28.09.2020, 12:14 Uhr

Neue Veranstaltungsreihe Gespräch suchen, Lösungen finden – Bezirk Oberpfalz bringt Fischer und Behörden zusammen

Donaufischer Stefan Schmalzl (links) erläutert Bezirkstagspräsident Franz Löffler (rechts) und Hans Holler (Mitte) seinen Arbeitsplatz. Foto: Hirmer (Bezirk OberpfalzDonaufischer Stefan Schmalzl (links) erläutert Bezirkstagspräsident Franz Löffler (rechts) und Hans Holler (Mitte) seinen Arbeitsplatz. Foto: Hirmer (Bezirk Oberpfalz

„Fisch schafft Landschaft – Landschaft schafft Fisch“ – unter diesem Motto starteten jüngst der Bezirk Oberpfalz und der Fischereiverband Oberpfalz eine neue Veranstaltungsreihe, die die Herausforderungen der Fischerei und Teichwirtschaft im Einklang mit Mensch und Natur im Blick hat. „Wir wollen auch die unangenehmen Fragen anpacken und die Akteure an einen Tisch und ins Gespräch bringen“, verdeutlichte Bezirkstagspräsident Franz Löffler zum Auftakt in Pfatter (Kreis Regensburg) die Intention der neuen Reihe.

Pfatter/Regensburg. Die Fachleute waren zu Gast bei Flussfischer Stefan Schmalzl in Pfatter, dessen Familie in sechster Generation als Donaufischer arbeitet. Heute ist Schmalzl einer der letzten, ohnehin nur noch wenigen Fischer, die diesen Berufszweig ausüben. Hatte der Fang früher zwei Familien ernährt, ist die Donaufischerei heute nur noch ein Zubrot. „Das Altwasser der Donau liegt auf der ‚Palliativstation‘, es ist im Sommer absolut tot. Es gibt keine Fische mehr, weil ihnen durch den massiven Pflanzenbewuchs der Sauerstoff ausgeht“, urteilte Schmalzl direkt an seinem Arbeitsplatz, der Pfatterer Au. Unter der Wasseroberfläche höre der Naturschutz meist auf, so der Fischer. Seit die Pfatterer Au ein Naturschutzgebiet sei, verschlechtere sich der Lebensraum für die Fische zunehmend. Schmalzl zeigte sich deprimiert über diese Entwicklung: „Ich weiß noch, wie es früher, vor dem Bau der Staustufen, war. Heute liegen nur tote Fische in der Reuse.“

Neben der Verlandung des Altwassers verwies Hans Holler, Präsident des Fischereiverbands Oberpfalz, auf die weiteren Probleme am Donauufer wie Nährstoffeinleitungen, Überdüngung sowie Kormoran und Fischotter sowie die Hinterlassenschaften der zahlreichen Wildgänse. „Es gilt, das alte Kulturgut Fischerei zu erhalten, nicht zu behindern“, so Holler.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion in Schmalzls „Fischstodl“ erläuterten Behördenvertreter ihre Arbeit, die sich an den geltenden Rechtsgrundlagen orientiere. Paul Marcus Schäfer vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt monierte, dass man oft nicht wisse, wer für was zuständig sei. Bund und Land seien sich bei Ausbau und Unterhalt der Gewässer uneins. „Wir sind weit weg vom Optimalzustand, aber wir versuchen soviel wie möglich zu machen“, versprach Schäfer. Für Wolfgang Nerb von der Höheren Naturschutzbehörde bei der Regierung der Oberpfalz höre der Naturschutz keineswegs an der Wasseroberfläche auf. Es sei wichtig, „im Dialog zu bleiben, so werden auch Lösungen gefunden“. Auch für die Wasserwirtschaft spielten der Fisch und sein Lebensraum eine große Rolle, verdeutlichte Josef Feuchtgruber. Man wolle die Wasserrahmenrichtlinie, die einen guten Zustand der Gewässer bis 2027 fordere, gerne umsetzen, hinke dem Zeitplan aber hinterher. Grund auch hier: Zuständigkeitsfragen und die Finanzlage.

Bezirkstagspräsident Löffler rief Donaufischer Schmalzl auf, seine Wünsche an die Behörden zu formulieren, was dieser gerne tat. Für ihn sei es wichtig, das Altwasser der Donau regelmäßig zu entschlammen, also auszubaggern und mit frischem Donauwasser zu versorgen sowie die so genannten „Seigen“ (Senken) zu öffnen, um Fischen, die bei Hochwasser dort landen, eine Rückkehr in den Fluss zu ermöglichen. Zudem seien endlich die Zuständigkeiten zu klären, so Schmalzl. Löffler versprach, sich um die Anliegen zu kümmern.


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