26.02.2018, 12:49 Uhr

Landwirtschaft Saatguttag war ein großer Erfolg

(Foto: Biobrotbox)(Foto: Biobrotbox)

Zum zwei Mal fand im Evangelischen Bildungszentrum in Regensburg der Saatguttag statt. Eine Initiative aus tatkräftigen Frauen hat in ehrenamtlicher Arbeit mit viel Mühe und Einsatz, aber vor allen Dingen auch mit Begeisterung, unter der Federführung von Judith Hock-Klemm, diesen Saatguttag 2017 ins Leben gerufen. Einen Förderer und Mitstreiter fanden sie im Leiter des Bildungszentrums Dr. Carsten Lenk.

REGENSBURG So konnten auch in diesem Jahr die Aussteller die zahlreichen Besucher über die Problematik auf dem Saatgutmarkt informieren. So konnten samenfeste Sorten getauscht werden, das Wissen um die Gewinnung von eigenem Saatgut aus dem eigenen Garten wurde weitergegeben. Die Vielfalt im Pflanzenreich zeigten auch landwirtschaftliche Erzeuger von Äpfeln, Urgetreide, Mais und Honig. Sogar Schmuck aus bildschönem Saatgut konnte gekauft werden.

Das Fruchtwerk, eine Gruppe regionaler Künstler, begleitete den Tag mit einer kleinen Ausstellung ihrer Werke zum Thema Natur. Sie begeisterten die Besucher vor allem durch ihren überlebensgroßen angebissenen Apfel aus Holz. Vorträge, die mit viel Sachverstand ausgesucht wurden, rundeten das Angebot für die Besucher ab. Katrin Schumann untermalte die Eröffnung des Saatguttages mit ihren wunderbaren Gemüsefotos, die schon in zahlreichen Büchern zu sehen sind. Doch sie betonte bei ihrem anschließenden Vortrag auch, wie wichtig der Anbau dieser alten Gemüsesorten ist, um die Vielfalt im Pflanzenreich zu gewährleisten. So muss ein Umdenken erfolgen, um auch für unsere Gesundheit einen gesunden Lebensraum zu erhalten. Hier sind alle gefragt und können durch den Anbau, die Nutzung und vor allem auch die Nachfrage im Handel einen Beitrag leisten. Wie das funktioniert zeigten die Kinder. Sie wurden im Foyer von Beate Mayer in die Welt der Samen und dessen Anbau auf spielerische Weise eingeführt und bastelten unter anderem Seedballs (Saatgutkugeln) zum Verteilen.

Melanie Ebner gab in ihrem anschließenden Vortrag einfache Tipps, um zu zeigen, wie leicht es ist, mit alten Gemüsesorten zu kochen. Die Zuhörer konnten sich mit hervorragenden Kostproben selbst überzeugen. Ebners Catering unterstützte die Veranstaltung mit seinen kulinarischen Gerichten, die im Cafe des EBWs genossen werden konnten.

Den Besuchern wurden alte Pflanzen näher gebracht

Wie Anbau auch funktionieren kann, zeigte der Vortrag von Bettina Kraus, die im Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath-Perschen für die Bauerngärten zuständig ist. Hier werden alte Gemüsesorten wieder angepflanzt und in spannenden Geschichten dem Besucher näher gebracht. Wer übrigens noch alte Sorten, auch Zierpflanzen in seinem Garten hat, kann sich beim Museum melden. Dort sind sie froh um jede alte regionale Sorte, die weitervermehrt und erhalten bleibt. Ein spannendes Thema ist hier auch der Mais. Wer weiß schon, dass Körnermais bereits um 1500 in Europa eingeführt wurde und auch in Bayern jahrhundertelang fester Bestandteil des Speiseplans, vor allem für die ländliche Bevölkerung war? Das es sogar einige bayerische Sorten gab, verriet Dr. Barbara Eder von der LfL Freising, die sich dort mit der Wiederbelebung dieser alter Landsorten beschäftigt.

Diese Arbeit wird auch auf dem Demeter-Betrieb der Familie Walz umgesetzt. In zahlreichen Anekdoten erzählte er, wie es seiner Familie gelungen ist, in jahrelangem Anbau alte Getreidesorten wiederzubeleben und vor allen Dingen auch speisefertig zu vermarkten. Wie wichtig solche Menschen sind, die anders denken, die den Mut haben in entscheidenden Momenten den Mund aufmachen und vor allen Dingen den Spaten in die Hand zu nehmen und anzupacken, erklärte uns Anja Banzhaf. Der Autorin des Buches: Saatgut – Wer die Saat hat, hat das Sagen, war in ihrem Vortrag besonders wichtig, dass die Zuhörer verstanden, welch eine politische Dimension das Saatgut eigentlich hat. Einige wenige Konzerne kontrollieren 95% des Saatgutmarktes. Wir alle sind hier gefragt, denn Vielfalt kann nur von vielen Menschen auf unterschiedlichste Arten und Weisen gestaltet werden. Und dazu kann jeder seinen eigenen kleinen Beitrag leisten.

Rundherum war der zweite Saatguttag wieder ein gelungener Tag, mit noch mehr Besuchern als im letzten Jahr und weckte somit den Wunsch nach mehr. So wird es auch 2019 wieder einen Saatguttag in Regensburg geben.


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