19.10.2017, 10:18 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Umwelt Außen Bio, innen Müll? Biotonnen stehen, kaum einer nutzt sie schon


Die Einführung des Bringsystems in Regensburg ist ein echter Rohrkrepierer. In vielen Tonnen findet man Papier und allerlei Müll, von Essensresten, die reingehören würden, kaum eine Spur.

REGENSBURG Seit Anfang Oktober gibt es sie, die Biotonne für Regensburg. Rund 400 Biotonnen wurden in den vergangenen zwei Wochen auf den geplanten Standplätzen verteilt. Der Rest der geplanten 900 Tonnen wird in den kommenden Tagen erfolgen. Die erste Leerung fand am 4. Oktober statt – mit Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Und bereits da musste das amtierende Stadtoberhaupt einräumen: Viel drin war nicht in der Tonne.

Klar ist, dass der Stadt nichts anderes übrig blieb, als die Tonne einzuführen: „Die Stadt Regensburg ist durch das Kreislaufwirtschaftsgesetz des Bundes dazu verpflichtet, Bioabfälle getrennt zu erfassen und zu verwerten“, so Maltz-Schwarzfischer. „Wegen der dichten Bebauung in der Altstadt und in Stadtamhof hat sich die Stadt dazu entschieden, dass nicht vor jedem Haus eine Biotonne stehen soll.“

Doch was soll dann überhaupt noch in den Normalmüll, nachdem ja Papier, Plastik und Metalle sowie Glas bereits wegsortiert sind?

Kaum einer nutzt die Biotonnen bereits

Des Rätsels Lösung: Kaum einer tut es. Zum einen hat sich die Bevölkerung in der Altstadt von Regensburg beispielsweise massiv gewandelt. Zahlreiche Neubürger in der Altstadt nutzen oft keine regionalen Medien, sie lesen vielleicht die Zeit, aber was vor Ort geschieht, da verstehen sie nur Bahnhof. Dementsprechend erreicht die Stadt sie auch nicht mehr. Sie dürften also von der Biotonnen-Einführung gar nichts mitbekommen haben.

Zum anderen ist der Mensch ein absolutes Gewohnheitstier. Zwar ist der Deutsche an sich Trennweltmeister. Es bleibt also kaum noch Restmüll, wenn der Biomüll auch noch getrennt wird. Stellt sich die Frage: Was bleibt eigentlich noch für die Mülltonne vorm Haus, für die man ja bezahlt? Die Kosten sind es auch, die im Landkreis eine Rolle spielen. In Donaustauf hat man ein Jahr lang das Holsystem ausprobiert, also braune Tonnen aufgestellt. Der Kreistag hat das Modellprojekt ein Jahr verlängert. Doch anders als in der Stadt sind es die Landkreis-Bewohner ohnehin gewöhnt, ihren recycelten Müll wegzufahren – sie müssen zum Bauhof, während der Regensburger nur seine gelben Säcke vor die Tür stellt. Zudem würde ein Holsystem im Landkreis die Müllgebühren wohl erhöhen, der Müllunternehmer aber könnte die Abfälle an Biogasanlagen verkaufen – ein Geschäft also, für das die Bürger mitzahlen.

Zudem haben viele Bürger im Landkreis einen Garten, in dem sie einen Kompost aufstellen können. Doch was, wenn in der dichten Bebauung gärende Tonnen umgeworfen werden, wenn die Party-Gäste durch die Regensburger Altstadt ziehen?

Blickt man heute stichprobenartig in die braunen Tonnen, dann sieht man: Sie werden schlicht zweckentfremdet. Statt Kartoffelschalen und Kaffeesatz findet sich in vielen normaler Haus- oder gar Papiermüll. Die Einführung – ein Rohrkrepierer?

Die Stadt indes setzt auf das Engagement der Bürger. Im Internet sucht sie „Biotonnen-Manager“ und Ansprechpartner für Vereine, Kirchengemeinden und Institutionen. Sie sollen dafür sorgen, dass die Bürger den Bioabfall nicht nur trennen, sondern auch zur Abladestation bringen.


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