30.09.2020, 09:57 Uhr

Roggenuntersaat im Hopfen Beispielhafte gemeinsame Erosionsschutzmaßnahme von Marktgemeinde und Hopfenbauern

Roggeneinsaat im Hopfengarten. Foto: Felix SchmittRoggeneinsaat im Hopfengarten. Foto: Felix Schmitt

194 Dezitonnen Roggensaatgut haben die Hopfenbauern rund um Siegenburg im Herbst 2019 auf circa 350 Hektar ausgesät – nicht auf den normalen Äckern, sondern in den Hopfengärten. Auf 90 Prozent der Siegenburger Hopfenanbaufläche wurde eine spezielle Form des Erosionsschutzes betrieben: nämlich Untersaat mit Roggen. Und – der Aufwand hat sich gelohnt, so die Meinung der Landwirte beim Bilanzgespräch in Niederumelsdorf.

Landkreis Kelheim. Der Hopfen ist zwar eine der schnellwüchsigsten Pflanzen der Welt und bedeckt den Boden zügig mit seiner üppigen Blattmasse, dennoch ist der Hopfengarten im Frühjahr und Frühsommer sehr erosionsanfällig, da noch zu wenig Blattmasse vorhanden ist. Genau in dieser Zeitspanne hat der im Herbst eingesäte und bis in den Frühjahr gut bestockte Roggen die Funktion, den Boden zu bedecken. Zudem hält die Wurzelmasse die Bodenstruktur stabiler.

„Ich kann durchaus sagen, dass wir als Kommune von der Teilnahmebereitschaft der Hopfenbauern überrascht wurden. Mit einer derart positiven Resonanz und dem Aussaaterfolg hätten wir nicht gerechnet“, so Bürgermeister Dr. Johann Bergermeier. „Ohne einen Spatenstich hat der Markt Siegenburg den Grundstein für diese spezielle Form der dezentralen Wasserrückhaltung gelegt. Der Effekt der Roggeneinsaaten entspricht rechnerisch einem Rückhaltebecken mit einem Fassungsvermögen von wenigstens 5.000 Kubikmeter“, so Ingenieur Felix Schmitt, der die Erosionsschutzmaßnahmen vor Ort fachlich betreut.

„Der Flächenumfang und die Qualität der Untersaat, insbesondere die gute Bestockung der Roggenbestände in den Hopfengärten aber auch die hohe Zahl der beteiligten Landwirte zeigt, dass die Landwirte durchaus eine starke Motivation zeigen, für den Bodenschutz aktiv zu werden. Die Roggenuntersaat zeigt, dass die Erosions- und Abflussrisiken minimiert werden können“, so Klaus Amann, vom Landschaftspflegeverband Kelheim VöF e.V., der die Erosionsschutzmaßnahmen im Rahmen der Initiative boden:ständig im Landkreis Kelheim koordiniert.

Die sanften Hügel um Niederumelsdorf (Markt Siegenburg) sind überspannt vom Netz der Drahtanlagen der Hopfengärten. Die kritische Jahreszeit ist das späte Frühjahr, wenn die ersten Starkregen auf den frisch bearbeiteten Boden prasseln. Überschwemmungen im Ort können die Folge sein, wie zuletzt 2018. Auf Einladung des AELF Abensberg und des Marktes Siegenburg diskutierte Johann Portner, Experte der LfL für Produktionstechnik im Hopfen, im Juli 2019 mit Hopfenbauern von Niederumelsdorf Verfahren zur optimalen Begrünung von Hopfengärten. Eine sehr gute Methode, so Portner, ist die Einsaat von Roggen. Er bildet viel Masse, die dann grob eingearbeitet wird. Nachteile sind ein zusätzlicher Arbeitsgang und der ungewohnte Anblick: „Anschauen muss man es schon können“, meinte ein Landwirt, der das System bereits erprobt hatte.

Um ein Zeichen zu setzen, erklärte sich der Markt Siegenburg, vertreten durch Bürgermeister Dr. Johann Bergermeier, bereit, das Roggensaatgut versuchsweise bereitzustellen. Die Resonanz übertraf bei Weitem die Erwartungen, berichtete der Bürgermeister: 25 Hopfenbauern haben für ihre Hopfengärten über 19.000 Kilo Saatgut bezogen. Bei einer Saatmenge von 50 Kilo pro Hektar genügt das für die Begrünung von knapp 400 Hektar. Wie eine Modellrechnung ergeben hat, ist eine Abflussverzögerung möglich, die alternativ mit Rückhaltebecken mit wenigstens 5.000 Kubikmetern Fassungsvermögen erreicht werden müsste – in der Praxis müssten es deutlich mehr als 5.000 Kubikmeter sein, weil optimaler Standort und optimale Dimensionierung selten möglich sind. Noch wichtiger ist freilich, dass der fruchtbare Lössboden so besser erhalten wird.

Die Maßnahmen in Siegenburg sind eingebettet in die landkreisweite Initiative „boden:ständig im Landkreis Kelheim“, die vom Amt für Ländliche Entwicklung Niederbayern fachlich unterstützt wird. Mit der Koordination vor Ort in den Projektgebieten ist der Landschaftspflegeverband Kelheim VöF e.V. betraut. Weitere Informationen dazu findet man im Internet unter www.boden-staendig.eu.


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