26.04.2018, 14:48 Uhr

Rotes Höhenvieh „Beweidungsprojekt Regentalaue“ – Alte Rinderrasse beweidet Naturschutzgebiet

(Foto: Landratsamt Cham)(Foto: Landratsamt Cham)

Im Beisein zahlreicher Gäste stellte Landrat Franz Löffler am Donnerstag, 26. April, das „Beweidungsprojekt Regentalaue“ im Naturschutzgebiet Regentalaue zwischen Cham und Pösing vor. In einem 21 Hektar großen Teilgebiet des Naturschutzgebietes soll das innovative Projekt zur Erhöhung der Strukturvielfalt und der Biodiversität in der Aue beitragen. Das Besondere: Naturschutz und Landwirtschaft versuchen hier gemeinsam neue Wege zu gehen.

CHAM Mehrere Fliegen mit einer Klappe will die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Cham mit ihrem „Beweidungsprojekt Regentalaue“ schlagen. Durch extensive Beweidung mit der vom Aussterben bedrohten alten Haustierrasse Rotes Höhenvieh soll ab sofort ein 21 Hektar großes Teilgebiet des Naturschutzgebietes Regentalaue zwischen Cham und Pösing im Sinne des Biotop- und Artenschutzes bewirtschaftet werden. Ziel ist es, die reine Landschaftspflege zu minimieren und eine Entwicklung zu einer verträglichen, nachhaltigen Nutzung mit geschlossenen Stoffkreisläufen anzustoßen. Der Landkreis Cham als Träger des Projektes ist froh, mit der Familie Fuchs aus Untertraubenbach Landwirte gefunden zu haben, die sich mit dieser Rinderbeweidung auch ein betriebliches Standbein aufbauen wollen.

Naturschutz und Landwirtschaft gemeinsam betreiben

Pünktlich zum Weideauftrieb konnte Landrat Franz Löffler am Donnerstag, 26. April, zahlreiche Gäste aus Politik, Verwaltung und Verbänden, unterem auch den Bezirkspräsidenten des Bayerischen Bauernverbandes, Josef Wutz, begrüßen. „Wir wollen keinen Naturschutz unter der Käseglocke betreiben“, erläuterte Landrat Löffler. „Deshalb stellen wir unsere landkreiseigenen Flächen gerne einem Projekt zu Verfügung, das auf einen nutzungsorientierten Arten- und Lebensraumschutz baut. Und mit dem Einsatz der vom Aussterben bedrohten Rinderrasse Rotes Höhenvieh leistet unsere Projektpartnerin aus der Landwirtschaft, die Familie Fuchs, darüber hinaus einen großen Beitrag zum Schutz der Agrobiodiversität.“ Vor diesem Hintergrund sei es nur zu begrüßen, dass die Umsetzung des Projektes durch Ausgleichs- und Ersatzgelder des Landkreises Cham realisiert werden konnte. Das Besondere an dem Beweidungsprojekt in der Regentalaue sei es, dass hier Naturschutz und Landwirtschaft versuchen, gemeinsam neue Wege zu gehen, die sowohl zum Erhalt der Biodiversität beitragen als auch für den beteiligten Landwirt einen betrieblichen Nutzen bringen.

Die Regentalaue – eine historische Kulturlandschaft im Landkreis Cham

In Feuchtgebieten wie den Auen war Beweidung traditionell lange die vorherrschende Nutzungsform. Großflächige Reste dieser alten Kultur- und Naturlandschaften finden sich aber fast nur noch in Osteuropa. So wurden auch die Wiesen in der Regentalaue in den letzten Jahrzehnten ausschließlich durch Mahd bewirtschaftet.

Die Regentalaue ist nicht nur das größte Naturschutzgebiet der Oberpfalz, sondern auch Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 mit einem vorzeigbaren Bestand an seltenen Pflanzen und Tieren. Außerdem besitzt es nationale Bedeutung als Brut- und Rastgebiet für Wiesenbrüter und Wasservögel. Da es sich dementsprechend um ein ökologisch sensibles Gebiet handelt, baut das Beweidungskonzept auf einer von der Höheren Naturschutzbehörde an der Regierung der Oberpfalz beauftragten Kartierung der Vegetation und der Tierwelt auf und wird möglichst flexibel auf Brutverhalten der Vögel und Vorkommen von seltenen Pflanzen reagieren. Eine Veränderung der Fläche hin zu mehr Strukturvielfalt und Biodiversität ist aber in jedem Fall das Ziel dieses Beweidungsprojektes. Nicht unterschätzt werden sollte auch der positive Aspekt für den Tourismus, der sich aus dem Naturschutzprojekt entwickeln könnte: Extensive Beweidung mit alten Rassen kann im Rahmen eines naturbetonten Tourismus die Attraktivität einer Landschaft zusätzlich steigern.

Viele Projektbeteiligte bilden ein starkes Netzwerk

Die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes Cham, der Landesbund für Vogelschutz (LBV), Kreisgruppe Cham, der ebenfalls Flächen für das Beweidungsprojekt zur Verfügung stellt und die Höhere Naturschutzbehörde der Regierung der Oberpfalz arbeiten bei diesem Projekt eng mit dem landwirtschaftlichen Projektpartner zusammen.

Die Projektleitung liegt in den Händen von Alois Stelzl, Untere Naturschutzbehörde, Landratsamt Cham. Für die Umsetzungsberatung wurde das Büro landimpuls GmbH, Regenstauf verpflichtet. Weitere beratende Behörden und Institutionen sind das Fachzentrum für Fleischrinderzucht am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Schwandorf, vertreten durch Karl Scholler und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Cham (Forstverwaltung).


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