09.11.2018, 15:12 Uhr

Bürger schützen, Schäden vermeiden Das Sturzflut-Risikomanagement für Sandharlanden läuft an

Florian Brodrecht und Hans Schmid. (Foto: Knott, Stadt Abensberg)Florian Brodrecht und Hans Schmid. (Foto: Knott, Stadt Abensberg)

Die Stadt Abensberg freut sich über das hohe Interesse am Informationsabend zum Sturzflut-Risikomanagement für den Ortsteil Sandharlanden. Am Montag, 5. November, haben Stadtwerke-Chef Hans Schmid und Florian Brodrecht vom Ingenieurbüro Spekter gemeinsam mit Bürgermeister Dr. Uwe Brandl das Konzept vorgestellt, mit dem die Schäden durch Starkregenereignisse erheblich reduziert werden sollen.

ABENSBERG Das Ingenieurbüro aus Herzogenaurach ist Marktführer in der Erstellung von Starkregen-Gefahrenkarten. Diese Karten dienen als Handlungsanleitung – was muss wo getan werden, um die Auswirkungen von Starkregenereignissen zu minimieren?

Damit dies möglichst genau und detailliert erfolgen kann, sind die Sandharlandener nun zum Mitmachen aufgerufen. Wer in der Vergangenheit Wasserschäden hatte, sollte diese unbedingt melden; alle Informationen fließen in eine Datenbank, mit der dann die Verteilung des Wassers bei heftigen Regenfällen genau berechnet werden kann. Anhand dieser Fakten lassen sich in einem weiteren Schritt Maßnahmen ableiten, die den Ort – der vor zwei Jahren unter heftigen Starkregenereignissen litt – und seine Bürger besser schützen. Die Daten der Bürger können auf zweierlei Weise abgegeben werden, online oder per Fragebogen. Online ist dies unter dieser Adresse möglich: www.starkregenmelder.de Eine Teilnahme ist unkompliziert, die Schritte zum Ausfüllen selbsterklärend. Es können auch Bilder und Filme hochgeladen werden. Wer lieber offline arbeitet, der fülle bitte einen Fragebogen aus. In der Boderei (Harlandener Straße 20) liegen bereits auf Initiative von Stadtrat Reinhard Handschuh einige Exemplare zur Gratis-Abholung auf. Die Daten werden nicht an Dritte weiter gegeben. Selbstverständlich können die Fragebögen auch bei den Stadtwerken Abensberg im Bad Gögginger Weg abgeholt werden.

„Die Stadt Abensberg ist eine der ersten Kommunen Bayerns, die sich um das Förderprogramm beworben hat“, so Starkregenspezialist Brodrecht am Montagabend im vollen Hammermeier-Wirtschaftsraum. Zwei Schritte seien es nun im Wesentlichen, die in Sandharlanden getan werden: „Wo und wie sind wir gefährdet? Und wie können wir uns schützen?“ Für den einzelnen Bürger seien einige Vorkehrungen wichtig: Rückstausicherung, Lichtschaft-Erhöhung und eine Abschottung am Kellereingang, die über einschiebbare Planken recht leicht möglich ist. Brodrecht warnte: „Wenn Sie eine Kellerwohnung haben und das Wasser steht 30 Zentimeter hoch an der Türe, brauchen Sie enorme Kräfte, um da rauszukommen.“ Ein Kellerraum werde da leicht zum Gefängnis.

Seitens der Bürger wurden an diesem Abend einige Themen angesprochen. So seien die landwirtschaftlichen Monokulturen hochproblematisch für den Versickerungsgrad in die Böden. Ebenfalls thematisiert wurden die Sünden der Flurbereinigung – offene Kanäle, die unnötig gedeckelt und dadurch in der Aufnahmekapazität erheblich reduziert worden sind. Und, natürlich: „Freie Flächen werden mehr und mehr geschlossen“, so eine Sandharlandenerin. Ob da nicht einfach größere Kanäle helfen würden? Hans Schmid, der die Durchmesser aller an diesem Abend angesprochenen Kanäle genauestens kennt, antwortete: „Die Wassermassen, um die es hier geht, benötigen mannshohe Tunnels. Das geht nicht.“ Auch Bürgermeister Dr. Brandl unterstrich dies: „Wer glaubt, mit Kanälen das Problem lösen zu können, der irrt. Man muss das Wasser vorher abfangen.“ Knackpunkt für ihn seien die Mengen, die vom Kapellenberg herunter kommen: „Die dürfen wir nicht ins Dorf lassen.“

Auch Brodrecht kannte die Kanal-Thematik: „Das wird immer angesprochen. Die Bürger hoffen, dass damit viel erreicht werden kann. Aber das hat seine Grenzen, ist nicht wirtschaftlich – und sie saufen trotzdem ab.“ Die Kanäle, danach gefragt, befinden sich laut Schmid „in einem guten Zustand, sind gespült und mehrfach gefilmt.“ Kanalsysteme sind für ein- bis fünfjährige Regenereignisse ausgelegt, „und das ist ja nicht unser Thema.“ Dass dennoch einige Kanäle eventuell vergrößert werden, liegt an der Gesamthydraulik, so Schmid – aber das sei noch Zukunftsmusik.

Angesprochen wurden auch Subventionen für Grünflächen, die anstelle von landwirtschaftlicher oder anderer Nutzung nun eben als Stauraum oder Versickerungsfläche Verwendung finden könnten. Laut Brodrecht wird derzeit geprüft, ob solche Umwandlungen subventioniert werden können.

Klar ist: „Selbstverständlich werden wir kommunale Flächen nehmen, wenn sie geeignet sind“, so Bürgermeister Brandl. Er appellierte aber auch, offen für Grundstücksverhandlungen zu sein: „Wir werden Sie brauchen.“ Jetzt aber werden die persönlichen Erfahrungen und Informationen der Sandharlandener bei zurück liegenden Regenereignissen gebraucht. Die Stadtverwaltung hofft, dass bis Mitte Dezember möglichst viele Schadensereignisse geschildert sind und im neuen Jahr dann mit der Auswertung begonnen werden kann.


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