21.03.2018, 08:45 Uhr

Landwirtschaftsministerium Boden:ständig- Forum in der Oberpfalz– Experten und Praktiker zeigen, was geht

Freuen sich über eine gelungene Veranstaltung: Thomas Gollwitzer, Prof. Dr. Karl Auerswald, Elisabeth Sternemann, Robert Brandhuber und Norbert Bäuml. (Foto: Mia Goller)Freuen sich über eine gelungene Veranstaltung: Thomas Gollwitzer, Prof. Dr. Karl Auerswald, Elisabeth Sternemann, Robert Brandhuber und Norbert Bäuml. (Foto: Mia Goller)

Es kann jeden treffen. Starkniederschläge, Sturzfluten, Erosion – aber auch Trockenheit, Wasser-mangel und Dürre. Extreme Wetterereignisse nehmen auch in Bayern zu. Das Landwirtschaftsministerium mit dem Amt für ländliche Entwicklung setzt diesen Gefahren etwas entgegen: In der Initiative boden:ständig werden gemeinsam mit Praktikern Lösungen gefunden, damit der Humus auf den Feldern bleibt und die Böden optimal sauberes Wasser speichern können. Beim boden:ständig-Forum im Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath-Perschen wurde jetzt deutlich, wie innovativ die Maßnahmen sind.

FALKENBERG Landwirte, Planer und Amtsvertreter aus der Region kamen zusammen, um konkrete Lösungswege in der Bewirtschaftung der Felder und der Gestaltung der Flur zu besprechen. Beispiele aus verschiedenen Regionen Bayerns wurden präsentiert und zeigten, was alles möglich ist. Das können Rückhaltebecken sein, eine Veränderung der Bodenbearbeitung oder andere zielgerichtete Werkzeuge. In der Oberpfalz werden derzeit acht Maßnahmen umgesetzt, wie Thomas Gollwitzer, Leiter des Amtes für Ländliche Entwicklung Oberpfalz, berichtete. „Nach vier Jahren praktischer Erfahrung können wir sagen: Es funktioniert! Boden:ständig ist serienfähig!“

Neben den Netzwerkpartnern waren auch zwei Experten für Bodenerosion eingeladen worden: Prof. Dr. Karl Auerswald, von der technischen Universität München–Weihenstephan, Lehrstuhl für Grünlandlehre und Robert Brandhuber, von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Ökologischen Landbau, Bodenkultur und Ressourcenschutz. Unter der professionellen Moderation von Norbert Bäuml vom Amt für ländliche Entwicklung erklärten die beiden Fachmänner, welche Konsequenzen die Landwirtschaft aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen ziehen sollte. Dr. Auerswald stellte fest: „Nicht der Mais oder das Klima sind schuld, wenn Boden weggeschwemmt wird. Wir Menschen sind schuld. Denn wir können klug handeln.“

Experten gehen nach Angabe der Referenten davon aus, dass bis zum Jahr 2050 doppelt so viel Bodenerosion erfolgen wird wie heute. Es müsse also reagiert werden. So gelte die alte Regel: Das Wasser sucht sich immer den tiefsten Punkt. „Wenn unsere landwirtschaftlichen Flächen also immer größer werden, dann müssen wir uns anschauen, wo auf diesen Flächen das Wasser hinläuft und entsprechende Maßnahmen einleiten. Nicht überall kann man Mais anbauen.“ In vielen Fällen ist in der Senke eine Rückhaltemöglichkeit zu schaffen, die enorme Verbesserungen für den Landwirt bringt. Begrünte, breite Mulden können am meisten Wasser zurückhalten. Hier sollten auch die Gemeinden umdenken. War es früher das Ziel jeder Ortschaft, das Wasser so schnell wie möglich durchzuleiten, muss jetzt daran gearbeitet werden, Wassermassen zu verlangsamen. „Sobald das Wasser im Graben ist, gehen die Sorgen los. Und zwar für die nächste Gemeinde.“ Solidarität ist also zwischen den Kommunen gefragt. Und fachgerechtes Arbeiten der Landwirte, die natürlich selbst großen Nutzen daraus ziehen, wenn sie ihren wertvollen Humus nicht verlieren. Laut Dr. Auerswald ist die Mulchsaat ein „Riesenhebel“. Aber auch andere Möglichkeiten wie Rückhaltebecken, kluge Fruchtfolgen, Abflussmulden und vieles mehr sind für die Bauern interessant.

Um die optimale Lösungen gemeinsam zu finden, gibt es boden:ständig. Amtschef Thomas Gollwitzer: „Wir haben die besten Ergebnisse, wenn Betroffene und Experten zusammenarbeiten. Der Bauernverband ist ein Kämpfer auf unserer Seite, gemeinsam mit der Landwirtschaftsverwaltung und anderen Institutionen sind wir stark und können das passende Team zusammenstellen. Bei boden:ständig geht es um die Menschen. Je besser die Partner zusammenpassen, umso größer sind unsere Erfolge.“ Er appellierte an die vielen Zuhörer: „Probieren auch Sie Neues aus! Setzen Sie Instrumente kreativ ein! Wir machen maßgeschneiderte Lösungen, bei uns gibt es nichts von der Stange!“

Wie gut das funktionieren kann, arbeitete Elisabeth Sternemann vom ALE Oberpfalz im zweiten Teil der Veranstaltung heraus. Präsentiert wurden dabei die Projektbeispiele im Tal der Großen Laber, Landkreis Regensburg, am Abtsdorfer See im Landkreis Berchtesgadener Land und am Sulzfeld, Landkreis Rhön Grabfeld. Die Akteure kamen zu Wort und schilderten ihre Erfahrungen. Alle waren sich einig, dass mit der Initiative viele Probleme, die es schon lange gab, endlich angegangen werden konnten. Sie schilderten viele kleine Erfolgsgeschichten. Nach den spannenden Vorträgen gab es bei einem Marktplatz die Möglichkeit zu persönlichen Austausch, der gerne intensiv genutzt wurde. Eine rundherum gelungene Veranstaltung. Informationen zu boden:ständig gibt es auf der Internetseite www.boden-staendig.eu.


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