12.08.2019, 10:51 Uhr

Kraftwerk-Baumaßnahme Mehr als „nur“ freie „Fahrt“ für Fische

Musterbeispiel für Revitalisierung und Vernetzung der vom Inn ehemals abgekoppelten Auenlandschaft: links im Hintergrund stand früher ein Maisacker – dort entsteht neuer, wertvoller Auenlebensraum. (Foto: ÖDP)Musterbeispiel für Revitalisierung und Vernetzung der vom Inn ehemals abgekoppelten Auenlandschaft: links im Hintergrund stand früher ein Maisacker – dort entsteht neuer, wertvoller Auenlebensraum. (Foto: ÖDP)

Sie gehört nicht nur zu den größten Baustellen Niederbayerns der letzten Jahre und ist viel mehr als nur eine ‚Fischtreppe‘: das Projekt „Durchgängigkeit und Lebensraum“ am Kraftwerk Ering-Frauenstein. Der Kreisverband der ÖDP ließ sich durch Rene Tezzele (Projektleiter von VERBUND), Gewässerökologe Wolfgang Lauber und Landschaftsplaner Thomas Herrmann aus erster Hand über Stand und Ziele der Maßnahme näher informieren.

ERING AM INN Wie Rene Tezzele eingangs erläuterte, gilt es im Rahmen einer Konzessionserneuerung für den Betrieb des Wasserkraftwerkes die EU-Wasserrahmenrichtlinie umzusetzen und die Durchgängigkeit der Flüsse für Fische herzustellen. Zugleich stehe man auch vor der Herausforderung, der FFH- und der Vogelschutzrichtlinie gerecht zu werden. Deshalb habe man bei der Baumaßnahme großen Wert darauf gelegt, auentypische Lebensräume zu schaffen. Dafür waren erhebliche Erdbewegungen notwendig, insgesamt rund eine Million Kubikmeter – aber alles wurde wieder an Ort und Stelle verbaut.

Dies verdeutlichte Gewässerökologe Wolfgang Lauber näher. Durch die Umgehungsgewässer mit einer Länge von 2,5 Kilometer und dem rückgebauten Fluss gibt es in Zukunft wieder eine Durchlässigkeit des Wassers zwischen Fluss und Aue. Damit gibt es in Zukunft wieder erhebliche Wasserschwankungen in der Aue, was für deren Lebensraum äußerst wichtig sei. Wo es bisher entweder zum Teil versumpfte oder auch ausgetrocknete Stellen gab, entsteht wertvoller Gewässerlebensraum wie Kieslaichplätzen.

Und mit dem Uferrückbau wird der Inn wieder zugänglich. Kiesufer, Inseln und Altgewässer würden einen Erlebnisraum für Anwohner und Besucher ergeben führte der zuständige Landschaftsplaner Thomas Herrmann aus. Zugleich strebe man an, die historische Fauna wiederzubeleben.

Zur begleiteten Umsetzung wird seitens der Verantwortlichen ein eigenes Monitoring durchgeführt, dadurch soll u. a. auch unerwünschten Pflanzen wie dem Knöterich Einhalt geboten werden. Und schon vor Beginn der Baumaßnahmen seien durch die umfangreiche Schaffung von Ersatzlebensräumen (so wurden alleine rund 700 Nistkästen aufgehängt) Rücksicht auf die vorhandene Vielfalt genommen worden. Weil noch Restarbeiten notwendig sind, ist die Baustelle voraussichtlich noch bis Dezember gesperrt.

Einig war man sich unter der Besuchergruppe des ÖDP-Kreisvebandes, dass das Wachsen und Entstehen der neuen Lebensräume in den nächsten Monaten und Jahren besonders interessant zu beobachten sein wird.


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