07.03.2018, 15:45 Uhr

Kampf gegen den Klimawandel „Wir müssen uns ändern, dann kann sich alles ändern“

Josef Holzbauer (Foto: Josef Holzbauer)Josef Holzbauer (Foto: Josef Holzbauer)

Laudato si: Vortrag mit Josef Holzbauer am 16. März in Vilshofen

VILSHOFEN Papst Franziskus wendet sich in seiner Enzyklika „Laudato si“ an die ganze Menschheitsfamilie und fordert den Dialog darüber, wie wir die „Zukunft unseres gemeinsamen Hauses gestalten – wir brauchen ein Gespräch, das uns alle zusammenführt, denn die Herausforderungen der Umweltsituation, die wir erleben, und ihre menschlichen Wurzeln betreffen uns alle.“ Am Freitag, 16. März (19 Uhr), lädt der Umweltbeauftragte der Diözese Passau, Sepp Holzbauer, zu einem Vortrag ins griechische Restaurant „Zorbas“ (gegenüber der Stadtpfarrkirche) in Vilshofen ein. Die PaWo sprach bereits vorab mit Sepp Holzbauer.

Die sogenannte „Umweltenzyklika“ von Papst Franziskus behandelt „die Sorge um das gemeinsame Haus“ der Menschheit. Können Sie Ihre Aussage kurz zusammenfassen?

Die Kernbotschaft von Papst Franziskus ist unbequem, denn ein effizienter Kampf gegen Umweltzerstörung und Klimawandel muss einhergehen mit dem Einschränken des ungezügelten Konsums der reichen Industrienationen und des wohlhabenden Teils der Menschheit. Er betont immer wieder die Zusammengehörigkeit von Umweltschutz und Armutsbekämpfung.

Klimakatastrophen, nachhaltiger Umgang mit Ressourcen sowie die Pflicht, den Planeten Erde für folgende Generationen bewohnbar zu halten: Können wir das schaffen und wenn ja, wie?

Das geht nur mit einer grundlegenden Veränderung des Lebensstils und einer neuen „Ressourcenkultur“. Papst Franziskus spricht von einer „ökologischen Schuld“, weil nach wie vor ein ungebremster, unfairer und rücksichtsloser Zugriff der reichen Schichten auf natürliche Rohstoffe der weniger entwickelten Länder stattfindet. Ein „allein auf Profit ausgerichtetes Wirtschaftssystem“ verstärkt die Ungerechtigkeiten zunehmend.

Und was kann jeder Einzelne schon im Kleinen tun?

Jede und jeder kann in seinem eigenen privaten Bereich die „zerstörende Banalität des Konsums“, wie Franziskus es nennt, eindämmen. Das heißt, bewusst einkaufen, auf Produkte zurückgreifen, die langlebig sind und unter ökosozialen Bedingungen produziert wurden. Jeder Einkaufszettel ist ein Wahlzettel, wir entscheiden mit was, wie und zu welchen sozialen und ökologischen Bedingungen produziert wird.

Verlust der Ökovielfalt ist die größte Gefahr

Der Inhalt der Enzyklika ist nicht immer bequem. Bitte geben Sie Beispiele.

Franziskus verweist immer wieder auf die Situation der Armen, die besonders unter den Auswirkungen des Klimawandels leiden und von Wassermangel und Naturkatastrophen betroffen sind. Er bemängelt die „Schwäche der Reaktionen, denn die Politik versteht es nicht, hier konkrete Schritte zu unternehmen“, erfolglose Weltgipfel zu Umweltfragen zeigen das.

Viele Baustellen auf dem Weg in eine bessere Zukunft – welche ist Ihrer Meinung nach die größte?

Die größte Bedrohung der Menschheit ist der Verlust der biologischen Vielfalt. Denn mit der Zerstörung der Biodiversität nehmen die von der Natur bereitgestellten Leistungen, die sogenannten Ökosystemdienstleistungen, stetig ab. Der globale Klimawandel verschärft, zusammen mit weiteren Faktoren, wie z. B. die Überfischung der Meere, überzogene menschliche Freizeitaktivitäten, Monokulturen in der Landwirtschaft, die Situation.

Der Markt hat in unserer modernen Welt einen „gottgleichen“ Status – was meint der Papst damit?

Die große „menschliche Maßlosigkeit“ betrachtet er als Wurzel der ökologischen Krise. Der moderne Mensch „wurde nicht zum richtigen Gebrauch der Macht“ erzogen! Der Mensch gehorcht einem „technokratischen Paradigma“ und meint, alles ist technisch machbar, er verurteilt aber nicht die Fortschritte, die durch die Technik erreicht wurden. Gewinnmaximierung und Profitgier aber, blenden ökologische und soziale Themen völlig aus.

Können wir dann überhaupt auf ein globales Umdenken hoffen?

Hier richtet Franziskus einen Appell an alle Menschen guten Willens: „Der Mensch muss sich ändern, erst dann wird es eine neue Beziehung zur Natur geben“. Basis ist die Grundeinsicht, dass alles mit allem verbunden ist. Umwelt, Wirtschaft, Kultur und die „Ökologie des Alltagslebens“ gehören zusammen. Das Gemeinwohlprinzip und das Prinzip der generationenübergreifenden Gerechtigkeit muss Einzug halten in die Denkweise der Menschen.

Man sieht sich als Einzelner ohnmächtig gegenüber dieser gefräßigen, schier allmächtigen Geldmaschinerie. Geben Sie bitte Tipps, wie jeder einzelne unsere Zukunft, die Welt besser machen kann?

Ein verantwortungsvoller, wertorientierter Lebensstil ist Grundlage dazu. Lieber weniger statt mehr; lieber einfacher statt komplexer; lieber langsamer statt schneller; lieber näher statt weit; lieber nutzen statt besitzen; lieber bewahren statt wegwerfen, das könnten die Grundzüge dieses Lebensstils sein.

Gibt es für Sie bereits Anhaltspunkte für ein Umdenken der Menschen/Menschheit?

Viele Menschen besinnen sich und stellen sich die Frage: Was brauche ich wirklich zum Leben? Studien besagen, dass besonders die „Millennials“ eher Wert auf Glücksmomente wie Familie, Freunde, etwas erleben und reisen, in der Natur sein legen, weg von einer rein materiellen Sicht mit Besitz, Geld und teueren Dingen.

Franziskus sagt am Ende der Enzyklika: „Gehen wir singend voran! Mögen unsere Kämpfe und unsere Sorgen um diesen Planeten uns nicht die Freude und die Hoffnung nehmen.“


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