20.12.2019, 09:48 Uhr

Fachlich fundierter Vortrag Landwirtschaft nach dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“ – was sich bereits getan hat und was sich tun wird

(Foto: Koller-Ferch)(Foto: Koller-Ferch)

Der dritte Abend der Abensberger Wintervortragsreihe „Biodiversität in Land- und Forstwirtschaft“ war wieder gut besucht. Über 100 interessierte Landwirte, Verbandsvertreter und Verbraucher waren nach Abensberg gekommen einen interessanten Vortrag zu hören und miteinander zu diskutieren.

ABENSBERG Eduard Huber, Vorsitzender des Verbandes für landwirtschaftliche Fachbildung, begrüßte die Teilnehmer, unter ihnen auch die Landtagsabgeordnete Petra Högl, und die Referentin des Abends, Dr. Annette Freibauer, Leiterin des Institutes für Ökologischen Landbau, Bodenkultur und Ressourcenschutz an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Über Bildung muss Bewusstsein für die aktuelle Fragestellung geschaffen werden. Die Landwirtschaft ist gerade gefordert einen Spagat zu schaffen. Klimaschutz, Umweltschutz, Gewässerschutz – wo bleibt die Hilfestellung, die die Landwirtschaft braucht diesen Auftrag zu erfüllen? In einem Brief ans Christkind formuliert er Wünsche an Politik und Gesellschaft der Landwirte.

Dr. Freibauer beginnt ihren Vortrag mit der Frage: Wer hat das Volksbegehren gelesen, wer hat es unterschrieben und wer hat es vor dem Unterschreiben gelesen? Etwas zögerlich gehen ein paar Hände nach oben. Sie erklärt die Kerninhalte des Volksbegehrens und zeigt sich überzeugt davon, dass das Volksbegehren notwendig war und, dass erste Wirkungen und damit Erfolge zu erkennen sind. Aus dem Volksbegehren ist ein Gesetz entstanden, auf das über Verordnungen, noch die Klärung von Rechtsbegriffen und die Formulierungen für zusätzliche, fachlich sinnvolle Maßnahmen folgen werden.

Sie beklagt einerseits, das Volksbegehren hätte über Polarisierung und Polemik in der Diskussion Flurschäden angerichtet, freut sich aber auch darüber, dass inzwischen Fachwissen bei politischen Entscheidungen verstärkt Gehör findet. Ihr ist wichtig festzustellen, auch vor dem Volksbegehren gab es schon Fördermaßnahmen für Agrarumweltmaßnahmen und Vertragsnaturschutz mit guter Finanzausstattung, die den Erhalt der Artenvielfalt im Umfeld der Landwirtschaft als Ziel hatten und nennt dabei unter anderem Wiesenbrüterprogramm, Wildlebensraumberatung und Gewässerrandstreifen. Die Bereitschaft der Landwirte war immer schon da diese Förderung anzunehmen und es wurden über Monitorings im Grünland und bei mehrjährigen Blühflächen Erfolge für die Erhaltung von Insektenarten und Niederwild nachgewiesen. „Die Krefeld-Studie hat uns sozusagen wachgerüttelt und zeigt wie andere Studien auch, dass es dringend notwendig ist zu handeln.“

Es ist interessant zu hören, wie Wissenschaftler die Bestandsaufnahme gestalten, welche Erfolge inzwischen erzielt wurden und dass es Möglichkeiten gibt, Artenschutz erfolgreich zu gestalten. Über die Evaluierung der Agrarumweltmaßnahmen muss erreicht werden, dass sich die Biodiverstitätsleistungen der Landbewirtschaftung erhöhen. Bisher waren Einzelflächenmaßnahmen gut beschrieben, aber die Gesamtbetrachtung des Landschaftskontextes fehlte. Innerhalb ihres möglichen Aktionsradius braucht die Tierwelt ungestörte Wohn- und Überwinterungshabitate, Bruthabitate, Nahrung und Vielfalt. „Wir wissen nicht genau, wer da ist und welche speziellen Bedürfnisse gegeben sind“, sagt die Wissenschaftlerin. Niemand wird sich darauf festlegen, welche Einzelursache Schuld ist am Rückgang der Artenvielfalt. Wichtig für die Zukunft ist es vor allem Leitarten zu erkennen und deren Lebensraumansprüche zu gestalten.

Im letzten Teil ihres Vortrages zeigt Dr. Freibauer was besser gemacht werden kann. In einer „Akteur-übergreifenden Beratung“ sollen Wildlebensraumberater und Wasserrahmenrichtlinienberater, für die neue Planstellen geschaffen sind, neue Modellgebiete entwickeln, die Neuanlage von Gewässerrandstreifen zielführend mitgestalten und im Bereich Pflanzenschutz auf die notwendige Verringerung der Mittel einwirken. Die Aufgaben der Landesanstalt für Landwirtschaft liegen dabei in der Fachaufsicht der Agrarökologie, dem Bereitstellen von Fachinformationen und Merkblättern. Diese sind in erster Linie für Ausbildung und Information der Landwirte gedacht, sollen aber auch einen Beitrag dazu leisten, alle Bürger fachkundig werden und gemäß „citizen science“, gemäß der Erfahrung „man schützt nur, was man kennt“ mit aktiv sind. Die Landesanstalt für Landwirtschaft ist schon lange zu Biodiversität aktiv, die Landwirtschaftsberatung und -verwaltung intensiviert Aktivitäten für Biodiversität in allen Handlungsfeldern. Gemeinschaftsaktionen und Kooperationsangebote mit allen Akteuren müssen zu gemeinsamem, effizientem Handeln führen. Mit dieser Aussage zeigt sie auf, dass die Zielsetzung der Abensberger Wintervortragsreihe „Biodiversität in Land- und Forstwirtschaft“, Nutzer und Schützer der Landschaft und damit der Natur an einen Tisch und damit ins Gespräch bringen wichtig ist.

Die anschließende, von Dr. Joachim Hamberger geleitete Diskussionsrunde zeigt es noch einmal, nur über eine fachliche Diskussion kann es gelingen gemeinsames, effizientes Handeln ins Laufen zu bringen. Im Abschlusssatz bringt es ein Teilnehmer auf den Punkt. Dr. Freibauer ist es gelungen in ihrem fachlich fundiertem Vortrag auch eine Begeisterung für die Sache zu zeigen. Diese Begeisterung muss auch auf die Zuhörer und Kooperationspartner überspringen.


0 Kommentare