13.05.2020, 14:05 Uhr

Lebensraum Neues Biotopholz für die Wälder um die Befreiungshalle

Forstwirt bei der Handentrindung. Foto: BaySFForstwirt bei der Handentrindung. Foto: BaySF

Gelbbauchunke, Großes Mausohr und Grauspecht: Geht es nach den Kelheimer Försterinnen und Förstern, dann werden noch in diesem Frühjahr die Grundlagen für neue Lebensräume rund um die Befreiungshalle gelegt. Ausgangspunkt dafür war ein Orkan.

Kelheim. Winterstürme sind bei Förstern gefürchtete Naturereignisse. Die vom Sturm betroffenen Fichten sind im Frühjahr oft eine Brutstätte für den Waldschädling Nummer eins, den Borkenkäfer. Deshalb waren auch die Sorgen im Kelheimer Staatsforstbetrieb groß, als im Februar dieses Jahres Orkan Sabine zahlreiche Fichten umgeworfen oder gebrochen hat. Nun hat Bernhard Daffner vom Forstbetrieb Kelheim die Pläne für die Aufarbeitung vorgestellt. Er macht aus der Not eine Tugend, indem er Waldschutz und Waldnaturschutz vereint.

„Der Borkenkäfer beschäftigt uns Waldbesitzer schon seit mehreren Jahren“, erklärt Daffner, stellvertretender Leiter des Forstbetriebs. „Die Trockenheit und Hitze der letzten beiden Jahre hat den Bäumen zugesetzt. Dazu kommt, dass der Orkan Sabine auf vielen Waldflächen Fichten geschädigt hat. Diese geschwächten Bäume sind für den Borkenkäfer besonders interessant.“ In den letzten Wochen waren daher die Forstwirte des Forstbetriebs unermüdlich im Einsatz, um befallene Bäume zu suchen und zu markieren. Die Zeit drängt, die Bäume müssen entfernt werden, bevor sich der Borkenkäfer ausbreiten kann. Nach Rücksprache mit den zuständigen Behörden fangen die Forstwirte in den nächsten Tagen mit der Aufarbeitung der befallenen Fichten rund um die Befreiungshalle an. „Für diese Fläche haben wir uns in Zusammenarbeit mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Abensberg etwas Besonderes einfallen lassen. Wir werden das Holz vollständig in den Beständen belassen und von Hand entrinden,“ so Daffner. „Damit reichern wir Biotopholz an, das als Lebensraum und Brutstätte für zahlreiche Arten dient“, erklärt er. Wo es für Waldbesucher gefahrlos möglich ist, wollen die Kelheimer Försterinnen und Förster sogar die aufgeklappten Wurzelteller stehen lassen und so zusätzliche Struktur und Habitatmöglichkeiten, zum Beispiel für die Gelbbauchunke, schaffen.

Das Entrinden per Hand ist ein sehr aufwändiges Verfahren und wird vom Freistaat Bayern gefördert. Es hat den Vorteil, dass eine sehr waldschonende Arbeit möglich ist. „Zum Glück haben wir noch ein paar alte Hasen unter unseren Waldarbeitern, die wissen, wie man das Schäleisen richtig und kräfteschonend einsetzt. Da können sich die Jüngeren noch den einen oder anderen Kniff abschauen,“ sagt Daffner schmunzelnd. „So lernen die Jungen von den Alten und es profitiert die Natur.“


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