20.07.2018, 11:52 Uhr

Dringender Handlungsbedarf Buchsbaumzünsler gefährdet die Buchsbestände im Landkreis Kelheim

(Foto: Franz Nadler, Kreisfachberater)(Foto: Franz Nadler, Kreisfachberater)

Der ursprünglich aus Ostasien stammende Buchsbaumzünsler wurde erstmals im Frühjahr 2007 in Deutschland bemerkt. Im Landkreis Kelheim sind der Kreisfachberatung für Gartenkultur und Landespflege erstmals 2017 befallene Buchsbäume gemeldet worden. Heuer hat sich der Schädling explosionsartig vermehrt und tritt fast im gesamten Landkreis Kelheim auf.

LANDKREIS KELHEIM Die Kommunale Abfallwirtschaft bittet darum, dass befallenes Schnittgut und abgestorbene Pflanzenreste luftdichtverpackt im Restmüll entsorgt werden, um eine weitere Ausbreitung des Schaderregers zu vermeiden. Die Grüngutannahmestellen in den Wertstoffzentren und -höfe des Landkreises Kelheim sollen möglichst nicht mit befallenem Grüngut angefahren werden.

Der Buchsbaumzünsler ernährt sich ausschließlich von Buchs. Es ist für die Gartenbesitzer schwierig, einen ersten Befall zu erkennen. Meistens beginnt es an den unteren Ästen oder im Innern des Buchsbaums. Die kleinen Larven verursachen zuerst einen Fensterfraß an den Blättern, später kann es bis zum Kahlfraß an der Pflanze kommen. Die Raupen sind aufgrund ihres Farbmusters gut getarnt.

Für eine gute Bekämpfungsstrategie des Buchsbaumzünslers sind genaue Kenntnisse über seine Biologie bzw. Lebensweise notwendig. Die Überwinterung erfolgt als kleine Larve, geschützt in einem Gespinst, an der Pflanze. Ab Mitte März bis Anfang April beginnt die Larve zum Fressen. Die Raupen spinnen sich vor der Verpuppung einen Kokon. Das Puppenstadium dauert im Sommer nur rund 1 Woche. Die schwarz-weiß gemusterten Falter schlüpfen etwa Anfang bis Mitte Juni. Sie leben acht bis neunTage, sind nachtaktiv und legen 100 bis 150 Eier an Blättern des Buchsbaums ab. Der zweite Raupenauftritt ist Mitte bis Ende Juli, der weitere Falterflug im August und September. Ende Oktober spinnen sich die Räupchen zur Überwinterung ein.

Kreisfachberater Franz Nadler empfiehlt, bereits die erste Raupengeneration im Frühling zu bekämpfen. Gut hilft hier das Abspritzen mit einem Hochdruckreiniger. Vorher eine Plane unter der Pflanze auslegen und dann die Raupen vernichten. Durch den Einsatz von anliegenden Netzen bei Buchskugeln lässt sich nach ersten Erfahrungen von Pflanzenschutzberater Thomas Lohrer (Hochschule Weihenstephan-Triesdorf) eine Eiablage durch die Falter wirkungsvoll verhindern. Geeignet sind Vogelschutznetze mit zehn Millimetern Maschenweite. Viele Hobbygärtner haben mit dem Wirkstoff Bazillus thuringiensis, einem biologischen Präparat, gute Erfahrungen gemacht. Es handelt sich dabei um ein parasitäres Bakterium, das sich im Körper der Raupen vermehrt und die Schädlinge dabei abtötet. Zum Einsatz schreibt das Umweltbundesamt: „Ende April Mittel auf Basis des Bakteriums Bacillus thuringiensis spritzen, das auch von den Profis im ökologischen Landbau verwendet wird. Achten Sie darauf, dass die Pflanzen von außen und innen tropfnass sind, und spritzen sie nur bei bedecktem Himmel, da das Bakterium empfindlich auf UV-Licht reagiert. Für eine optimale Wirkung sollten zudem mindestens 18 Grad Celsius herrschen, damit die Raupen aktiv genug sind und über ihre Fraßaktivität genügend Bakteriensporen aufnehmen.“ Als zweiter Bekämpfungstermin bietet sich Anfang Juli an. Auch ein Einsatz von parasitären Nematoden (Steinernema carpocapsae) gegen die Larven des Buchsbaumzünslers ist möglich. Als direkte Pflanzenschutzmittel gegen die Raupen des Buchsbaumzünslers wirken Neempräparate oder Pyrethroide, die im Haus- und Kleingarten zugelassen sind. Man muss damit auch in das Innere des Buchs spritzen und nach zwei Wochen die Behandlung wiederholen.


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