10.04.2018, 15:03 Uhr

Probleme mit dem Landratsamt Fohlenretter in der Kritik – falsch verstandene Tierliebe oder Neider?


Dass die Szene der Tierfreunde, Tierretter und Tierrechtsaktivisten keine einfache ist, erweist sich bei der Recherche zu Vorwürfen, die dem Wochenblatt im Zusammenhang mit einem Pferdehof im östlichen Landkreis Regensburg mitgeteilt wurden. Sind hier Neider am Werk, die dem Verein den Erfolg nicht gönnen? Oder sind die Betreiber der Fohlenrettung überfordert? Fest steht, dass das Landratsamt nun eingeschritten ist. Fünf der 17 Tiere leben aktuell nicht mehr auf dem Gelände ...

SCHÖNACH Unhaltbare Zustände würden auf dem Hof herrschen, die Pferde seien nie auf der Koppel – und nun seien drei Ponys und zwei Pferde abgeholt worden, so die Schilderung gegenüber dem Wochenblatt. Zudem bekomme der Verein Spenden, da sollten die Spender doch erfahren, was hier vor sich gehe.

Vor Ort bei einem Überraschungsbesuch an einem Sonntag bekommt man den Eindruck, dass es den Pferden gut geht. Sie haben frisches Wasser und Heu, das Fell wirkt gepflegt. Der Hof selbst allerdings ist all das nicht – das merkt wohl auch die Verantwortliche des Vereins, die zufällig vor Ort ist. Sie lässt uns aufs Gelände, wir dürfen die Tiere und die Umstände der Haltung fotografieren. Konkret will sie dann wissen, was man verbessern könnte – und einige Ratschläge scheinen bereits geholfen zu haben: „Ihre Sicht bezüglich Ordnung hab ich mir zu Herzen genommen und gehandelt. Im Stall wie außen. Ein günstiger, witterungsbeständiger Schrank ist bestellt. Und ich habe sogar ein kleines Kräutergärtchen mit Blumen angelegt“, schreibt die Verantwortliche am Montag, 2. April. Damit ist ein erster Schritt getan, aus Sicht des Landratsamtes aber sind weitere Maßnahmen notwendig.

Landrätin war bereits selbst vor Ort

Landrätin Tanja Schweiger war selbst schon vor Ort. Sie berichtet, dass sie die Verantwortlichen persönlich auf einige Dinge hingewiesen hat. Der Verein konnte zum Beispiel nicht nachweisen, wann er die Tiere auf die Koppeln gelassen hat. Drei bis fünf Stunden pro Tag werden hier durch das Tierschutzgesetz vorgeschrieben. Schweiger berichtet, dass die Verantwortlichen des Pferdehofes hierzu Protokoll hätte führen müssen, wann die Tiere auf der Koppel waren. Dieser Nachweis aber sei nie im Landratsamt eingegangen. Und: Die drei Ponys standen hinten im Stall, kaum Licht kam in die Box. Dabei, so berichtet Schweiger dem Wochenblatt, wäre es ganz einfach: Im Stall gebe es auch nach hinten raus eine Tür, die könnte man öffnen, Problem gelöst! Oder: In die Holzwand könnte man ein oder mehrere Fenster ausschneiden. Diesen Rat hat nun auch der Verein angenommen: „Gestern haben uns liebe Freunde Fenster in den ,Dunkelhaft‘-Stall eingebaut. Am Ostersonntag! So unglaublich. Unser Zusammenhalt rührt mich an solchen Tagen zu Tränen“, schreibt die Verantwortliche. Ihr Netzwerk scheint zu funktionieren – bei der Rettung der vom Schlachthof bedrohten Tiere wie auch bei der Pflege des Hofes.

Rührt aber vielleicht daher die Kritik am Pferdehof? Auffällig ist, dass die größten Kritiker offenbar selber aus dem Tierschutz kommen. Anstatt hier zusammenzuarbeiten, ergeht man sich in gegenseitigen Vorwürfen. Von schwarzen Schafen distanziert sich der Verein aber ausdrücklich. Erst kurz vor Ostern hatte der NDR in einem Beitrag über mutmaßlich dubiose Machenschaften eines Pferdemetzgers und einer entsprechenden Gruppe auf Facebook berichtet. „Wir distanzieren uns von dieser Facebook-Gruppe“, sagt die Verantwortliche gegenüber dem Wochenblatt.

Verantwortliche kämpfen um ihr Lebenswerk

Für die Verantwortlichen ist eines sicher: „Wir lassen uns unser Lebenswerk nicht zerstören. Keinesfalls.“ Man holt sich Hilfe, man hat sich um Beispiel bereits an die Regierung der Oberpfalz gewandt – das alles aber wird nur helfen, wenn auch die Verantwortlichen und die Helfer des Pferdehofes kooperativer werden. Erfolgreicher Tierschutz geht nur miteinander – das Gegeneinander schadet vor allem den Tieren!

Anmerkung der Redaktion: Zunächst zeigte sich die Verantwortliche des Pferdehofes sehr kooperativ, als ihr aber klar wurde, dass wir auch die Gegenseite hören und im Artikel zu Wort kommen lassen, bestand sie auf Anonymisierung der Personen und des Ortes, was wir hiermit getan haben.


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