24.04.2018, 17:50 Uhr

Bodenversiegelung Gute Konjunktur braucht Platz, aber die „Wirtschaft ist kein Flächenfresser“

(Foto: 123rf.com)(Foto: 123rf.com)

Die Wirtschaft im IHK-Bezirk Oberpfalz-Kelheim boomt. 499.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte gab es 2017 in der Region. Die Tendenz ist seit Jahren steigend. „Gute Konjunktur braucht Platz – für die Unternehmen ebenso wie für den Wohnraum ihrer Fachkräfte“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes.

REGENSBURG Dennoch: Wirtschaftliche Entwicklung mit Bodenversiegelung und Betonflut gleichzusetzen, erzeuge ein falsches Bild der Wirtschaft als vermeintlicher Flächenfresser. Dem Bayerischen Landesamt für Statistik zufolge nehmen Gewerbe und Industrie zusammen nur ein Prozent der Gesamtfläche des IHK-Bezirks in Anspruch, der Wohnbau nutzt 2,3 Prozent, 89 Prozent entfallen auf Wald, Landwirtschaft und Wasserflächen.

Gewerbestandorte mit Entwicklungspotenzial

Unternehmen kalkulieren schon aufgrund des ökonomischen Prinzips eng mit Grund und Boden, denn jede Flächenerschließung und Baumaßnahme kostet nicht nur Platz, sondern auch Geld. Auf der Suche nach neuen Standorten sind die im Baugesetz vorgeschriebenen Nachverdichtungen und Innenentwicklung mit den Bedürfnissen der Firmen manchmal nicht vereinbar. Der Flächenbedarf der Unternehmen kollidiert mit zu kleinen Grundstücken, die dicht an der Wohnbebauung liegen. „Insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe oder der Logistik benötigen unsere Unternehmen zusammenhängende Flächen mit Entwicklungspotenzial“, betont Helmes. Ideale Ansätze dafür seien interkommunale Gewerbegebiete mit Raum für Wachstum und Betriebe, die sich neu ansiedeln möchten. Eine gemeinsame Infrastruktur, kurze Wege zwischen Partnerunternehmen und ein einheitliches Flächenmanagement des Gebiets schaffen Synergieeffekte für Unternehmen und Kommunen.

Interkommunale Erfolge

Ein erfolgreiches Beispiel aus der Praxis ist das Gewerbegebiet Wörth/Wiesent. In interkommunaler Zusammenarbeit haben die Stadt Wörth und die Gemeinde Wiesent ein großes Areal direkt neben der Autobahn A3, Anschlussstelle Wörth an der Donau-Wiesent, ausgewiesen und attraktive Bedingungen für Unternehmen geschaffen. In der Nordoberpfalz planen zwölf Kommunen das Gewerbegebiet Wiesau. Dort sollen gemeinsame Industrieflächen entstehen und an bestehende Infrastrukturen angebunden werden. „Hier arbeiten die Kommunen im Sinne der Wirtschaft zusammen“, zeigt sich Helmes zufrieden.

Die neueste Initiative in der Oberpfalz ist der „Wirtschaftsraum Amberg“. Die Stadt Amberg schloss sich unter der Patenschaft des Finanzministers Albert Füracker in einem bayernweit einzigartigen Projekt mit fünf Umland-Gemeinden zusammen, um die Region sowohl für die Wirtschaft als auch die Bevölkerung attraktiver zu gestalten. „Mit der interkommunalen Initiative wollen wir die gewerblichen Potenziale aber auch Vielfalt in der Lebensqualität mit ressourcenschonenden Entwicklungsmaßnahmen steigern“, sagt Karlheinz Brandelik, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung für die Stadt Amberg. Gemeinsame Gewerbeflächen seien eine der Maßnahmen, um die Standortbedingungen für Unternehmen zu verbessern. „Für eine bedarfsgerechte Entwicklung von Gewerbeflächen muss die Landespolitik die nötigen gesetzlichen Vorgaben schaffen und die Planungshoheit weiterhin im Zuständigkeitsbereich der Kommunen liegen“, so Helmes. Eine Kommune wisse, was ihre Unternehmen brauchen und könne dies in der Planung berücksichtigen.


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