06.09.2019, 09:48 Uhr

An der Flussmeisterstelle in Neustadt Zurück zur Natur – Bezirkskämmerer Thomas Klaus geht zum „Rollenwechsel“ auf Fischfang

Fischereifachberater Dr. Stephan Painter und Bezirkskämmerer Thomas Klaus bei der Bestandserhebung mit Klaus Gumpp und Max Mayer auf einem renaturierten Teilstück der Ilm. (Foto: Bezirk Niederbayern/Bäter)Fischereifachberater Dr. Stephan Painter und Bezirkskämmerer Thomas Klaus bei der Bestandserhebung mit Klaus Gumpp und Max Mayer auf einem renaturierten Teilstück der Ilm. (Foto: Bezirk Niederbayern/Bäter)

Beruflich ist Thomas Klaus, Leiter des Referats für Finanzen und Beteiligungen des Bezirks Niederbayern, ein Mann der Zahlen, dennoch zieht es ihn in der Freizeit ans Wasser und in die Natur. So lag es nahe, dass er zum „Rollenwechsel“ einen Tag bei der Fischereifachberatung des Bezirks verbringt. Das Projekt „Rollenwechsel“ wurde Anfang des Jahres ins Leben gerufen, um Führungskräften Einblicke in die verschiedenen Fachgebiete des Bezirks zu verschaffen.

NEUSTADT AN DER DONAU Fischereifachberater Dr. Stephan Paintner hat viel vor an diesem Tag, an dem er Unterstützung durch den Kämmerer bekommt. Auf der Agenda steht eine Fischbestandserhebung in der Ilm bei Neustadt an der Donau, die zusammen mit Max Mayer, Mitarbeiter der Fachberatung für Fischerei des Bezirks, und Klaus Gumpp, Gewässerwart vom Verein Neustädter Fischerfreunde, durchgeführt wird.

Die Beteiligten treffen sich mit Ulrich Menacher, dem Leiter der Flussmeisterstelle in Neustadt, an einem renaturierten Teilstück der Ilm. Die Fragestellung an diesem Tag lautet: Wie wirkt sich die Renaturierung auf den Fischbestand und die Artenvielfalt aus?

Obwohl die Renaturierung erst vor wenigen Jahren durchgeführt wurde, bietet sich dem Bezirkskämmerer ein Bild, das ganz anders ist als das vieler anderer heimischer, meist begradigter Fließgewässer: Das Flüsschen ist verschlungen, mal schmal und mal breit, hat kleine Inseln, die von Bewuchs bedeckt sind. Es liegt viel Totholz im Wasser und verschiedene Schilfarten haben sich angesiedelt. Nach einer kurzen Vorbesprechung und Arbeitseinteilung geht es mit dem Boot der Fischereifachberatung ins Wasser. Thomas Klaus hat sich bereit erklärt, Protokoll zu führen, also auf Zuruf seiner heutigen Kollegen Art und Größe jedes gefangenen Fischs schriftlich zu erfassen.

Fangmethode der Wahl bei wissenschaftlichen Erhebungen ist das Elektrofischen. Mit dieser schonenden Methode wird der Fisch sichtbar gemacht und kann nach seiner Erfassung wieder unbeschadet in die Freiheit entlassen werden. Schon nach kurzer Zeit zeigt sich auch an diesem Tag, dass Jungfische gerade im Bereich von Totholz bzw. natürlichem Bewuchs anzutreffen sind – eben dort, wo sie Schutz vor sogenannten Prädatoren (Räubern) finden. Nach etwa drei arbeitsintensiven Stunden legt das Boot wieder an seiner ursprünglichen Ablegestelle an.

Die erste Zwischenbilanz kann sich sehen lassen: 25 verschiedene Fischarten wurden gezählt. „In einem nicht renaturierten Gewässer hätten wir kaum die Hälfte vorgefunden“, so Paintner. „Insbesondere die heimischen Arten Nase und Barbe haben sich offenbar bereits etabliert und fortgepflanzt. Wir haben sogar Arten erfasst, die vom Aussterben bedroht sind wie beispielsweise den Streber. Das zeigt, dass eine Renaturierung viel für die Artenvielfalt und auch für den Bestand insgesamt bringt. Solche Erfolge gibt es aber nur, wenn die Beteiligten vor Ort an einem Strang ziehen. Im konkreten Fall ist es unter anderem der Arbeit der Flussmeisterstelle von Ulrich Menacher und dem Engagement des hiesigen Vereins ‚Neustädter Fischerfreunde‘ zu verdanken, dass es so erfreuliche Resultate gibt.“

Auch Thomas Klaus ist sehr zufrieden mit seinem Tag auf der Ilm: „Ich hätte nicht mit derart vielen verschiedenen Fischen gerechnet. Heute habe ich Arten gesehen, von denen ich vorher nicht einmal gehört hatte“.


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