19.08.2020, 14:20 Uhr

Artenvielfalt Bund Naturschutz besucht Biodiversitätsgemeinde Brennberg

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Seit fast zwei Jahren nimmt die Gemeinde Brennberg im Landkreis Regensburg an dem Projekt „Marktplatz der biologischen Vielfalt – Bayerische Kommunen setzen auf Biodiversität“ teil. Dadurch wurde mit Beschluss des Gemeinderats ein Prozess eingeleitet, in dem Bürgerinnen und Bürger in verschiedenen Workshops Ziele, Maßnahmen und konkrete Projekte entwickeln, um das Thema „Erhalt und Förderung der Artenvielfalt“ aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten und umzusetzen.

Brennberg. Bei einem Flurrundgang unter der Leitung von Brennbergs Bürgermeisterin Irmgard Sauerer und dem zweiten Bürgermeister Franz Löffl wurden die guten Voraussetzungen Brennbergs für dieses Vorhaben sowie bereits erste Ergebnisse vorgestellt, aber auch die Gefährdung durch den Süd-Ost-Link thematisiert.

„Der Bund Naturschutz (BN) freut sich sehr, dass sich in Brennberg Naturschützer, Landwirte, Waldbesitzer, Jäger, Verbraucher, Gartenbesitzer und andere zusammengetan haben, um ihre Gemeinde auf dem Gebiet der Artenvielfalt für die Zukunft fit zu machen“, so BN-Vorsitzender Richard Mergner. „Damit wird auch deutlich, dass es sich hierbei um eine Gemeinschaftsaufgabe handelt, bei der es auf die gute Zusammenarbeit möglichst vieler Bevölkerungsgruppen ankommt. Eine solche Leistung darf nicht durch die Planung des HGÜ Süd-Ost-Link zunichtegemacht werden, der ohne konsequent Klimaschutz zu berücksichtigen und ohne den Weg einer dezentralen Energiewende gehen zu wollen, schwere Verwüstungen in dieser Landschaft anrichten würde.“

„Ob es ein hoher Grünlandanteil an den landwirtschaftlichen Flächen ist oder die kleingliedrige, gut strukturierte Landschaft und mehrere Bio-Landwirtschaftsbetriebe: In unserer Kommune bestehen günstige Voraussetzungen für den Erhalt der Artenvielfalt, die wir nun weiterentwickeln wollen“, beschreibt Irmgard Sauerer, erste Bürgermeisterin der Gemeinde Brennberg. „Gleichzeitig gibt es auch in Brennberg noch Defizite, wie zum Beispiel ungünstige Waldstruktur, Nährstoffeintrag in Gewässer und einen fehlenden Regionalmarkt, die wir im Laufe des Projekts angehen wollen.“

„Besonders unser Himmeltal ist eine Landschaft, die Geschichten erzählt und Geschichte erlebbar macht. Die für Klöster früher so wichtige Teichwirtschaft prägt das Tal, das in seiner Vielfalt eine besondere Landschaft darstellt. Auf engstem Raum gibt es eine Vielzahl an Lebensräumen. Trockenstandorte bis hin zum anstehenden Fels, die sich teilweise mit feuchten und nassen Standorten abwechseln. Quellen, Quellbäche, Moore, Tümpel, Weiher, Feucht- und Nasswiesen, Trockenrasen, Halbtrockenrasen, extensiv bewirtschaftete Wiesen und Weiden sowie gemischte Wälder mit seltenen Baumarten wie Bergulme, Wildbirne, Wildapfel und Uraltbäumen, naturnahe Waldränder, Hecken, Feldgehölze zeichnen gerade den ,Hotspot‘ der Artenvielfalt Himmeltal aus, der allerdings durch den geplanten Süd-Ost-Link stark bedroht ist“, erläutert Franz Löffl, zweiter Bürgermeister der Gemeinde Brennberg. „Besonders kritisch ist, dass auch der notwendige Ausbau der eigenen Trinkwasserversorgung der Kommune wegen einer deswegen verhängten Veränderungssperre gefährdet ist.“

„Als örtliche Bund-Naturschutz-Kreisgruppe begrüßen wir es sehr, wie sich die Gemeinde Brennberg auf dem Feld der Artenvielfalt engagiert“, so Hans Lengdobler, stellvertretender Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Regensburg. „Dies ist ein ermutigendes Beispiel für einen zukunftsfähigen Entwicklungsprozess, den wir auch anderen Kommunen im Landkreis, angepasst an ihre vorhandenen Gegebenheiten, nahelegen werden.“ Bereits seit der Aufnahme der Gemeinde in das Projekt „Marktplatz der biologischen Vielfalt“ wurden während der gemeinschaftlichen Entwicklung eines Konzepts die kommunalen Bemühungen um die insektenfreundliche Pflege gemeindlicher Flächen, um die gute Zusammenarbeit mit den ansässigen Landwirten, um die Umweltbildung und den sanften Tourismus weiter verstärkt.

Bereits im Jahr 2008 hat der Freistaat Bayern die bayerische Biodiversitätsstrategie beschlossen. Wichtige Akteure zur Umsetzung der dort formulierten Ziele sind Bayerns Kommunen. Mit dem Projekt „Marktplatz der biologischen Vielfalt“ werden zehn Gemeinden bis Ende 2021 eine Biodiversitätsstrategie entwickeln und beginnen, sie zur Umsetzung zu bringen. Im Netzwerk tauschen sie Erfahrungen und Konzepte aus, um die Artenvielfalt wirkungsvoll zu schützen. Vorbild für diese Initiative ist die Biodiversitätsgemeinde Tännesberg im Oberpfälzer Landkreis Neustadt an der Waldnaab. Seit über 30 Jahren werden hier naturschutzfachliche Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität durchgeführt. Der Erfolg ist sichtbar und das grundlegende Konzept übertragbar.

Denn das Artensterben zu stoppen, die Lebensraumverluste einzudämmen und der genetischen Verarmung von Lebensgemeinschaften vorzubeugen sind dringende gesamtgesellschaftliche Herausforderungen. Sie erfolgreich zu meistern, kann nur gemeinsam gelingen. Vor diesem Hintergrund hat sich eine in Bayern einzigartige Kooperation gebildet. Die Trägergemeinschaft des Projekts setzt sich zusammen aus Markt Tännesberg, Bund Naturschutz in Bayern e.V., Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. und Wildland Stiftung Bayern. Gefördert wird das Projekt über den Bayerischen Naturschutzfonds aus Zweckerträgen der Glücks-Spirale. Zudem wird es durch das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz sowie vom Bayerischen Gemeindetag unterstützt.


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