29.06.2018, 12:42 Uhr

Wirksamer Strukturwandel Idee der Ökoroutine – aus dem Herzen ins Gewissen

(Foto: Energieagentur Regensburg)(Foto: Energieagentur Regensburg)

Im Rahmen der Umsetzung des Energienutzungsplans veranstaltet die Energieagentur Regensburg im Auftrag der Stadt eine Informationsveranstaltung mit Michael Kopatz. Mit seiner Idee der Ökoroutine spricht Michael Kopatz dem Publikum im Regensburger Marinaforum aus dem Herzen. Seine Botschaft, nicht moralische Appelle, sondern ein wirksamer Strukturwandel führe zu mehr Klimaschutz und Ökologie, präsentiert er gekonnt und überzeugend.

REGENSBURG Kopatz überzeugt von der ersten Sekunde an. Nicht nur mit dem, was er sagt, durch die Bilder, die er zeigt, die Fakten und Zahlen, die er nennt, oder die wirksamen Beispiele, die er anführt, sondern vor allem aufgrund seiner Authentizität. Schon seine Wahl des Verkehrsmittels spricht Bände. Ganz entspannt kommt Kopatz mit dem Klapprad zur Veranstaltung und erzählt von seiner angenehmen Zugfahrt von Hannover nach Regensburg. Er lebt seine Ökoroutine. Seine Idee ist genauso einfach wie einleuchtend. Wer Klimaschutz oder Ökologie voranbringen will, sollte versuchen, die Rahmenbedingungen langfristig umzugestalten, anstatt durch Moralappelle Verhaltensänderungen herbeizuführen zu wollen. Nur so ließe sich nach Kopatz das altbekannte Dilemma auflösen, dass die meisten zwar Klimaschutz wollen, individuell aber nur Wenige den Anfang machen.

Seine Idee ist keineswegs neu. Anhand zahlreicher Beispiele aus der Vergangenheit lässt sich ihre Wirksamkeit belegen. Denken Sie nur an die Anschnallpflicht oder das Rauchverbot. Fahren ohne Gurt oder Rauchen in öffentlichen Räumen ist nicht mehr vorstellbar. Hier wurde regulierend eingegriffen und auf Basis von politischem Engagement, vorausblickendem Mut und beherztem Handeln auf breiter Ebene eine Verhaltensänderung herbeigeführt. Auf ähnliche Weise könnte man auch bei Ökologie- und Klimaschutzmaßnahmen verfahren. Beispielsweise beim Ökolandbau. Stellen Sie sich vor, es wäre EU-weit geregelt, innerhalb der nächsten Jahre die Standards so weit zu verbessern, dass Öko am Ende Routine ist. Der Konsument muss an der Ladentheke also nicht mehr entscheiden, ob er Bio kauft, weil es nur noch Bio gibt. Gibt man Landwirten und Kunden genügend Zeit, sieht Kopatz bei der Umsetzung einer derartigen Regelung wenige Probleme. Jeder würde davon profitieren – Mensch, Tier, Natur.

Limits setzen. Ein weiterer Hebel, um die Verhältnisse zu ändern, ist nach Kopatz das Setzen von Limits. Anders gesagt: die Begrenzung der Expansion. Die Deutschen fliegen viel – manche mögen behaupten zu viel – aber es darf nicht noch mehr werden. Die schlichte Lösung: Starts und Landungen auf das gegenwärtige Niveau begrenzen. Kopatz resümiert, dass Änderungen möglich seien. Was es braucht sind mutige und entschlossene Entscheidungsträger, sowie engagierte Bürgerinnen und Bürger. Es wird mit Sicherheit nicht in allen Bereichen leicht, aber der Einsatz würde sich lohnen, da ist sich Kopatz sicher. Der jüngste Beleg sei die Energiewende. Sie nahm ihren Anfang in der Anti-Atombewegung und mündete im Gesetz für Erneuerbare Energien. Solarstrom ist heute Routine.


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