV) der Bayerischen Staatsregierung, unverändert bis zum 15. Juli 2027 verlängert.

Es wurde einvernehmlich festgestellt, dass die Unterstützung der Teichwirte durch einen Fischotterberater sowie durch den vom Landkreis eingestellten „Ranger“ als Gebietsbetreuer weitere bedeutende Schritte zur Entspannung der Lage darstellen. „Dennoch ist die Situation nach wie vor eine Herausforderung, der wir uns weiterhin stellen und gemeinsam nach Lösungen suchen“, so Regierungspräsident Bartelt, der sich anschließend im Rahmen einer Besichtigung des Gebiets um Adler- und Wurzer-Teich persönlich ein Bild vom Kernbereich der Waldnaabaue machte.

„Die traditionelle Teichwirtschaft ist ein unverzichtbares Stück Oberpfalz, insbesondere der Nordoberpfalz. Sie ist wesentlicher Bestandteil unserer kulturellen Identität und besitzt eine große wirtschaftliche Bedeutung. Sie prägt mit ihren vielen Seen seit Jahrhunderten das hier typische Landschaftsbild und die hier lebenden Menschen“, betonte der Regierungspräsident. „Wir werden uns auch weiterhin für den Erhalt der Fischzucht und Teichwirtschaft einsetzen, um auch den zukünftigen Generationen diese einmalige Landschaft zu erhalten.“ Der Regierungspräsident sprach sich in diesem Zusammenhang auch dafür aus, nach der Oberpfälzer Zoiglkultur nunmehr als nächstes die Oberpfälzer Teichwirtschaft in die Liste der Immateriellen Kulturgüter des Freistaats Bayern aufnehmen zu lassen. Eine entsprechende Initiative der Teichwirte begrüße er ausdrücklich und sicherte hierfür seine Unterstützung zu.


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