08.07.2020, 20:40 Uhr

Umwelt Teugner Landwirte zeigen beispielhaften Einsatz für den Erosionsschutz im Landkreis Kelheim

 Foto: Felix Schmitt Foto: Felix Schmitt

Boden ist ein wertvoller Schatz. Im Landkreis Kelheim gibt es hervorragende Böden, die sich ausgezeichnet für Ackerbau eignen. Aber diese Böden sind oftmals gegenüber Erosion empfindlich. Wenn durch eine breite Palette an Erosionsschutzmaßnahmen bei Starkregen weniger Wasser vom Feld oberflächlich abläuft und damit weniger Boden abgeschwemmt wird, profitieren alle: Ackerflächen bleiben fruchtbar, Gewässer sauber, und die Menschen, die an Gräben, Bächen und Flüssen wohnen, bleiben von Schlammfluten verschont.

Landkreis Kelheim. „Die Gemeinde Teugn hatte schon leidvolle Erfahrungen mit zum Teil massiver Schlammfrachten in der Vergangenheit gemacht. Aber mit der vom Landschaftspflegeverband VöF initiierten Aktion ,boden:ständig‘ konnten wir bislang sehr gute Ergebnisse erzielen. Was besonders erfreulich ist: unsere Landwirte machen engagiert mit“, so Bürgermeister Manfred Jackermeier.

„Umwandlung von Acker in Grünland, Anlage von speziellen Erosionsschutzstreifen, Umstellung der Fruchtfolge oder die Anlage von Blühflächen – auf insgesamt 68 Flächen wurden von den Teugner Landwirten gezielte Schutzmaßnahmen ergriffen. „Diese Größenordnung ist beispielhaft. Dazu braucht es aufgeschlossene Landwirte und kompetente Überzeugungstäter vor Ort, wie den Biolandwirt Oswald Kaufmann. Mit ,boden:ständig‘ haben wir ein praxisnahes Instrument der Verwaltung für Ländliche Entwicklung an der Hand, dass vor Ort von den Landwirten sehr gut angenommen wird, weil die Maßnahmen mit ihnen gemeinsam erarbeitet wurden“, so Klaus Amann, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes Kelheim. Der Verband koordiniert im Auftrag des Amtes für Ländliche Entwicklung Niederbayern die Initiative im Landkreis Kelheim.

Entscheidend für die Realisierung von Maßnahmen ist insbesondere auch das notwendige Förderinstrumentarium. „Mit dem Bayerischen Kulturlandschaftsprogramm können wir für die Landwirte den geeigneten Fördermix zusammenstellen. Auf der Grundlage des erarbeiteten Erosionsschutzkonzeptes haben wir die Möglichkeit, in den ,boden:ständig‘-Gebieten die Mittel gezielt und effektiv einsetzen“, so Dr. Joachim Hamberger, Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Abensberg. Am Kulturlandschaftsprogramm des Freistaates Bayern nehmen mittlerweile drei von vier Landwirten im Gemeindegebiet Teugn teil. Neben den bereits genannten Blühflächen haben die ortsansässigen Landwirte 17 Hektar Gewässer- und Erosionsschutzstreifen auf ihren Feldern angelegt. Hier wird an erosionsgefährdeten Bereichen streifenweise in einer Breite von sieben bis 30 Metern ein Grüngürtel eingesät, um den Abfluss von Niederschlagswasser abzubremsen und Erosion zu verhindern. Zudem sind die Landwirte auch bestrebt, den Wasserabfluss vollflächig auf den Feldern zu verringern. Der Anbau von Zwischenfrüchten nach der Ernte der Hauptfrucht hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Der Zwischenfruchtbestand bedeckt über den Winter den Boden. Der gebildete Pflanzenaufwuchs wird im Frühjahr oberflächig eingearbeitet. Jeder Stängel an der Oberfläche bildet einen kleinen „Stausee“, um Wasser zurückzuhalten. Auch hier wissen die Landwirte, dass Boden und Wasser ertragsbestimmende Faktoren sind. Diese Ressourcen in einem guten Zustand zu halten ist Ihnen nach wie vor ein besonderes Anliegen.

Neben den Schutzmaßnahmen auf den landwirtschaftlichen Flächen wurden weitere Bausteine realisiert: Wegverstärkungen, die als Abflussbremse dienen oder die Anlage einer Abflussmulde oberhalb der Ringstraße. „Bei ,boden:ständig‘ gibt es keine Musterlösungen, es braucht standortspezifische Projektansätze. Mit Hilfe von ,boden:ständig‘ haben wir ein Instrument an der Hand, mit dem wir gemeinsam mit den Landwirten und Flächeneigentümern arbeiten können und damit praxistaugliche und gut realisierbare Maßnahmen entwickeln“, so Felix Schmitt, Projektingenieur beim Landschaftspflegeverband Kelheim VöF.

An den richtigen Stellen reichen oft schon kleinere Rückhaltebecken, Querriegel, die Aufweitung von Abflussgräben oder die Änderung des Bewuchses, um in der Summe doch einen beachtlichen Erosionsschutz zu erreichen. Ein typisches Beispiel: Im Einzugsgebiet von Jauchshofen bei Kirchdorf hat ein innovativer Biogas-Landwirt einen Acker mit Silphie bebaut, das ist eine tief verwurzelte Dauerkultur. Jetzt sind es kräftige Pflanzen. Im langgezogenen Acker fließt bisher bei Starkregen auf einer Länge von 300 m wild abfließendes Wasser nach Jauchshofen. Es ist zu hoffen, dass die Silphie dieses durchströmende Wasser deutlich bremst und mehr davon zum Versickern bringt, als die bisher angebauten Kulturen, es leisten konnten. Bei realistisch-optimistischen Annahmen kann sie eine Verringerung der Abflussspitze um gut zehn Prozent bringen.


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