30.07.2020, 09:56 Uhr

Umwelt Der Bund Naturschutz befürwortet die Pläne zur Errichtung einer Photovoltaikanlage in Sinzing

 Foto: Ivan Kmit/123rf.com Foto: Ivan Kmit/123rf.com

Die Kreisgruppe und die Ortsgruppe Sinzing des Bund Naturschutz Regensburg befürworten die Pläne zur Errichtung einer Photovoltaikanlage in Sinzing. Nach Abwägung aller bekannten Belange sehen wir in dem Vorhaben eine Chance, dass auf bisher intensiv genutztem Ackerland ein wichtiger Schritt für eine dezentrale Energiewende in Sinzing gegangen werden und im gleichen Atemzug ein hochwertiger Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten entstehen kann.

Sinzing. Der Bund Naturschutz setzt sich mit Nachdruck für eine naturverträgliche Energiewende ein. Der naturverträgliche Ausbau erneuerbarer Energien von Photovoltaikanlagen und Windkraftanlagen ist hier neben Energieeinsparungen und verbesserte Effizienz ein zentraler Baustein. Es ist für unser aller Wohlergehen wichtig, die mit dem Pariser Abkommen völkerrechtlich bindenden CO2-Minderungsziele schnellstmöglich zu erreichen damit die Erwärmung unseres Klimas auf ein vertretbares Maß begrenzt werden kann.

Bei Photovoltaikanlagen bevorzugt der Bund Naturschutz vorrangig die Installation von Anlagen auf Dachflächen, „jedoch werden wir in Bayern, selbst wenn alle geeigneten Gebäude bebaut werden, bei weitem unseren verbleibenden Energiebedarf nicht decken können. Dies muss insbesondere vor dem Hintergrund betrachtet werden, dass der Energiebedarf zukünftig, wohl trotz Bemühungen um Energieeinsparungen, massiv steigen wird zu. Schließlich müssen auch die Sektoren Mobilität und Wärmeversorgung mit einem Anteil von Zweidrittel am Gesamtenergieverbrauch zukünftig aus erneuerbar erzeugtem Strom gedeckt werden“. Die Gemeinde Sinzing habe mit 48 Prozent Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch zwar schon viel erreicht. „Mit dem Pariser Abkommen streben wir aber nahezu 100 Prozent erneuerbarer Energien am Gesamtenergieverbrauch an.“

Freiflächen-PV-Anlagen, wie in Sinzing geplant, sind technische Anlagen und daher mit Eingriffen verbunden. Diese Eingriffe sollten so gering wie möglich gehalten werden. Nach Abwägung aller bekannten Belange sind die BN-Ortsgruppe Sinzing als auch die Kreisgruppe Regensburg zu dem Schluss gekommen, „dass die betroffene Fläche in Sinzing für die Entwicklung einer PV-Freiflächenanlage in Frage kommt und keine ausschließenden umwelt- und naturschutzfachlichen Kriterien dagegen sprechen“.

So grenze die Fläche an die Bahnlinie Regensburg-Ulm an und liege damit in der Gebietskulisse für die Förderung von PV-Freiflächenanlagen nach EEG. Bei der Fläche handele es sich um eine als Acker intensiv genutzte landwirtschaftliche Fläche. Sie zählt zu den sogenannten „landwirtschaftlich benachteiligten Gebieten“ auf denen ungünstige Standort- oder Produktionsbedingungen für die landwirtschaftliche Nutzung vorherrschen. Die aufgeständerte Teil-Überbauung mit einer PV-Anlage bedeute für den Boden in Summe eine Extensivierung und eine Phase der Ruhe für den Zeitraum der Nutzung als PV-FFA-Standort. Mit geeigneten Maßnahmen zur Eingrünung und Schaffung von Lebensräumen auf der Fläche sei dies durchaus einen Gewinn für die Natur, zumal chemische Düngung, Unkrautbekämpfung und Pflanzenschutz nicht vorgesehen sind. „Die geplanten Biotopbausteine wie eine Blühwiese -angelegt mit heimischen Arten-, eine Trockensteinmauer, Totholzelemente und Gehölzpflanzungen bieten ein hohes Lebensraumpotential für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Es ist zu erwarten, dass gerade Arten, die in der intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flur heute selten geworden sind von diesen neu geschaffenen Lebensraumstrukturen profitieren werden. Eine weitere Optimierung der Anlage durch eine Anhebung der Einzäunung, um die Durchwanderbarkeit durch Kleinsäuger zu gewährleisten, ist unseres Erachtens wünschenswert.“

Die potentiell negativen Auswirkungen durch eine Freiflächen-PV auf das Landschaftsbild werde nach ersten Abschätzung durch die geplante Eingrünung aus heimischen Sträuchern, Streuobstbäumen und einer Hainbuchenhecke nach einer gewissen Entwicklungszeit weitgehend kompensiert. „Schön wäre es, wenn sich alle Betreiber solcher Anlagen um eine solch landschaftsästhetisch hochwertige Einbettung und die naturverträgliche Ausgestaltung, bemühen würden.“

„Nach unserem Kenntnisstand gehen von dem Betrieb einer PV-FFA keine Emissionen aus. Zudem vermeidet die Nutzung für die Energiegewinnung die üblichen Emissionen, die bei intensiver Bewirtschaftung entstehen. Die geplante Einbindung des ortsansässigen Imkervereins und der Schulen begrüßen wir sehr. So werden auch die Umweltbildungspotentiale einer hinsichtlich ihrer Naturverträglichkeit vorbildlichen Anlage genutzt.

Behörden wie das Bundesamt für Naturschutz weisen in ihren Veröffentlichungen ebenfalls klar auf die positiven Auswirkungen von naturverträglich gestalteten Freiflächen-PV-Anlagen auf bisher intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen hin. “

Die Kreisgruppe Regensburg und die Ortsgruppe Sinzing des Bund Naturschutzes werden den weiteren Verlauf von Planungs- und Genehmigungsverfahren weiterhin aufmerksam und sachkundig begleiten und zu gegebenem Zeitpunkt im Rahmen der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange Stellung nehmen.


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