30.09.2020, 15:15 Uhr

Natur Das Forstamt Abensberg bittet Waldbesitzer, ihre Wälder auf Borkenkäferbefall zu kontrollieren

 Foto: lantapix/123rf.com Foto: lantapix/123rf.com

„Der ausgiebige Regen in den letzten Tagen hat dem Wald gut getan“, analysiert Joachim Hamberger, Chef des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Abensberg die aktuelle Borkenkäfersituation. Die momentanen Befallszahlen in der Region Kelheim bewegen sich auf dem normalen bekannten Niveau.

Abensberg. „Wir leben hier im Land der Glückseligen. Vor allem die Regionen in Nordbayern haben mit enorm hohen Borkenkäferschäden zu kämpfen. Wichtig ist, dass wir jetzt nicht nachlassen und die Wälder weiterhin auf den Borkenkäfer kontrollieren. Wird ein Befall entdeckt, muss das Holz schnellstmöglich raus aus dem Wald“, appelliert Forstdirektor Hamberger an die Waldbesitzer. Aufgrund der vergangenen Trockenjahre und der hohen Schadholzmengen aus den anderen Regionen Deutschlands liegt der Holzpreis quasi am Boden. Viele Waldbesitzer können mit dem Erlös aus dem Holzverkauf kaum die Kosten für die Ernte des Schadholzes bezahlen. Die Schadholzmengen möglichst gering zu halten, ist also das Gebot der Stunde.

Doch wie kann ein Borkenkäferbefall verhindert werden? „Nur durch ein andauerndes konsequentes Handeln könne eine Massenvermehrung verhindert werden. Deshalb bitte ich die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer ihre Wälder im Abstand von zwei Wochen auf einen Borkenkäferbefall zu untersuchen“, antwortet Christian Kleiner, Abteilungsleiter am Forstamt Abensberg. Je schneller ein Befall erkannt und entfernt werde, desto geringer ist der Schadholzanfall. Ein Käferweibchen bekommt bis zu 60 Junge. Werden Käferbäume zu lange im Wald belassen, befallen die Käfer der nächsten Generation wieder neue Bäume. So werden aus drei befallen Bäumen innerhalb kurzer Zeit 70, rechnet Christian Kleiner vor. Da der Borkenkäfer keine Grundstücksgrenzen kenne, spiele auch die Nachbarschaftshilfe eine wichtige Rolle. Das gegenseitige Unterstützen bei der Käfersuche und Aufarbeiten von Käferbäumen, ist ein wichtiges Mittel um dem gefürchteten Forstschädling Einhalt zu gebieten.

Manchmal bekommen die Waldbesitzer zusätzlich eine fachkundige Unterstützung. „Viele unserer Revierleiterinnen und Revierleiter markieren Käferbäume, die sie auf ihren Kontrollfahrten finden, mit einem rotem K. Das soll den Waldbesitzern helfen die befallenen Bäume auch zu finden. Denn oftmals sind Käferbäume für einen Laien nicht gleich auf den ersten Blick erkennbar“, sagt Kleiner. Aus Liebe zum Wald würden viele Försterinnen und Förster die Serviceleistung erbringen. „Ganze Waldflächen auf einen Borkenkäferbefall zu kontrollieren, können wir nicht. Aufgrund der vielen anderen Aufgaben und den Reviergrößen ist dies zeitlich nicht möglich“; stellt Christian Kleiner klar. „Das ist die Aufgabe der Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer“, ergänzt Joachim Hamberger.

Unter dem Begriff Borkenkäfer werden gewöhnlich die beiden Schadinsekten Buchdrucker und Kupferstecher zusammengefasst. Der Buchdrucker ist hierbei der gefährlichere Schädling und erzeugt höhere Schadholzmengen. Ein beginnender Befall mit Buchdrucker ist an zahlreichen feinen Harzpunkten an der Fichtenrinde zu erkennen. „Mit Harz versucht sich der Baum gegen den Buchdrucker zur Wehr zu setzen. Der Baum ertränkt den Käfer mit Harz und tötet diesen so ab. Haben sich allerdings zu viele Käfer eingebohrt oder ist der Baum aufgrund von Trockenheit gestresst, kann sich ein Baum nicht mehr wehren. Die Rinde ist dann übersät mit Hunderten dieser feinen Harztröpfchen. Eine solche Fichte ist tot, obwohl sie noch eine grüne Krone besitzt“, erklärt Forstdirektor Hamberger. Im nächsten Schritt könne am Baum Bohrmehl gefunden werden. Das Bohrmehl sieht aus wie Kaffeepulver. Zu sehen ist das Bohrmehl an den Rindenschuppen des Baumes, in Spinnweben oder an Moosen am Stammfuß. Das Bohrmehl zeigt die Fraßaktivität der Larven und Käfer unter der Baumrinde an. Herabfallende grüne Fichtennadeln sind ein weiteres eindeutiges Zeichen für einen Borkenkäferbefall. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollte der Waldbesitzer aktiv werden. Der befallene Baum muss aufgearbeitet werden. Das Schadholz muss nämlich so schnell wie möglich raus aus dem Wald. Gelagert werden sollte das Schadholz in einem Abstand von mindestens 500 Metern zum Waldrand. „Die letztjährigen und Käferbefallsherde sollten hierbei genau kontrolliert werden“, empfiehlt Christian Kleiner. Meist geht der Befall bei diesen auch als Käferlöcher bezeichneten Stellen weiter. Der Buchdrucker fliegt nicht allzu weit. So können sich in kurzer Zeit viele Käferbäume an der gleichen Stelle bilden. Eine solche Ansammlung von Käferbäumen wird als Käfernest bezeichnet. Der Kupferstecher tritt meist zusammen mit dem Borkenkäfer auf. Ein Befall durch den Kupferstecher kann an einer von oben beginnenden rötlichen Verfärbung der Fichtenkrone erkannt werden. Auch hier gilt es denn befallen Baum zu fällen und möglichst schnell aus dem Wald zu schaffen.


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