07.05.2020, 08:58 Uhr

„Stunde der Gartenvögel“ Auswirkungen des Blaumeisensterbens erkennbar?

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Am kommenden Muttertags-Wochenende, 8. bis 10. Mai, können alle Bayern endlich ihr verbessertes Vogelwissen aus den letzten acht Wochen anwenden. Seit den Ausgangsbeschränkungen haben viele Menschen mehr Zeit im heimischen Garten verbracht und dabei Vögel beobachtet, denen sie bisher eher weniger Beachtung schenken konnten.

Hilpoltstein. Das bestätigen auch die Webseitenzugriffe des LBV, die seit Mitte März im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um durchschnittlich 50 Prozent gestiegen sind. „Dabei werden seitdem vor allem unsere Vogelartenportraits und Vogelbestimmungsseiten verstärkt besucht. Viele Menschen in Bayern interessiert in der Corona-Krise, wer genau in ihrem Garten herumfliegt“, so der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer. Bei der am Freitag, 8. Mai, beginnenden „Stunde der Gartenvögel“ kann nun jeder zum Bürgerforscher werden und durch seine Beobachtungen den bayerischen Naturschützern wichtige Daten über die heimische Vogelwelt liefern. Bereits zum 16. Mal rufen der LBV und sein bundesweiter Partner NABU dazu auf, eine Stunde lang die Vögel im Garten, am Fenster oder auf dem Balkon zu zählen. Mitmachen kann jeder von Freitag bis Sonntag, 8. bis 10. Mai, im Internet unter www.stunde-der-gartenvoegel.lbv.de.

Wer durch das Zuhausebleiben in der Corona-Krise etwas über die Vogelwelt vor seiner Haustüre gelernt hat, kann seine Beobachtungen nun endlich an den LBV loswerden und bei der „Stunde der Gartenvögel“ einen wichtigen Beitrag zur Wissenschaft leisten. Die bayerischen Artenschützer interessiert dieses Jahr vor allem, wie stark die bayerischen Bestände der Blaumeise unter einer in Deutschland vor kurzem neu entdeckten Vogelkrankheit leiden und wie stark die Meisenart im Freistaat betroffen ist. „Leider erliegen in diesem Frühjahr viele der kleinen Vögel mit dem blau-gelben Federkleid dem für Meisen meist tödlichen Erreger Suttonella ornithocola. Der beliebte Gartenvogel steht heuer deshalb auch besonders im Blickpunkt der Zählung“, sagt Dr. Norbert Schäffer.

Bisher kann nur spekuliert werden, wie sich der neue Erreger langfristig auf den Bestand auswirkt. „Im besten Fall können die überlebenden Meisen in diesem Jahr besonders erfolgreich brüten, da sie weniger Konkurrenz haben als normalerweise“, sagt der LBV-Vorsitzende. „Im schlechtesten Fall könnte mit der Krankheit ein andauernder Abwärtstrend des Blaumeisen-Bestands beginnen. So beobachten wir es beim Grünfink, dessen Zahl seit 2013 unter anderem aufgrund des Trichomonaden-Erregers abnimmt.“

Besonders spannend wird für die Artenschützer der Vergleich der Blaumeisen-Daten aus der „Stunde der Gartenvögel“ mit vom neuen Erreger besonders betroffenen Gebieten. Bei der Meldeaktion zum Blaumeisensterben wurden LBV und NABU bereits über 1.500 Verdachtsfälle von toten oder kranken Blaumeisen in Bayern gemeldet. Viele Menschen haben in den letzten Wochen mit Ausgangsbeschränkungen den Wert der Natur in ihrer unmittelbaren Nähe wieder neu schätzen gelernt. Gartenvögel wie Blau- oder Kohlmeise haben dabei in diesem Frühling sicherlich deutlich mehr Aufmerksamkeit erfahren als in anderen Jahren. „Wir freuen uns, wenn sich das gestiegene Interesse an der Natur vor der Haustüre in einer besonders regen Beteiligung an der Vogelzählung niederschlägt“, so Schäffer. Der LBV-Artenschützer rät: „Wer mehr Natur in seinem Umfeld erleben und Gartenvögeln helfen möchte, sollte seinen Hof oder Garten zum Mini-Naturschutzgebiet aufrüsten.“ Tipps für einen vogelfreundlichen Garten hat der LBV im Internet unter www.lbv.de zusammengestellt.

Im vergangenen Jahr haben im Freistaat knapp 12.000 Vogelfreunde bei der „Stunde der Gartenvögel“ mitgezählt und Beobachtungszahlen von insgesamt mehr als 265.000 Vögeln aus über 8.000 Gärten gemeldet. Gemeinsam mit der Schwesteraktion, der „Stunde der Wintervögel“, handelt es sich damit um Deutschlands größte bürgerwissenschaftliche Mitmach-Aktion. Und so funktioniert es: Von einem ruhigen Plätzchen im Garten, auf dem Balkon oder vom Zimmerfenster aus wird von jeder Vogelart die höchste Anzahl notiert, die im Laufe einer Stunde gleichzeitig beobachtet werden konnte. Die Beobachtungen können am besten im Internet unter www.stunde-der-gartenvoegel.lbv.de gemeldet werden.


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