24.11.2020, 11:30 Uhr

Tierisch Viele Silberreiher im Freistaat gesichtet – Nachwuchs sehnsüchtig erwartet

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Früher ein äußerst seltener Gast, ist der große weiße Reiher nun auf vielen Wiesen und Äckern zu sehen .

Bayern. In den letzten Wochen häufen sich beim LBV die Meldungen von Silberreihern. Der große weiße Vogel fällt nämlich auch vielen Menschen auf, die sich selbst nicht zu den Vogelexpertinnen und -expertenzählen. Oft stehen die stattlichen Reiher gut erkennbar in größeren Gruppen auf Wiesen und Äckern und suchen dort nach Nahrung. „Vor allem in den Wintermonaten sind die Vögel oft in großer Zahl zu beobachten – dabei manchmal in Gruppen von über 200 Tieren. Bruten des Silberreihers in Bayern sind allerdings noch keine bekannt“, sagt LBV- Vogelexperte Simon Niederbacher. Vor allem im Norden Deutschlands gibt es mittlerweile etwa ein Dutzend Brutpaare. Weshalb der Silberreiher nur an wenigen einzelnen Standorten in Deutschland brütet, ist noch nicht geklärt.

Vor 30 Jahren noch eine absolute Sensation in Deutschland und auch vor der Jahrtausendwende nur ein seltener Gast, stieg die Zahl der in Bayern beobachteten Silberreiher in den letzten Jahren rapide an. „Im vergangenen Winter waren es an Spitzentagen zwischen 1.000 und 1.500 Individuen, die auf bayerischen Feldern, Äckern und in Feuchtgebieten beobachtet wurden“, so Simon Niederbacher. Mit einer Größe von 90 Zentimeter und einer Spannweite von 1,90 Meter ist der Silberreiher ungefähr so groß wie der Graureiher.

Noch sind sich Ornithologinnen und Ornithologen nicht ganz sicher, warum sich der Silberreiher seit Jahren immer weiter nach Mittel- und Westeuropa ausbreitet, obwohl seine Brutgebiete hauptsächlich im Südosten sowie Osten Europas und bis nach Russland zu finden sind. „Der Silberreiher hat in den letzten Jahrzehnten – ähnlich wie der Weißstorch – zunehmend Mäuse, Insekten und Würmer in seinen Speiseplan aufgenommen. Da diese reichlicher vorhanden sind als Amphibien und Fische, findet er auch mehr Nahrung“, erklärt der LBV-Experte. Steigende Brutpaarzahlen im Osten führen zu mehr überwinternden Silberreihern in Deutschland, wobei auch immer mehr Tiere den Sommer über bei uns verbringen. Warum der Silberreiher aber hierzulande bislang nur sehr vereinzelt brütet, darüber kann nur spekuliert werden. „Die erste Brut in Deutschland gab es 2012 in Schleswig-Holstein – mittlerweile sind es bundesweit etwa ein Dutzend. Bayern kam bisher noch nicht in den Genuss einer Silberreiher-Brut. Wir können jedoch hoffen und die Aussichten sind gut, dass es bald Bruten geben könnte“, berichtet Niederbacher.

Bei der „Stunde der Wintervögel“ des LBV 2019 zählten Vogelfreundinnen und -freunde 203 Silberreiher in Bayern, 2020 wurden sogar 434 dieser Vögel dem LBV gemeldet. Auch hier ist ein häufiges Auftreten des Silberreihers im Winter deutlich zu erkennen. Die Ergebnisse der „Stunde der Wintervögel“ im kommenden Jahr, die vom 8. bis 10. Januar 2021 stattfindet, werden mit Spannung erwartet.


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