26.03.2018, 11:43 Uhr

Bürgerforscher-Projekt Wer hat den ersten Igel gesehen?

(Foto: Christian Eckl)(Foto: Christian Eckl)

Die immer wärmeren Temperaturen locken die ersten Igelmännchen aus ihren Winterquartieren. Erneut sind deshalb alle bayerischen Naturfreunde aufgerufen, ab sofort wieder jeden beobachteten Igel dem LBV zu melden.

BAYERN Seit 2015 versuchen die Naturschützer mit dem erfolgreichen Citizen-Science-Projekt „Igel in Bayern“ mehr über den heimlichen Gartenbewohner herauszufinden. In den ersten drei Projektjahren haben bereits über 62.000 Teilnehmer insgesamt mehr als 80.000 Igel gemeldet. „Dabei zeigte sich: Igel sind flexibel, anpassungsfähig und wahre Überlebenskünstler, aber ihre Gesamtsituation ist bedenklich, was die Aufnahme in die Rote Liste bedrohter Säugetiere zeigt“, so das Kurzfazit der LBV-Igelexpertin Martina Gehret. Auch im vierten Projektjahr sollen weitere wertvolle Daten mit Hilfe der Bevölkerung gesammelt werden. Deshalb können ab jetzt bis Ende Herbst wieder alle Bayern lebendige und tote Igel ganz einfach im Internet unter www.igel-in-bayern.de melden.

Die steigenden Temperaturen und länger werdenden Tage lassen die bayerischen Igel in den kommenden Wochen aus dem Winterschlaf erwachen. Wann genau die Tiere aufwachen, hängt neben dem Wetter auch mit dem Standort ihres Schlafplatzes zusammen. „Uns haben bereits mehrere Meldungen von umher wandernden Igeln erreicht“, berichtet Gehret. Sie gibt aber auch Entwarnung: „Einige Igel wachen bei den milden Temperaturen auf und suchen sich ein anderes Quartier in dem sie dann bis in den April, weiterschlafen“. Igelweibchen schlafen dabei länger als Igelmännchen. Es kann jedoch vorkommen, dass einzelne Igelmännchen ihren Winterschlaf bereits jetzt beenden und aktiv bleiben.

Eine besondere Gefahr stellen aktuell auch die schon seit Langem aufgehäuften Holzstöße für das anstehende Osterfeuer dar. „Für Igel ist ein Entkommen vor dem Feuer nahezu unmöglich, vor allem wenn sie wie jetzt noch schlafen“, erklärt Gehret. Der LBV rät deshalb unbedingt das Brennmaterial vor dem Anzünden vorsichtig umschichten, damit sich nicht nur die Igel, sondern auch Rotkehlchen und Co. rechtzeitig in Sicherheit bringen können.

„Das Erste, was Igel nach dem Winterschlaf haben, ist Durst“, weiß die LBV-Expertin. Allen Überwinterungshelfern empfiehlt sie deshalb eine Wasserstelle für „ihren“ Igel bereit zu stellen. „Und solange sie in der Natur noch nicht genug Nahrung finden, ist es unproblematisch die Überlebenskünstler mit etwas Futter zu unterstützten, bis sie je nach Wetter gegen Ende April wieder genügend Insekten finden“, so Gehret weiter.

Die Auswertungen der ersten drei Projektjahre zeigen, dass der Igel in Bayern vor allem im Siedlungsbereich und in unseren Gärten vorkommt. „Dazu hat der Stachelritter eine ganz neue Überlebensstrategie entwickelt - und die heißt Müll“, weiß Martina Gehret. Dieses Nahrungsangebot ist durch Speisereste zwar ungesund für den Igel, dafür aber unerschöpflich. Trotz solcher Strategien ist die Situation für den Igel in Bayern insgesamt bedenklich. Als Insektenfresser leidet er nicht nur unter dem extremen Rückgang von Insekten auf den intensiv bewirtschafteten Flächen der bayerischen Kulturlandschaft. „Großflächige Baumaßnahmen, Versiegelung, erhöhter Straßenverkehr, Gifteinsatz und eine vermehrte Parasitenbelastung machen dem Igel schwer zu schaffen“, so weitere Ergebnisse des Bürgerforscher-Projekts. Die Aufnahme des Igels in die Vorwarnliste der Roten Liste bayerischer Säugetiere unterstreicht seine bedenkliche Gesamtsituation.


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